Seligenstadt-Krimi „Blutschande“

Das Leben ist kein Biohof

Gerti Spitzbarth schreibt unter Pseudonym.
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Gerti Spitzbarth schreibt unter Pseudonym.

Eine Stadt, die auf sich hält, braucht einen Krimi. Besser noch mehrere. Da darf die Einhardstadt sich wahrlich selig nennen: Nach Roman Kempf („Mönchspfeffer“) und Rita R. Schönig (zuletzt „Mulaule“) fügt Gerti Spitzbarth der örtlichen Palette ein tiefdunkles Rot hinzu. Unter ihrem Pseudonym Karoline Kaufmann legt die Wahl-Seligenstädterin den Krimi „Blutschande“ vor.

Seligenstadt – „Es geht um Blut und Inzucht, es gibt aber auch Liebe, Humor und jede Menge Lokalkolorit.“ So hatte Spitzbarth, die als Karoline Kaufmann, ihr Mädchenname, bereits den autobiografisch geprägten Liebesroman „Achterbahn der Gefühle“ veröffentlicht hat, ihr Werk in unserer Zeitung angekündigt. Und der Lektüre-Eindruck bestätigt: Das Ergebnis hält, was die Verfasserin verspricht!

Inspirieren lassen hat sich die Autorin von ihrer Wahlheimat Seligenstadt und von einem wahren Fall: Der bis heute ungeklärte Sechsfachmord im bayerischen Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922 ist Gegenstand mehrerer Doku-Bücher und -Filme sowie des ebenfalls verfilmten Krimi-Bestsellers „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel.

Auch bei Spitzbarth ist das Leben kein Biohof – obwohl die Handlung auf einem solchen namens Röhrig einsetzt. Oder vielmehr auf einem Schlachtfeld: Da liegt eine Frau erwürgt, ihre beiden Kinder und ihre Eltern wurden mit einer Spitzhacke erschlagen. Ein Fall für die attraktive Kommissarin Katrin Michaelsen und ihren Kollegen Dirk Brenner von der Polizei Seligenstadt.

Ein schwieriger, denn der Täter (oder die Täterin?) hat keine Spuren hinterlassen. Umso mehr richtige und vor allem falsche Fährten legt die Autorin, die sich einen, pardon, Mordsspaß draus macht, ihr Lesepublikum in die Irre zu führen. Dass der Fünffachmord am Ende aufgeklärt ist, sei an dieser Stelle schon verraten; das tut auch der Klappentext. Auf dem Weg dorthin gilt es freilich, sich nicht die Spannung zu nehmen. Spitzbarth selbst hat ihrem Text einen „Spoiler-Alarm“ vorangestellt, wie es auf Neudeutsch heißt: „Verderben Sie sich nicht den Lesespaß. Ab Seite 452 erfahren Sie, wer der Mörder ist.“ Da weiß die starke Ermittlerin auch schon Bescheid, schwebt aber in Lebensgefahr...

Bis dahin hält Spitzbarth sogar das Geschlecht ihrer „Tatperson“ bewusst in der Schwebe. Mit erzählerischem Geschick hat sie Kapitel aus deren Perspektive eingefügt, die etwas zu ihrer Motivation preisgeben. Die Polizisten erfahren erst auf Seite 326 etwas dazu, als sie ein anonymes Schreiben erhalten: „Ihr könnt Gottes Werk nicht aufhalten. Blutschande, Hurerei und falsches Schweigen mussten gesühnt werden. Schaut nicht in die Augen der Opfer, sonst werdet auch ihr im Fegefeuer landen. T“

Karoline Kaufmann: Blutschande. epubli, 474 Seiten, 15,99 Euro. Erhältlich ist „Blutschande“ in der Tourist-Info am Markt und im Buchladen an der Bahnhofstraße 18. Jede andere Buchhandlung kann den Krimi bestellen über die ISBN 978-3-7529-6362-5.

Erlernt hat die fitte Mittsechzigerin Spitzbarth den Beruf der Speditionskauffrau, gearbeitet hat sie als Verkäuferin von Metalldächern, heute ist sie Rentnerin und Hausfrau. Und eine Autorin, von deren Einfallsreichtum noch manches zu erwarten ist!

Von Markus Terharn

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