Künstlermärkte locken viele Besucher an

Für Liebhaber von Unikaten

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Hochwertig, inspiriert und regional: Der Hobbykünstlermarkt im Riesen hat seit über zwei Jahrzehnten seinen Stammplatz im Seligenstädter Adventskalender. 

Seligenstadt - Hier der Fokus auf die Heimat, dort der Rundblick durch die Republik. Abgesehen vom widrigen Wetter wartete Seligenstadt am Wochenende mit zwei weiteren guten Gründen auf, den vorweihnachtlichen Bummel zumindest abschnittsweise ins Trockene zu verlagern.

Der Adventsmarkt auf dem Marktplatz diente gleichsam als Scharnier: Sowohl im alten Kloster als auch im Riesen suchten Besucher nach schönen Dingen. Vielversprechend hatte sich im Frühjahr die Premiere angelassen. Dass die Formel „Unikat sucht Liebhaber“ in der Einhardstadt auch im Advent aufgeht, weiß die Würzburger Marktmanagerin Astrid Hackenberg nun auch. Ihr Konzept, mit jeweils 40 ausgesuchten Anbietern ganz auf Qualität und Rares justiert, ist bisher vor allem im unterfränkischen Raum erprobt und unterscheidet sich von den früheren, über fast drei Jahrzehnte etablierten Adventsmärkten vor allem durch eine gewisse Zeitlosigkeit: Nicht nur, nicht einmal vorwiegend Weihnachtliches gab es am Samstag und Sonntag auf beiden Etagen des Regio-Museums zu sehen und bei Gefallen mitzunehmen.

So ist der Begriff Kunsthandwerk unter dem neuen Label sowohl weiter gefasst als auch relativiert: Unikate können auch Kleidungsstücke sein, wie sie etwa Jörg Rudolf aus dem Sauerland erdenkt und näht. Der Textildesigner wertet seine kreative Kollektion mit pfiffigen Details und flexibler Optik aus. Da wird aus einer modischen Jacke mit wenigen Handgriffen ein völlig anderes Kleidungsstück.

Andere Schneider setzen andere Akzente - etwa im Frankfurter Atelier Rossicelli, wo Mode aus fair gehandelten, umweltgerecht und nachhaltig produziert Stoffen entsteht.

Im Wortsinn schräg, schon deswegen mit staunenswerter Präzision zimmert Dieter Kolba seine Miniaturmöbel mit fallenden Linien, unorthodoxen Winkelmaßen und tabufreier Materialauswahl. Auch Spiele und Skulpturen fertigt der Kunsttischler in seiner württembergischen Werkstatt, die er schlicht „Holzkiste“ nennt.

Anette Stahlhofen fertigt in ihrer Kölner Taschenmanufaktur Tragebares nach Maß und persönlichen Wünschen aus Seide, Samt und Leder an. Zwischen handbemaltem Porzellan, selbst genähten und originell bekleideten Teddy-Figuren und Schmuck aus Tombak, einer im 19. Jahrhundert sehr verbreiteten und heute fast vergessenen Messing-Legierung stößt der Stöberer auf soziale Ambition: „Unikat sucht Liebhaber“ unterstützt Frauen in südafrikanischen Townships, die aus selbst gewebten, selbst gefärbten Stoffen Kinderkleider machen und sich so einem Lebensziel nähern - einer selbst bestimmten Existenz.

Im Wortsinn schräg und hochfein gearbeitet: Holzkunst von Dieter Kolba zählte zu den Hinguckern bei „Unikat sucht Liebhaber“ im Kloster.

Gesellschaftliches Engagement, Individualität und Wertschätzung inspirierter Handarbeit bewegen auch einen knappen Kilometer entfernt. Nach inzwischen 21 Jahren ist der Hobbykünstlermarkt im Riesen längst eine Institution - nach außen als verlässlicher Publikumsmagnet ebenso wie in sich selbst. Fast die Hälfte der 38 Aussteller ist seit der Premiere, seinerzeit von Bürgermeister Rolf Wenzel und der Kalligrafin Rosi Albert initiiert, schon mit von der Partie. Veteranen wie Hedi Heeg, Erika Winter oder Silvia Mühlhauser integrieren Neuzugänge wohlwollend und aktiv mit der Selbstverständlichkeit einer großen Familie, als die sie sich - sämtlich in Seligenstadt oder einer der Nachbargemeinden daheim - auch verstehen. Herzlich aufgenommen fühlte sich etwa Michael Eiblmaier, der dem kaum noch überschaubaren Angebot holzgemachter Deko-Panoramen eine lokale Komponente hinzugefügt hat: Klosterfassade und Basilika fräst er aus Sperrholz und kombiniert die Silhouetten so, dass Vorder- und Rückseite identisch sind - ideal fürs Fenster, zumal wenn die Kulissen von innen beleuchtet sind. (zrk)

Bilder: Adventsmarkt in der Seligenstädter Altstadt

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