Tausende Festmeter beschädigt

STURMSCHÄDEN - Wie geht’s weiter mit Waldwegen im Stadtforst?

Baum-Mikado: Förster Johannes Herrmann vor einem Waldstück, in dem die Fallwinde vom 18. August besonders heftig gewütet haben.
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Baum-Mikado: Förster Johannes Herrmann vor einem Waldstück, in dem die Fallwinde vom 18. August besonders heftig gewütet haben.

Etwa 50 Tage ist es her, als ein nur wenige Minuten dauernder Hagelsturm mit starken Fallwinden über den Seligenstädter Stadtwald hinweg tobte. 

Seligenstadt –Noch immer sind viele Seitenwege im Revier nicht begehbar, Stämme liegen kreuz und quer.  In einigen Abschnitten, wo der Sturm besonders arg wütete, sieht es wie Mikado aus.

Förster Johannes Herrmann, als kommissarischer Revierleiter zuständig für 900 Hektar Seligenstädter Stadt- und 600 Hektar Hainburger Gemeindewald, warnt: „Pilzsucher sollen die Wege nicht verlassen. Es ist noch immer sehr gefährlich.“ Umgefallene Bäume stehen unter Spannung, lose hängende Kronen könnten herabfallen, mahnt der 29-Jährige.

Ich war ein Weg in der Seligenstädter Drei-Märker-Schneise... 

In der anstehenden Erntesaison sollen die umgestürzten Bäume aufgearbeitet und vermarktet werden. „Im Wald hat der Sturm mehrere tausend Festmeter Holz beschädigt, das Zwei- bis Dreifache des jährlichen Einschlags“, resümiert Herrmann. Dennoch ist der Experte zuversichtlich, dass die Schäden bis zum Frühjahr 2020 beseitigt sind.
Besonders in Mitleidenschaft gezogen sind die Kiefern. „Sie bilden den Hauptteil der umgeknickten Bäume – meist ist der Stamm in einer Höhe von drei bis zehn Metern abgebrochen.“ Betroffen seien auch viele Buchen. „Und leider einige schöne, dicke Eichen, die voll belaubt waren und den Wind wie das Segel eines Schiffs abgefangen haben.“

Der Revierförster ist überzeugt, dass dafür Fallwinde verantwortlich waren, kein Tornado, wie manche mutmaßten. „Sonst wären Stämme nicht gebrochen, sondern gedreht. Sie sind aber alle in eine Richtung abgeknickt.“

Nach dem Sturm am 18. August wurden die Schäden nach Priorität abgearbeitet. „Die Verkehrssicherung steht an erster Stelle. Akute Gefahren, etwa abgebrochene Bäume, die auf die A 3 zu fallen drohten, wurden zuerst beseitigt“, berichtet Herrmann.

In Priorität zwei fiel das Freilegen der Hauptwege im Forst, damit das Netz der Rettungspunkte wieder intakt ist. „Hauptwege müssen zum Löschen von Waldbränden frei sein, Trinkwasserbrunnen und Gasstationen für die Versorger zugänglich sein“, erläutert der Forstmann.

Das Freiräumen der Nebenwege sei da nicht so wichtig, soll aber bald folgen. In der letzten Prioritätstufe werden die Schäden im Bestand, also die kreuz und quer liegenden Bäume, angegangen. Und das ist nicht einfach. „Weil viele Bäume in der Sturmschneise in den Revieren Seligenstadt und Jügesheim ineinander verkeilt liegen, können wir in den besonders geschädigten Abschnitten nicht mit der Motorsäge arbeiten, das wäre viel zu gefährlich.“ Ein Harvester muss ran.

„Vor allem dickere Kiefern müssen wir schnell aufarbeiten, weil sich am Holz rasch Verfärbungen einstellen“, erörtert Herrmann mit Blick auf die Drei-Märker-Schneise, wo noch kein Durchkommen ist. Und es gab nicht nur Sturmschäden. „Auch der Hagel hat bei vielen Kiefern die Krone an der Windseite abgeschlagen.“

Wie geht’s weiter mit den betroffenen Flächen? „Wir setzen auf Naturverjüngung, eine natürliche Selektion mit möglichst vielen Baumarten, die sich effektiv ergänzen und einander beim Wachstum unterstützen“, sagt Herrmann. „Wir wollen nicht überstürzt aufforsten.“ Aus Fichten werde Industrieholz, aus dem Europaletten hergestellt werden. Oder es wird klein gehäckselt zu Spanplatten oder Pellets verarbeitet. Aus den Kiefern werde wohl Schnittholz, schwächere Buche eigne sich nur als Brennholz, Eiche soll im Möbelbau Verwendung finden.

Dass die Fallwinde solche Schäden verursachten, hängt mit Vorschäden zusammen. Viele Fichten waren von Borkenkäfern befallen, das zweite Dürrejahr in Folge setzte ihnen zu, vom Diplodia-Pilz befallene Kiefern hatten wegen der Trockenheit dem Hagel wenig entgegenzusetzen. „Derzeit entwickelt Hessen Forst ein Konzept, wie der Mischwald von morgen am besten mit dem sich verändernden Klima auskommt“, erzählt Förster Herrmann.
VON HOLGER HACKENDAHL

An den heruntergelassenen Schranken am Bahnübergang Frankfurter Straße in Seligenstadt beißen sich die Stadtverordneten seit vielen Jahren die Zähne aus. Auch viele Autofahrer sind frustriert.

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