Immerwährendes Gedächtnis

Basilika in Seligenstadt: Gotteshaus mit besonderem Titel

Stimmungsvolles Bild: Feier des Lichterfests in der Seligenstädter Einhardbasilika
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Stimmungsvolles Bild: Feier des Lichterfests in der Seligenstädter Einhardbasilika

In Seligenstadt ist die Basilika eines der wenigen Gotteshäuser mit päpstlichem Titel.

Seligenstadt – Der Papst und der Vatikanstaat sind weit weg, etwa 1250 Autokilometer. Das ist eine profane Feststellung. Unabhängig davon pflegten Seligenstädter, konkret Äbte der Benediktinerabtei, und prominente Führer der Christenheit trotz großer Entfernung bisweilen sehr intensive Kontakte. Zu erinnern wäre etwa an Abt Franziscus II. (Blöchinger), den Papst Innozenz XI. 1698 als „Pronotarius des Apostolischen Stuhls und Minister in Ehren“ auswies.

Auch in der Moderne gab es eine Phase, in der Rom und die Einhardstadt einander besonders nahe standen. Wir schreiben 1925, ein für die Basilika-Pfarrei besonderes Jahr. „Stadt und Pfarrei feierten damals 1100 Jahre Klostergründung, Stadtpfarrer Weckerle beging sein diamantenes Priesterjubiläum und wurde (...) zum päpstlichen Hausprälaten ernannt (...) Eine besondere Ehre wurde aber auch der Pfarrgemeinde und damit der Stadt zuteil mit der Erhebung der Einhard-Basilika – der größten karolingischen Basilika nördlich der Alpen – zu einer päpstlichen Basilika mit dem würdevollen Rang einer Basilica minor“, fasste Dr. Hans Wurzel im August 2010 zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel zusammen. Papst Pius XI. erhob das Gotteshaus am 22. August 1925 zum immerwährenden Gedächtnis in diesen Stand.

Papstwappen von Franziskus

Im Apostolischen Schreiben „Historicis constat“ unterstreiche der Papst zur Begründung dieser hohen, seltenen Auszeichnung die Bedeutung der unter Einhard erbauten, berühmten Kloster- und Wallfahrtskirche mit den Reliquien der Kanonheiligen Marcellinus und Petrus, so Wurzel weiter: „In der Diözese Mainz tragen nur vier Gotteshäuser diesen ehrenden Titel.“ Das Wappen von Papst Franziskus im Foyer, das achte seit der Verleihung anno 1925, weist das Gotteshaus als Basilica minor aus. Auch das Vorgängerwappen Benedikts XVI. ist noch vorhanden – im Kirchenschiff, direkt unter der Orgel.

Eine Basilica minor („kleinere Basilika“) ist im Gegensatz zu den Basilicae maiores (dazu Kasten) seit dem 18. Jahrhundert ein Ehrentitel, den der Papst einem bedeutenden Gebäude verleihen kann. Er soll, so fasst Wikipedia zusammen, die Bindung einzelner Kirchen an den römischen Bischof stärken und ihre Bedeutung für das Umland hervorheben. Bauliche Kriterien gibt es nicht; es muss sich also nicht wie in Seligenstadt auch um eine Basilika im architektonischen Sinn handeln. Nach Verleihung des Titels können Gebäude und Fahnen die gekreuzten Schlüssel tragen, wie sie auf dem Papstwappen zu finden sind. Das Verfahren regeln die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung 1989.

Mit dieser Titelverleihung sind einige Forderungen verbunden, so zum Beispiel die „personelle und bauliche Ausstattung für eine vorbildliche Feier der erneuerten Liturgie und für häufigen Predigt- und Beichtdienst“. Und: „An der Basilika sind die Insignien des Papstes (...) anzubringen, die petrinisch-päpstlichen Feste feierlich zu begehen, in der religiösen Bildungsarbeit die römischen Verlautbarungen zu studieren und zu verbreiten.“

Von Michael Hofmann

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