Blühstreifen für Bienenfutter

Seligenstädter Insektenhelfer-Aktion geht in die zweite Runde

Ortslandwirt Norbert Zöller und Sohn Steffen bereiten die Samenmischungen für die Blühstreifen vor. Anfang bis Mitte April sollen sie ausgebracht werden. 
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Ortslandwirt Norbert Zöller und Sohn Steffen bereiten die Samenmischungen für die Blühstreifen vor. Anfang bis Mitte April sollen sie ausgebracht werden. 

Nach überwiegend positiver Resonanz bietet der Zöllerhof in Seligenstadt interessierten Bürgern oder Firmen auch dieses Jahr Gelegenheit, sich aktiv an der Förderung der Insektenvielfalt zu beteiligen.

Seligenstadt – In Kooperation zwischen Landwirt und Insektenhelfer können sie sich für eine Fläche zwischen zehn und 1000 Quadratmetern entscheiden.

Zehn Quadratmeter ist die kleinste Fläche, mit der Bürger sich beteiligen können. Das kostet sie 19 Euro für ein Jahr, dazu kommen kostenlos zehn Quadratmeter von Ortslandwirt Norbert Zöller. Die nächstgrößeren Einheiten sind 50, 100, 500 und 1000 Quadratmeter. Da zahlt der Insektenhelfer 40 Cent je Quadratmeter und erhält die gleiche Fläche kostenlos vom Hof dazu.

Nachdem die Aktion landesweit bekannt wurde, war Zöller unter anderem beim Arbeitskreis Blühflächen des Landesbetriebs Landwirtschaft, beim Landesbund Hessischer Imker sowie beim Fachbeirat für Landschaftspflege des Kreises Offenbach eingeladen. In den bundesweit erscheinenden DLG-Mitteilungen wurde ausführlich darüber berichtet.

Für das Angebot von Steffen und Norbert Zöller fanden sich 2019 in Seligenstadt und Umgebung mehr als 200 Teilnehmer. Wegen der hohen Nachfrage mussten mit Gerste eingesäte Flächen wieder umgebrochen werden, um Platz für Blühflächen zu schaffen. Dann kamen ein sehr trockenes Frühjahr, ein extrem heißer Juni und Juli. Dies hatte zur Folge, dass die versetzt gesäten Pflanzen praktisch zeitgleich blühten.

Der viel zu trockene Sommer zwang Zöllers, 90 Prozent der Blühflächen zu bewässern. Das hatten die Landwirte den Teilnehmern versprochen. Auf zwei Arealen am Kortenbacher Weg hatten sich außerdem Weißer Gänsefuß sowie Melde („Schissmelle“) breit gemacht und dort die Blühpflanzen unterdrückt. Der hinzugerufene Pflanzenbauberater riet von Umbruch und Neusaat ab. „Aus heutiger Sicht hätte vermutlich ein Schröpfschnitt das Unkraut so geschwächt, dass die Blühpflanzen besser zur Geltung gekommen wären“, glaubt Norbert Zöller.

Der Sturm vom 18. August walzte die Blühflächen regelrecht platt. Wenige Wochen später hatte sich ein Teil erholt. Im September waren die Flächen wieder grün, und mehrere Arten Klee, Ringel- und Kornblumen sowie Malven begannen zu blühen, sodass bis in den November für viele Insekten Nahrung da war. Die Äcker mit den abgestorbenen Blühpflanzen werden größtenteils umgepflügt und wieder in die Fruchtfolge integriert. Auf einigen werden versuchsweise Fenchel, Dill, Ringelblume, Sonnenblume, Schwarzkümmel, Seradella, Koriander, Wicke, Phacelia, Esparsette und Kleesorten ausgesät.

Das erneute Angebot gibt jedem die Chance, sich mit wenig Aufwand für den Insektenschutz einzusetzen, auch wenn er selbst keinen Acker oder Garten hat. „Wir möchten unsere Mitbürger motivieren, gesamtgesellschaftlich mit uns Landwirten etwas zu bewegen“, formuliert Zöller. Die eigentliche Aufgabe der Bauern, Nahrungsmittel zu erzeugen, werde durch andere Anforderungen ergänzt. „Das kann Energieerzeugung oder spezifischer Naturschutz sein.“

Mittlerweile haben sich viele Teilnehmer erneut angemeldet. Bis Ende März sollten Interessenten bei Zöllers vorstellig werden, damit diese die Fläche zur Aussaat ermitteln können. Infos sind abrufbar unter www.insektenhelfer-seligenstadt.de oder unter www.zoellerhof.de. Dort sind auch die Kontaktdaten des Hofs zu finden.

Anfang Juni werden die Teilnehmer zu Informationsveranstaltungen auf die Felder in Seligenstadt und Klein-Welzheim eingeladen, damit jeder weiß, wo sich seine Fläche befindet. Während der Vegetationszeit hat er jederzeit Gelegenheit, an den Feldern vorbeizufahren und sich davon zu überzeugen, wie viele Insektenarten sich von seinen Blühflächen ernähren können. 

mt

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