Reines Halbtagsangebot

Waldkindergarten-Projekt strapaziert die Geduld

Das Seligenstädter Waldkindergarten-Projekt lässt auf sich warten. Bürgermeister Bastian spricht von einem Halbtagsangebot. symbolfoto: Prochnow

Als die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung im Herbst 2017 die Gründung eines Waldkindergartens unter der Trägerschaft der Awo Obertshausen beschloss, dachte sicher keiner daran, dass der Wunsch, den Eltern „eine neue pädagogische Form“ anzubieten, derart auf die lange Bank geraten würde.

Seligenstadt –  Obwohl Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) dieser Tage versicherte, das Projekt Waldkindergarten sei „keineswegs tot“, ist nicht abzusehen, ob und wann Mädchen und Jungen der Gruppe „Wilde Buchfinken“ jemals auf dem Forstgelände hinter den Tennisplätzen der Sportfreunde oder sonstwo die Gegend erkunden. Die Stadt Seligenstadt, so der Rathauschef, sei weiterhin mit den Vorbereitungen des Vorhabens befasst, es gelte viele fachliche Fragen zu klären. Ansprechpartner sei weiterhin die in dieser Thematik erfahrene Awo Obertshausen.

Bei einem ersten Infoabend vor zwei Jahren zeigten überraschend viele Besucher Interesse an einem Waldkindergarten. Es kamen damals nicht nur Eltern, sondern auch Erzieherinnen und Kita-Leitungen aus der Umgebung. Das Interesse sei auch heute noch da, sagt Bastian, doch scheinen sich die Voraussetzungen an einer Stelle geändert zu haben. War 2017 noch der Druck zu spüren, dringend benötigte Betreuungsplätze in Seligenstadt zu schaffen und die Einrichtung eines Waldkindergartens für 20 Mädchen und Jungen eine vermeintlich kostengünstige und ohne viel Aufwand zu bewerkstelligende Alternative, so ist heute nur noch von einer „Mindestzahl von zehn Kindern“ die Rede. Auch müsse klar sein, so der Bürgermeister, dass es sich beim Waldkindergarten „um ein reines Halbtagsangebot handelt - vormittags.“

Weit konkreter sind indes die Vorbereitungen für ein anderes Alternativ-Projekt: Bekanntlich will Asha Scherbach, einst erfolgreiche Initiatorin des Obertshausener Awo-Waldkindergarten-Projekts, heute Geschäftsführerin des gemeinnützigen Unternehmens „Sense Ability“, in Froschhausen einen Gesundheitskindergarten nach Sebastian Kneipp mit dem Namen Kindertagesstätte „Sonnengesang“ betreiben. Konkret soll der „Gesundheitskindergarten“ laut Bastian im September mit zwei Krippengruppen und einer Kindergartengruppe im Altbau neben der Grundschule an den Start gehen. Im Januar 2020 kommt laut Angebot dann eine zweite Gruppe für Drei- bis Sechsjährige dazu.

Als Betriebskostenzuschuss für die ersten Monate von September bis Dezember plant die Stadt gemäß Vorlage 97. 000 Euro ein, die aus dem laufenden Etat bestritten werden können. Für 2020 – dann durchgehend mit vier Gruppen – rechnet der Kämmerer dann mit 383. 000 Euro. Für derartige Kita-Vorhaben, so der Bürgermeister, seien inzwischen europaweite Ausschreibungen erforderlich - alternativ sei der von der Stadt gewählte Weg über sogenannte Zuwendungsbescheide. Und Scherbach habe der Stadt „ein gutes Angebot“ unterbreitet.

VON MICHAEL HOFMANN

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