„Hohes Maß an Empathie“

Lichtblick-Gründerin Johanna Wurzel geht in Ruhestand

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Landrat Oliver Quilling würdigte in seiner Laudatio im Winterrefektorium des Klosters die Lebensleistung Johanna Wurzels.

Seligenstadt - So akribisch wie Johanna Wurzel den Förderkreis „Lichtblick“, das Klostercafé und auch den Betrieb im „Hotel Elysée“ aufbaute, so akribisch hat sie ihren Rückzug vorbereitet. Von Oliver Signus

Am Freitagnachmittag wurde sie nach mehr als 20-jährigem Wirken für den Förderkreis feierlich im Winterrefektorium des Klosters verabschiedet. Lob und Anerkennung standen im Mittelpunkt, als Gründungsmitglied Johanna Wurzel nach mehr als 20 Jahren aus dem Förderkreis Lichtblick verabschiedet wurde. Geschäftsführer Heiko Mark gab in seiner Rede zu, „dass wir ihre Ankündigung vor eineinhalb Jahren erst mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen haben“. Doch stattdessen habe Johanna Wurzel ganz gezielt auf den Tag ihres Abschieds hingearbeitet. Dass es nun tatsächlich ein Ruhestand wird, könne er sich allerdings nicht vorstellen, sagte Mark. Schließlich bleibt Johanna Wurzel als Vorsitzende des Vereins dem „mittelständischen Unternehmen“, das sie geschaffen habe, erhalten.

Mark nannte einige beeindruckende Zahlen, die den Erfolg ihrer Arbeit untermauerten. So beschäftigt die Lichtblick-GmbH derzeit 52 Menschen, davon rund zwei Drittel mit Behinderung. Sie alle haben feste Anstellungen in Berufen wie Servicekraft, Küchenhilfe, Zimmerservice oder Handwerk und werden nach Tarif bezahlt. Täglich kommen im Schnitt 200 Gäste ins Klostercafé, die Lichtblick-GmbH schreibe schwarze Zahlen.

Die außerordentlichen Verdienste Johanna Wurzels würdigte auch Landrat Oliver Quilling: „Für das, was sie in 23 Jahren geschaffen hat, brauchen andere ein ganzes Arbeitsleben“, betonte er. Es gehörten allerdings auch besondere Führungsqualitäten dazu, wolle man so erfolgreich sein wie Johanna Wurzel. Ein hohes Maß an Empathie sei notwendig, „um die Menschen mitzunehmen, wenn es mal nicht so läuft“. Dies sei gerade in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Handicap wichtig. „Lichtblick“ sei etwas Besonderes in der Region, und dass die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt würden, „ist nicht die Norm in Deutschland“. Dass Johanna Wurzel dem Lichtblick erhalten bleibe, „das setzen wir voraus“, sagte der Landrat mit einem Augenzwinkern.

Die Lichtblick-Tanzgruppe bedankte sich mit einem Auftritt bei Johanna Wurzel

Johanna Wurzel nutzte ihren Abschied, um vielen Menschen, die sie in den vergangenen 20 Jahren auf ihrem beruflichen Weg begleiteten, zu danken. Denn: „Mit vielen Ideen im Kopf und einer pädagogischen Ausbildung“ allein, so sagte sie, lasse sich kein erfolgreiches Unternehmen. Und so lobte sie ihre langjährigen engagierten Mitstreiterinnen Ute Wenzel und Gertraude Höhner, die als ehrenamtliche Geschäftsführerin den Kopf für alles hingehalten habe. Wurzel nannte Landrat a.D. Peter Walter, der politischer Wegbegleiter und Wegbereiter der ersten Stunde gewesen sei; Seligenstadts Bürgermeister i.R. Rolf Wenzel, der ein offenes Ohr für ihre Belange gehabt habe, sowie Landrat Quilling und Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller, die stets zur Unterstützung bereit seien. Manchmal, so sagte Johanna Wurzel, habe sie sich auch geärgert. Etwa, wenn behauptet worden sei, im Café sei es immer voll und dann bekomme der Lichtblick auch noch Unterstützung vom Landeswohlfahrtsverband. „Was diese Menschen verkennen: Wir arbeiten mit Menschen mit besonderem Hilfebedarf. Und wir haben eine Beschäftigungsquote an behinderten Menschen von 67 Prozent. Die Kritiker kommen nur ins Café, wenn schönes Wetter ist und auch die Touristen kommen.“ Doch gebe es auch andere Tage, an denen „die Personalkosten für die behinderten Menschen und das Betreuungspersonal weiterlaufen.“

Ausdrücklich bedankte sich Wurzel auch bei ihrem Mann Hartmut, der tatkräftiger Helfer, Tröster in schwierigen Zeiten und diplomatischer Ratgeber gewesen sei, und bei ihren fünf Kindern, „die alle die prägende Schule des Klostercafés durchlaufen haben. Egal, ob sie im Abiturstress waren oder an der Examensarbeit saßen, sie waren immer zur Stelle, wenn Not am Mann war und es im Café gebrannt hat.“ Großes Lob zollte Wurzel auch Lichtblick-Geschäftsführer Heiko Mark. Der habe beim ersten gemeinsamen Telefonat gesagt: „Ich habe beruflich alles erreicht – ich lebe jetzt meinen sozialen Traum“ - und bis heute Wort gehalten.

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