„Kreis torpediert erfolgreiche Arbeit“

Sprachheilklassen sollen von Adenauer- an Don-Bosco-Schule verlagert werden

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Die Konrad-Adenauer-Schule platzt aus allen Nähten: Statt einer Erweiterung ist nun der Umzug der Sprachheilklassen in der Diskussion. 

Der Kreis Offenbach plant eine Verlagerung der Sprachheilklassen von der Konrad-Adenauer-Schule an die Don-Bosco-Schule. Dies geht aus dem neuen Schulentwicklungsplan hervor. Betroffen sind vier Klassen mit insgesamt knapp 50 Jungen und Mädchen. 

Seligenstadt – Vollzogen werden soll die Neuordnung zum Schuljahr 2021/22. Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen will nun mit einem Änderungsantrag erreichen, dass die Situation unverändert bleibt.

„Wir wollen die erfolgreiche pädagogische Arbeit mit den Kindern in der Sprachheilklassen an der Konrad- Adenauer--Schule nicht gefährdet wissen“, betont Maria Sator-Marx (Neu-Isenburg), Mitglied der Grünen-Kreistagsfraktion und ehemalige Leiterin einer Förderschule. Die Kinder würden an der KAS mit den selben Lernzielen unterrichtet wie alle Kinder und könnten nach einer erfolgreich absolvierten Grundschulzeit fast alle die Regelschule meistern. „Dies soll so bleiben“, betont Marx, die die seit 25 Jahren „erfolgreiche Arbeit“ der Schule von den Plänen des Kreises „torpediert“ sieht. Zwar dränge sich eine Verlagerung aus organisatorischen und haushalterischen Kriterien auf, da es an der Don-Bosco-Schule im Gegensatz zur KAS ausreichend Platz gebe, „doch für uns wiegen die pädagogischen Gesichtspunkte schwerer“, betont Marx. So warte die Schule schon seit Jahren auf den Ausbau als Ganztagsschule. Schlüssige Gründe, warum die KAS „immer wieder hinten runtergefallen ist“, gebe es nicht. „Wir wollen den Ausbau für die Schule mit dem ihr eigenen Profil, und das umfasst auch die Sprachheilklassen.“

Gudrun Bickert, Schulleiterin der KAS, gibt an, von den Plänen im Frühsommer zufällig in einem Gespräch mit Landrat Oliver Quilling erfahren zu haben. In einem Schreiben an den Kreis Offenbach hebt sie hervor, dass die Mehrheit der Eltern in der Sprachheilförderung eine stationäre der inklusiven Beschulung vorziehe. Dies spiegelten Rückmeldungen der umliegenden Grundschulen und ihrer Eltern wider, die bei der KAS-Sprachheilung gemeldet würden, denen man aber keinen Platz anbieten könne. Dass die Sprachheilabteilung nun an die Don-Bosco-Schule verlagert werden soll, führt Gudrun Bickert auf die hohe Nachfrage zurück. Es würden laut Kreis 189 Plätze in Kreisgebiet benötigt, dies sei bisheriger Höchststand. Die Schulleiterin betont, dass die Eltern der Sprachheilkinder das Recht hätten, darüber zu entscheiden, ob ihr Kinder eine Förderschule wie die Don-Bosco-Schule besuchen soll oder ein inklusives System wie die KAS. „In den vergangenen 25 Jahren konnten die Kinder, die die Sprachheilabteilung besucht haben, in der Regel eine weiterführende Schule besuchen und erfolgreich lernen.“ Dies beweise, dass die Grundstufenzeit für Sprachheilkinder in der entsprechenden Klassen „hervorragend genutzt wird“, damit ihnen dann alle Wege offen stünden, um in der Schule weiterhin erfolgreich zu sein.

Da die Don-Bosco-Schule eine Schule für Lernhilfe sei, seien auch die Lernziele andere. Es werde viel Arbeit sein, Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Kind als Sprachheilkind diese Schule besuchen kann, es ergo die gleichen Lernziele erreichen soll wie Kinder der Regelgrundschule und es das Ziel ist, dass es auch in einer Regelschule zurückgeschult wird. Die Aussage des Kreises zur wünschenswerten inklusiven Beschulung der Sprachheilkinder in der Grundstufe befremde auch insofern, als dass die Don-Bosco-Schule der KAS mitgeteilt habe, dass bei einer Verlegung aus den bestehenden fünf Sprachheilklassen drei gemacht würden. Denn auch Sprachheillehrer seien Förderschullehrer, die an allen Ecken und Enden im schulischen System fehlen“, so Gudrun Bickert abschließend.

VON OLIVER SIGNUS

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