"Einiges gewerkelt"

Kapellenplatz-Baustelle: 2,3 Millionen Kosten, Tempo 30, Lkw-Umleitung

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Die Optik des Wendelinuskapellen-Areals wird sich ändern: Nach Angaben der Architekten wird der Vorplatz verkleinert.

Fast 200 Menschen waren neugierig auf die neuesten Fakten zu dem 16-Monate-Großprojekt.

Seligenstadt – Lohnt eine zusätzliche Info-Veranstaltung zur großen Kapellenplatz-Baustelle, obwohl Stadtverordnetenversammlung und zuletzt die Rathausverwaltung mehrfach und ausführlich die Details des 16-Monate-Großprojekts an der "Hauptschlagader" im Verkehrsnetz der Stadt Seligenstadt öffentlich dargestellt und erörtert haben? Noch dazu bei dieser Hitze? 

Ja, sagten sich fast 200 Interessenten, die in den nicht klimatisierten Riesensaal kamen, um "the latest news", also den aktuellen Sachstand, zu erfahren und die Experten aus Anwohnersicht zu befragen. Und sie waren nicht vergebens gekommen, denn abgesehen vom Baubeginn am 5. August und den bekannten drei Bauabschnitten bis Dezember 2020 wurde eine ganze Reihe wichtiger Fakten bekannt. 

Den Rahmen der knapp einstündigen Information und auch in der abschließenden Fragerunde konstruktiven und recht unaufgeregten Veranstaltung hatte Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD), der die Rolle des Moderators übernahm, eingangs mit erkennbarer Zufriedenheit abgesteckt: Die Stadt habe im Vorfeld zusammen mit den Planern der Paul-Ingenieure (Nidderau), Stadtwerken, Behörden, Ämtern, Versorgern sowie der Baufirma Faber (Alzey), die sich im Gewerbegebiet Dudenhöfer Straße bestens bewährt habe, "einiges gewerkelt", um einen vorzeigbaren Ist-Stand präsentieren zu können. Alles sei beispielsweise so getaktet, dass der Rosenmontagszug stattfinden könne; der Kapellenplatz insgesamt sechs Monate gesperrt sei, die zu zwei Wochen in die Oster- und sechs Wochen in die Sommerferien fallen; der neue Kreisel im dritten Bauabschnitt bereits vollständig hergestellt und befahrbar sei. Nach der einleitenden Darstellung der Arbeiten ging‘s ins Eingemachte:

Umleitung für den Schwerverkehr

.  Das Gesamtprojekt kostet etwa 2,3 Millionen Euro. Zu den (bereits bekannten) rund 1,35 Millionen Euro Kosten für die Stadt kommen rund 800  000 Euro für die Kanalarbeiten, die die Stadtwerke Seligenstadt zahlen, sowie 140  000 Versorger-Euro (Strom, Gas, Datenkabel).

.  Es gibt eine Umleitung für den Schwerverkehr, der bereits an den Zufahrtsstraße der Stadt abgefangen wird. Von dort geht‘s auf die Umgehung, die A 3, die B 45 über Hainburg in den Seligenstädter Norden. „Wir bemühten uns, im Vorfeld viel abzuklären und auszuschließen, auch die Gemeinde Hainburg hat da nach anfänglichem Zögern zugestimmt“, erläuterte Gerheim. Alles sei zufriedenstellend verlaufen, auch die Zusammenarbeit mit Kreis Offenbach und Hessen Mobil.

Info-Veranstaltung zur Großbaustellen Kapellenplatz: Fast 200 Besucher kamen trotz tropischer Temperaturen in den Riesensaal, um Details des 16-Monate-Großprojekts zu erfahren.

.  Anwohner, die unter den erforderlichen Parkverboten zu leiden haben, bekommen nach Gerheims Angaben kostenfreie Parktickets für die Feuerwache; wohl auch Anwohner der Frankfurter Straße, die zeitweise ihre hinter dem Haus liegenden Stellplätze nicht erreichen können.

.  Ändern wird sich auch die Optik des Kapellen-Vorplatzes. Er wird verkleinert, doch soll die gewohnte Ansicht der Wendelinuskapelle nach Gerheims Versicherung keinen Schaden nehmen.

.  Für die Kapellenstraße wird Tempo 30 angeordnet, ganztags und auf Dauer, gemäß dem Lärmminderungsplan. Auch für die Babenhäuser Straße soll Tempo 30 gelten. "Das behalten wir bei, so lange man uns lässt", sagte Gerheim. Ob das auch für die Frankfurter Straße durchsetzbar ist, sei jedoch unwahrscheinlich.

.  In allen Knotenpunkten sind Schutzstreifen für Radler auf der Fahrbahn geplant, die die Straßenbreite einschränken und geschwindigkeitsreduzierende Wirkung haben. Außerdem sei es Ratschlag der Polizei, dass Radler im Kreisel "mittig fahren sollen und nicht am Rand".

.  Wenn Hessen Mobil sich schon nicht am Gesamtprojekt beteilige, "dann sollen sie wenigstens ihre eigenen Straßen in Ordnung bringen", forderte der frühere Bauhofleiter Albert Kemmerer und verwies auf tiefe Spuren und Vertiefungen auf der Ellensee- und der Kapellenstraße.

Engstelle stört Bürger

.  Die Engstelle vom Übergang Kreisel in die Kapellenstraße kritisierten mehrere Bürger massiv mit Blick auf Lkw, auch sei an der Ecke kaum Platz für Fußgänger. Die wiederum, so eine Anwohnerin, hätten aufgrund des Verkehrsaufkommens dort kaum eine Chance die Straße zu wechseln. Sie fragte nach einem Zebrastreifen auf Höhe der Bäckerei Mayer. Gerheim sagte, es gebe einen Parlamentsbeschluss für eine zusätzliche Querung, doch stünden in diesem Jahr keine Mittel zur Verfügung. Allerdings sei dies keine innerörtliche Straße: "Wir brauchen die Zustimmung des Landes."

Umstrittene Einfahrt vom Kreisel in die Kapellenstraße: Mehrere Bürger kritisierten massiv, dass kaum Platz für Fußgänger sei, die Lkw oft gefährlich nahe kommen.

.  Um eine verkehrliche Entlastung zu erreichen, so ein weiterer Bürger, sei eine vorherige Absprache mit Emma-Klinik, einem Physiotherapeuten sowie einer Hausarztpraxis in unmittelbarer Nähe sinnvoll. Das Gespräch mit der Klinik habe die Stadt bereits gesucht, sagte Gerheim.

Zu Beginn der Infoveranstaltung hatte Andreas Daume von den Paul-Ingenieuren das Projekt detailgenau vorgestellt, auf die Vorteile (besserer Verkehrsablauf, besserer Straßenzustand, Erneuerung der Versorgungsleitungen) verwiesen und sich ausführlich dem um vier auf 28 Meter Durchmesser erweiterten Kreisel gewidmet, der ein Stück in Richtung Südwest versetzt wird, um eine bessere Anbindung der Knotenpunkte zu erreichen. Auch die Arbeiten unter der Erde fasste er zusammen – in Zahlen: 160 Meter Mischwasserkanal, die Erneuerung der alten und maroden 420 Meter Wasserleitung, 240 Meter Gasleitung sowie der Strom- und Datenkabel (Telekom, Unitymedia), für deren 474 Meter Leitungen 1400 Meter Kabelschutzrohr erforderlich sind.

Michael Hofmann

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