Aufwandsreduzierte Bemühungen

Wie die Stadt ihre Klimaschutz-Ziele mit der EVO besser angehen könnte

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Zukunftsträchtige Zusammenarbeit Stadt und EVO: Hotspots auf dem Marktplatz.

Als es vor einigen Jahren monatelang um eine gemeinsame Strom-GmbH ging, da endete der Flirt der Stadt mit der Energieversorgung Offenbach (EVO) nach dem Machtwechsel in Seligenstadt recht unromantisch und abrupt: Die neue Koalition aus SPD, FDP und FWS stoppte alle Träume von CDU und Grünen, denen damals die SPD abhanden gekommen war.

Seligenstadt – Doch sind keinerlei Berührungsängste zwischen Stadt und EVO zurückgeblieben. Zunächst verlängerte die Stadt Ende 2016 die Stromkonzession mit der EVO um weitere 20 Jahre. Es folgte die Zusammenarbeit mit dem Versorger als „Konzessionsnehmerin Strom“ beim geplanten Standort für eine Elektroladestation, zuletzt beim Projekt „Kostenfreies WLAN an öffentlichen Standorten in der Stadt. Zwar wurde bereits Ende 2015/Anfang 2016 öffentliches WLAN auf Marktplatz, Freihof sowie am Fähranleger eingerichtet, doch fanden sich im laufenden Jahr nicht mehr ausreichend Gewerbepartner, um das gesamte Marktplatz-Areal zu versorgen. In Zusammenarbeit mit der EVO wurden daraufhin auf dem Marktplatz sogenannte Hotspots installiert, sodass öffentliches WLAN dort zuverlässig funktioniert. Für Internetverbindung am Löffeltrinkerplatz sorgt die Metzgerei Fecher, Stadt und EVO wollen mit Bürgerbüro und Schwimmbad weitere Standorte vorbereiten. .

Bei der Umsetzung ihres im Oktober 2013 beschlossenen Klimaschutzkonzepts kommt die Stadt lediglich in Trippelschritten voran, bekanntlich fiel auch der Klimaschutzmanager dem Rotstift zum Opfer. Doch plant die Stadt die Fortsetzung des Konzepts, will Mittel im 2020er Etat einplanen. Ein nun im Geschäftsgang befindlicher Magistrats-Antrag, über den die Stadtverordnetenversammlung noch zu befinden hat, könnte einige aufgestaute Probleme lösen. „Vor dem Hintergrund ihrer energie- und klimaschutzpolitischen Verantwortung“ will sich die Stadt über eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts dem kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk (KEEN) der EVO anschließen. Begründung: Die Stadt können die im Klimaschutzkonzept geforderten Aktivitäten der Vernetzung und übergreifenden Zusammenarbeit, Moderation, Management der Umsetzung, Sensibilisierung, Bildungsarbeit, Informationsbeschaffung und Weitergabe, Koordinierung und verwaltungsinterne Beauftragung der Datenerhebung und Aufbereitung mit dem vorhandenen Personal nicht bewältigen.

Die EVO-Initiative zur Bildung eines kommunalen Energieeffizienz-Netzwerks sei nun eine Option, „die Bemühungen um den Klimaschutz aufwandsreduziert und praxisbezogen fortzusetzen, vor allem im Bereich Beratung, Vernetzung und Kommunikation sowie Fördermittelbeschaffung“.

Bei einer Kostenbelastung von 9 500 Euro pro Jahr bei mindestens sechs teilnehmenden Kommunen und Nutzung des Know-hows der EVO in einem Zeitraum von drei Jahren, erscheint, so der Magistrat, die Teilnahme seitens der Stadt „als sinnvoll, sofern eine Intensivierung der im Klimaschutzkonzept beschriebenen Bemühungen erfolgen soll.“

Das Projekt KEEN würde durch Bundeszuschüsse gefördert, und die EVO würde zudem dem Netzwerk über drei Jahre 30 000 Euro zusteuern. Des Weiteren ist die EVO bereit, eigene personelle Ressourcen zu stellen. Ziel ist die Förderung der Energieeffizienz auf kommunalen Handlungsfeldern, etwa bei der Wärmeversorgung von Liegenschaften, der Erarbeitung von Fördermittelanträgen oder der Erstellung von Sanierungsplänen. Dazu sollen sich „unter der Moderation und Federführung der EVO“ mindestens sechs Kommunen, unter zusätzlicher Beteiligung externer Berater und Experten, zu einem Netzwerk zusammenschließen. Die konkrete Umsetzung von Maßnahmen obliegt allerdings den jeweiligen Kommunen, die freilich Personal und Sachkosten zur Verfügung stellen sollen.

VON MICHAEL HOFMANN

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