„Knochentrockene Balken“

Nach Notre-Dame-Katastrophe: Handlungsbedarf bei der Basilika

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Seligenstädter Einhardbasilika aus der Vogelperspektive: „Der Brandschutz muss dringend optimiert werden.“

Nach der Brandkatastrophe in Paris, bei der die weltberühmte Kathedrale Notre Dame fast völlig zerstört wurde, ist auch hierzulande die Sorge groß. Wie steht es mit dem Brandschutz, und wie sicher sind unsere historischen Sakralbauten?

Seligenstadt – Dringender Handlungsbedarf besteht nach Recherchen unserer Zeitung bei der Seligenstädter Einhardbasilika, in den 30er Jahren des neunten Jahrhunderts von Stadtgründer Einhard errichtet. 30 Punkte hat Gerhard Klein, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates in der Pfarrgemeinde St. Marcellinus und Petrus, seit 2015 zusammengestellt. „Um den Brandschutz ist es im Kirchenbau schlecht bestellt, er muss dringend optimiert werden“, fasst Klein seine Erkenntnisse zusammen. Immerhin gibt es nach seiner Auffassung bei der Dachkonstruktion des Basilika-Langhauses durchaus Parallelen zur Notre Dame. Auch die Basilika beherberge unter dem Dach jahrhundertealte Tragebalken aus verschiedenen Holzarten, die knochentrocken seien. „Wir brauchen dort einen aktiven Brandschutz mit Rauchmeldern und geschlossenem Rohrsystem, zum Beispiel mittels Sprinkleranlage“, so seine Empfehlung.

Brandschutz-Fachmann: Sprühwasser-Löschanlage eine Möglichkeit

Gerhard Klein weiß, wovon er spricht, denn er ist ein versierter Brandschutz-Fachmann. „Bereits vor 30 Jahren wurde zum Beispiel in der Justinuskirche in Frankfurt-Höchst nach meinem Konzept eine Sprühwasser-Löschanlage installiert. Das wäre auch für die Seligenstädter Basilika eine Möglichkeit zum präventiven Brandschutz“.

Das ist allerdings nicht das einzige Problem bei dem Kirchenbau in der Einhardstadt. Unzulänglichkeiten wurde bereits bei einem Treffen im Januar 2017 mit Vertretern vom Land Hessen, des Bistums und aus der Landesdenkmalpflege festgestellt.

Blick unter das Dach des Basilika-Langhauses: Das marode Isoliermaterial wurde aufwendig entfernt.

Marcus Bayer, Vorsitzender des Basilika-Bauvereins, hat Ende 2015 bereits über zwei Dutzend Schwachstellen nachgewiesen, die dringend beseitigt werden müssten. Unter anderem müsste eine neue und energieeffizientere LED-Beleuchtung installiert und eine bessere Beschallungsanlage eingebaut werden. Zudem steht die Generalüberholung der Orgel an. Auch die Heizung ist wegen ihres hohen Energiebedarfs längst nicht mehr zeitgemäß. Durch ihre Unterflurheizkörper wird mit dem warmen Luftstrom viel Staub transportiert, der sich an den Wänden niederschlägt.

Seligenstädter Basilika: Letzte große Renovierung 1950

Die letzte große Renovierung der Seligenstädter Basilika fand in den 1950er Jahren unter der Regie des Kunsthistorikers Dr. Otto Müller statt. Noch gibt es nicht einmal Schätzungen, was die grundhafte Sanierung des Gotteshauses kosten würde. Ein erster Schritt dahin sei allerdings getan, sagt Gerhard Klein. So ist in einer aufwendigen Aktion die marode Wärmedämmung aus Glaswolle von einer Fachfirma unter dem Dach des Langhauses beseitigt und entsorgt worden. Dazu musste unter anderem eine Dachgaube am östlichen Seitentrakt des Kirchengebäudes für eine mächtige Sauganlage eingebaut werden, um das umweltschädliche Isoliermaterial entfernen zu können.

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VON ARMIN WRONSKI 

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