340 Kilometer Abenteuer

Seligenstädter Troß startet in Augsburg

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Bestens präpariert sind Deichseln und Achsen der Fuhrwerke. Immerhin sind Mensch, Tier und Material zwei Wochen lang unterwegs.

Vor dem Start des Kaufmannszugs am heutigen Samstag in Augsburg stehen die Macher des Spektakels vor einer logistischen Herausforderung.

Augsburg/Seligenstadt – Am vergangenen Mittwoch wurden Kutschen und Planwagen auf schwere Lkw-Sattelzüge verladen und auf die Reise in die Fuggerstadt geschickt. Am gestrigen Freitag gegen vier Uhr morgens gingen weiter Fuhren nach Augsburg. „Insgesamt haben wir 15 Transporter im Einsatz. Sie haben unter anderem drei Tonnen Kraftfutter für Pferde an Bord“, erzählt Peter Rühl, der mit Max Sprey für die Versorgung von Mensch und Tier während der zweiwöchigen Reise und den rund 340 Kilometern nach Seligenstadt verantwortlich ist.

Einige Tage davor hatte Pfarrer Stefan Selzer zahlreichen Zugteilnehmern am Schachenweg-Kreuz den Reisesegen gespendet. Wer sich einst als Kaufmann von Augsburg oder Nürnberg auf den langen Weg nach Frankfurt machte, hat nicht nur vorher seine Hinterlassenschaft geregelt, sondern auch geistlichen Beistand und Segen gegen alle Widrigkeiten erbeten, die auf der Reise auftreten konnten und schneller Gesundheit, Leib und Leben kosteten als heutzutage. Diese Zeiten größter Reisegefahr sind zwar heute vorbei, wenn man alleine schon an die täglich zurückgelegten Kilometer zur Arbeit denkt.

Doch war der Segen vielen Teilnehmern des Kaufmannszuges wichtig. An der Abenteuer-Geleitsreise 2019 nehmen zwischen 250 bis 300 „Kaufleute“ teil, die täglich neun Stunden auf den Streckenabschnitten unterwegs sind. Insgesamt besteht der „Support“ (Verpflegung und Technik) aus 18 Helfern, die an den 15 Stationen Quartier beziehen und den täglichen Auf- und Abbau organisieren. In den zwei Wochen auf der Reiseroute in die Einhardstadt sind im täglichen Wechsel etwa 160 bis 170 Personen in 18 Fuhrwerken mit 44 Pferden unterwegs.

Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts waren die letzten Züge mit Kaufleuten auf den beiden Handelswegen von Augsburg und Nürnberg in Richtung Frankfurt zur dortigen Messe auf Achse - im wahrsten Sinn des Wortes. Im Jahr 2002 gründete sich in Seligenstadt, dem letzten Rastort vor Frankfurt, der Arbeitskreis Kaufmannszug. Am 31. Mai 2003 startete erstmals nach über 200 Jahren wieder ein Zug mit Kaufleuten und ihrem Geleit von Nürnberg in Richtung Frankfurt. Eine ebenso schöne wie spektakuläre Tradition nahm ihren Anfang...

VON ARMIN WRONSKI

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