Seligenstadt will Leinenzwang

„Wer soll das kontrollieren?“

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An die Leine müssen Fiffi, Bello und Waldi nach dem Willen der Stadt Seligenstadt in Kürze zwischen März und Mitte Juni. Die Reaktionen darauf sind geteilt: Tierschützer lehnen Lein enzwang ab, Kreislandwirt Norbert Zöller befürwortet dagegen einen entsprechende Satzung.

Ostkreis - Auch in Seligenstadt gibt es demnächst einen Leinenzwang für Hunde – zumindest während der satzungsgemäß festgelegten Brut- und Setzzeit für Vögel und andere Bodenbrüter. Die Satzung legt diese Zeit für den 1. März bis 15. Juni eines Jahres fest.

Dabei nutzt die Stadt die höchstmögliche Strafe der Bußgeldverordnung: 100.000 Euro Strafgeld drohen dem Hundebesitzer, der Bello, Fiffi oder Waldi in dieser Zeit ohne Leine laufen lässt. Dies steht in einem Magistrats-Antrag, der zwar noch in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden muss, aber wohl mehrheitlich getragen wird (CDU, SPD, Grüne dafür, FDP dagegen).

Seit mehreren Jahren besteht ein solcher Leinenzwang bereits in Hainburg. Bürgermeister Bernhard Bessel zu seinen Erfahrungen mit dem kommunalen Gesetz: „Bußgelder sind bislang nicht verhängt worden. Wir appellieren eher an die Vernunft der Hundehalter, ihre Tiere in diesem Zeitraum unter Aufsicht zu halten.“ Die Satzung - also ein kommunales Gesetz - gebe aber den nötigen Hintergrund, um die Anleinpflicht durchzusetzen. Auch in Hainburg sind bei Zuwiderhandlung Geldbußen bis 100.000 Euro angesetzt. Anders sieht dies Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser. „So eine Satzung haben wir nicht, planen auch keine. Wir setzen andere Prioritäten“, sagt sie. Sollte eine Forderung nach Anleinpflicht parlamentarisch durchgesetzt werden, werde sie diese Satzung natürlich umsetzen. „Aber wer soll das kontrollieren?“ fragt Disser. Einen Ordnungspolizisten hinter jedem Hund herlaufen zu lassen, gehe ja wohl kaum.

Genereller Leinenzwang „unverhältnismäßig“

In Seligenstadt soll die Anleinpflicht für das gesamte Stadtgebiet, den Mainweg und angrenzende Wälder gelten. Dies steht allerdings im Widerspruch zu einer Stellungnahme des Landestierschutzverbandes. „Es liegen keine Erkenntnisse fachkundiger Stellen vor, wonach es notwendig wäre, in einem gesamten Stadtgebiet Hunde an der Leine zu führen“, schreiben die Tierschützer. Vielmehr schreibe die Tierschutz-Hundeverordnung ein bis zwei Stunden Bewegung am Tag für Hunde vor; zur Befriedigung des arttypischen Verhaltens. Dazu gehöre auch das zeitweise Laufen ohne Leine. Und: „Aus Tierschutzgründen sind zwingend alternative Auslaufflächen auszuweisen.“ Einen generellen Leinenzwang halten die Tierschützer für „unverhältnismäßig“.

Anders sieht dies Kreislandwirt Norbert Zöller: „Wir sind schon seit langer Zeit für diese Anleinpflicht.“ Es gebe zu viele uneinsichtige Hundehalter, die sich an keinerlei Vorschrift halten. Dabei geht es Zöller auch um Bodenbrüter auf den Feldern - aber auch um die Schäden, die durch Hunde angerichtet werden. „Es werden Löcher gebuddelt, die Hunde koten und urinieren auf Heu- und Strohballen.“ Den Vorwurf, die Landwirte interessierten sich nicht für Bodenbrüter wie Kiebitze, Hasen oder Rehe, wenn sie mit ihren Maschinen die Felder bearbeiten, lässt er nicht gelten. „Während der Brutzeit von März bis Juni ruht die Feldarbeit, Maschinen-Einsatz findet nicht statt.“

Einen anderen Aspekt bringt der Seligenstädter Jäger Peter Sulzmann, Vorsitzender des Jagdclubs St. Hubertus Stadt und Kreis Offenbach, für eine Anleinpflicht ins Spiel. Er sei grundsätzlich für diese Regelung zum Schutz der brütenden Wildtiere. Ob die Anleinpflicht aber auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden müsse, sei diskussionswürdig. Und: „Dadurch, dass in Rodgau und Hainburg bereits eine solche Satzung besteht, kann es natürlich zu einer Nutzungsverdichtung in Seligenstadt kommen.“ Will heißen: Weil Fiffi, Bello und Waldi dort nicht mehr flitzen dürfen, lassen die Hundefreunde ihre Vierbeiner in der Stadt Seligenstadt frei laufen. 

Auch in anderen Gemeinden der Umgebung sorgt die Leinenpflicht immer wieder für Diskussionen: In Neu-Isenburg hatte eine Anwohnerin die Diskussion angestoßen, als sie einen Leinenzwang forderte, in Hainburg beklagte sich die Jagdgenossenschaft über freilaufende Hunde, auch in Dietzenbach wurde das Thema im Parlament diskutiert, in Münster appellierte die Gemeinde an Hundehalter, ihre Schützlinge anzuleinen, und in Dreieich beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr mit dem Thema.

th

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