Schnelles LTE-Netz

Telefónica-Mobilfunkturm: Begeisterung hält sich in Grenzen

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Der Rest eines Protestplakats vor dem Niederfeld-Wohngebiet gegen den Mobilfunk-Stahlgitterturm.

Wenige Tage nach der "Stahlgitterturm-Geschichte" ging der Netzbetreiber Telefónica in die Offensive.

Seligenstadt/Hainburg – Wenige Tage nach der „Stahlgitterturm-Geschichte“ in unserer Zeitung Mitte Juli über die geplante 40 Meter hohe, umstrittene Mobilfunk-Konstruktion der Telefónica-Tochter Telxius Towers (München) auf Hainburger Markung, aber in direkter Nähe zweier Seligenstädter Wohngebiete, sowie die anstehende Baugenehmigung des Kreises Offenbach, ging der Netzbetreiber Telefónica in die Offensive.

Der Telekommunikationsdienstleister verkündete, Hessen sei derzeit einer der Schwerpunkte seines Netzausbaus, den er auch im Landkreis Offenbach weiter vorantreiben wolle, „damit immer mehr Kunden vor Ort von einer besseren Mobilfunkversorgung und einem schnellen LTE-Netz profitieren. “ Hierfür rüste das Unternehmen schrittweise Mobilfunkstandorte mit bisheriger GSM (2G)- und UMTS (3G)-Versorgung mit dem LTE (4G)-Standard auf und erhöhe die vorhandenen LTE-Kapazitäten in Städten. .

Im Seligenstädter Rathaus hält sich, bei allem Verständnis für die Fortschritte der drahtlosen Telefonie, die Begeisterung in Grenzen. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP), der bereits im Vorfeld den Standort in unmittelbarer Nähe der beiden Wohngebiete Niederfeld und Amaliasee (50 Meter/70 Meter) kritisiert hatte, kündigte am Donnerstag an, die Stadt lasse sich beraten und ziehe Erkundigungen ein, auch eine Stellungnahme des Hessischen Städte- und Gemeindebunds werde erwartet.

Die Frage, ob es sich mit Blick auf Ortsbild und Optik vor der Niederfeld-Siedlung um den idealen Standort handele, müsse er verneinen, sagte Bastian. In einer ersten Stellungnahmen Ende März war er deutlicher geworden: Die Stadt befürchte gesundheitliche Auswirkungen für die Anlieger durch die elektromagnetischen Strahlungen und sehe damit „die Belange der Öffentlichkeit als wesentlich beeinträchtigt.“ Da zudem eine Erschließung von der Steinheimer Straße her nicht möglich sei, seien „die Grundvoraussetzungen für die Aufstellung von baulichen Anlagen im Außenbereich nicht gegeben.“ Die Bauerlaubnis für den Turm gibt‘s seitens des Kreises Offenbach dennoch, Grundlage ist eine entsprechende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Darmstadt aus dem Jahr 2016. Auf Anfrage der Redaktion sagte Tobias Lemp (Telxius Towers) Mitte Juli, die Strahlenbelastung liege unterhalb der von der Bundesnetzagentur festgelegten Grenzwerte. Die Behörde kontrolliere das und erteile erst dann die erforderliche Standortbescheinigung.

Telefónica gibt an, im Vorjahr rund 50 neue LTE-Sender in der Region installiert zu haben. Allein in den vergangenen Monaten seien „mehr als zehn neue LTE-Stationen im Landkreis Offenbach errichtet worden, unter anderem in Langen, Dietzenbach, Rödermark, Neu-Isenburg, Dreieich und Rodgau.“ Auf die Frage, warum der Standort Hainburg in der Liste fehle, antwortete Telefónica-Sprecher Florian Streicher, in der Tat sei dort von Telxius ein Turm geplant, doch „lief das Projekt intern unter Seligenstadt, daher die zwischenzeitliche Irritation.“ Telefónica wiederum nutze entsprechende Telxius-Standorte, „um dort unsere Mobilfunktechnik anzubringen und die Mobilfunkversorgung zu verbessern.“

VON MICHAEL HOFMANN

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