Wann wohin, und wer zahlt?

Corona-Schutzimpfung: Viele Senioren fühlen sich hilflos

Die Corona-Impfung, ein kleiner Piks. Aber es fehlt an Impfstoffen, die Zentren können nicht arbeiten.
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Die Corona-Impfung, ein kleiner Piks. Aber es fehlt an Impfstoffen, die Zentren können nicht arbeiten.

Viele Senioren in Seligenstadt möchten den Schutz gegen Corona erhalten, müssen dafür jedoch ins Impfzentrum nach Frankfurt. Die Organisation der Termine wirkt unübersichtlich.

Seligenstadt – Den markanten Unterschied zwischen gefälligen Pressekonferenz-Verlautbarungen in Berlin oder Wiesbaden über Corona-, vor allem aber Impfschutzmaßnahmen und der oft hanebüchenen Realität an der Basis stellt Seligenstadts Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) verärgert heraus. „Es fällt mir schwer, da ruhig zu bleiben“, so der Rathauschef mit Blick auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der es nicht geschafft habe, ausreichend Impfstoff beizubringen und seine Hausaufgaben nicht erledigt habe.

Was nütze da die hervorragende Arbeit, die der Kreis Offenbach mit dem Aufbau des Impfzentrums in Heusenstamm geleistet habe? Unter Druck von oben sei dieses bis Mitte Dezember schnell errichtet worden, und nun könne mangels Vakzine nicht geimpft werden. „Heusenstamm ist bis auf Weiteres zu, aber das ist Sache des Bundes, da kann Hessen nichts machen.“ Doch kosteten die 28 Hessen-Impfzentren 40 Millionen Euro im Monat! Immer wieder werde die Rathausverwaltung auf die Impfthematik angesprochen: „Die ältere Generation scharrt mit den Hufen.“

Selingenstadt im Kreis Offenbach: Warten auf die Corona-Schutzimpfung

Doch auch das Land Hessen habe für „Entsetzen bei den Kommunen“ gesorgt, als es kurzfristig eine Passage in den angekündigten Info-Brief über die Corona-Schutzimpfung an alle Senioren über 80 Jahre einfügte. Derzufolge seien im Problemfalle die Kommunen Ansprechpartner. Auf Intervention von Landrat Oliver Quilling (CDU) sei dieser Abschnitt jedoch wieder entfernt worden.

Die Corona-Schutzimpfung soll für die etwa 1000 betagten Seligenstädter ab dem 19. Januar im Impfzentrum Frankfurt, sehr zeitnah dann in Heusenstamm stattfinden. „Unsere Senioren stehen mit diesem Schreiben zum Teil etwas hilflos da. Angegebene Telefonnummern führen allzu oft ins Leere, Internetkontakte nicht minder. Die Wegstrecke nach Frankfurt oder auch künftig nach Heusenstamm ist für viele eine weitere Hürde“, fasst Bastian zusammen, was er in Gesprächen erfahren hat.

Corona-Schutzimpfung im Kreis Offenbach: Senioren aus Selingenstadt müssen nach Frankfurt

Der Bürgermeister und die städtische Seniorenberaterin Anke van den Bergh raten allen angeschriebenen Senioren, zunächst abzuwarten, bis der erste Ansturm verflogen ist. „Die Chance ist dann größer, einen Termin zu bekommen, ohne vorher stundenlang in einer telefonischen Warteschleife zu hängen.“

Ist ein Impftermin vereinbart, stellt sich die Frage nach der Erreichbarkeit und den Fahrtkosten. „Sofern aus früheren Arztbesuchen ein Erstattungsanspruch für Fahrtkosten bestand, sollte bei der Krankenkasse angefragt werden, ob er auch für die Impftermine besteht“, rät Anke van den Bergh. Lehnt die Krankenkasse eine Erstattung ab, trägt das Land die Kosten. Hierzu gibt es noch keine Informationen, wie und vor allem wo die Rechnung eingereicht werden kann. „Die Kostenerstattung erfolgt jedenfalls nicht über die Stadt oder den Kreis“, so Bürgermeister Bastian.

Selingenstadt im Kreis Offenbach: Viele möchten sich gegen Corona impfen lassen

In den Städten und Gemeinden im Kreis selbst gibt es keinen allgemeinen organisierten Fahrdienst, da ja Kontakte gerade beschränkt werden sollen und die Gefahr der Infektion bei einer gemeinsamen Fahrt zum Impfzentrum besteht.

„Wir wissen, dass sich viele Seligenstädter möglichst schnell impfen lassen möchten, aber wir empfehlen allen, auf die Öffnung des Impfzentrums in Heusenstamm oder auf eine Impfung beim Hausarzt zu warten“, so Anke van den Bergh. Laut Sozialministerium in Wiesbaden werden in der ersten Phase die Impfungen im Wesentlichen in speziell eingerichteten Impfzentren oder durch mobile Teams erfolgen. In der zweiten Phase sollen zu einem großen Teil auch dezentral in Einrichtungen der Regelversorgung (Arztpraxen) geimpft werden. Für diese Phase wird davon ausgegangen, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht und ein großer Teil unter Standardbedingungen gelagert werden kann. (mho)

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