Im Konflikt mit den Schutzzielen

Mainauen: Grundstücke als Parkplatz, Toilette und Hundewiese missbraucht

Autospuren ins Privatgrundstück.
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Autospuren ins Privatgrundstück.

Grundstücksbesitzern in den Mainauen formieren sich und protestieren gegen Abräumverfügungen.

  • Mainauen sind Landschaftsschutzgebiet
  • Proteste gegen Abräumverfügungen
  • Fußgänger benutzen Grundstücke als öffentliche Toilette

Seligenstadt – Die Hessischen Mainauen sind wegen ihrer besonderen Bedeutung ein Landschaftsschutzgebiet.  Dieser Schutzstatus soll die vielfältigen Biotopstrukturen als Lebensstätte bestandsgefährdeter Tier- und Pflanzenarten erhalten sowie die Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes bewahren. Keine leichte Aufgabe für die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Kreises. Doch beanspruchen nicht nur die Belange des Landschaftsschutzes seit Jahren ihre besondere Aufmerksamkeit, sondern auch der Widerstand von Grundstücksbesitzern, die sich im Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim in der IG Mainauen formierten, und gegen Abräumverfügungen protestierten. Sie pochten auf ihre teilweise Jahrzehnte alten bauliche Anlagen, Hütten, Zäune und Absperrungen, zogen aber letztlich den Kürzeren. Diese Hindernisse, so der Kreis Offenbach, „sprechen dem Schutzweck entgegen. Denn Wildtiere werden in der freien Landschaft aus ihrem natürlichen Lebensraum ausgeschlossen, und die Entwicklung der natürlichen Vegetation wird gestört. “.

Mainauen: Protestbrief an den Kreis

Lothar Hitzel, langjähriger Wortführer der IG Mainauen, schickte kürzlich einen weiteren Protestbrief an den Kreis. „Weil Einzäunung durch das Landschaftsschutzgesetz verboten wird, kann jeder mit seinem Auto in unser Grundstück fahren. Hundehalter führen ihre freilaufenden Hunde aus, die offensichtlich einen Hasen gerissen haben und dort sämtliches Wild aufscheuchen und hetzen. Auf dem Grundstück gibt es Hasen, Fasane, sowie allerhand Nager, Igel und Wiesel.“

Als Beleg fügte Hitzel Fotos bei, die einen gerissenen Hasen und ein herrenloses Fahrrad zeigten. „Fußgänger benutzen das Grundstück als öffentliche Toilette. Auch Bäume sind im letzten Sommer vertrocknet, da ja auch das Schlagen einer Pumpe nicht erlaubt ist. Wenn das so weiter geht, stehen dort bald keine Bäume mehr.“

Keine Pumpen, vertrocknete Bäume. Fotos (2): p

Im Ballungsraum, so Ursula Luh, die Pressesprecherin des Kreises, „treffen Naturschutz und Erholungsbedarf der Menschen auf engem Raum aufeinander. Das teilweise hohe Besucheraufkommen führt oft zu Konflikten mit den festgesetzten Schutzzielen.“ Eine Balance zu finden, so Luh weiter, sei nicht immer einfach, insbesondere wenn sich Besucher nicht an die Regeln zur Vermeidung von Landschaftsbeeinträchtigungen halten: Freilaufende Hunde, das Befahren von Wiesen, wildes Grillen und Abladen von Unrat „konterkarieren die Bemühungen um den Landschaftsschutz“. Die Untere Naturschutzbehörde informiere und kläre auf, um ein Fehlverhalten zu vermeiden.

Das ist nach Ansicht Hitzels viel zu wenig: „Gegen diese Unarten und jeglichem Naturschutz zuwiderlaufenden Handlungen werden vom Amt keinerlei Einschränkungen und Überwachungen vorgenommen. Dort von Auenlandschaften und Landschaftsschutz zu sprechen ist absoluter Hohn.“ Dagegen würden Kleingärtner, die ihr Grundstück und damit die dort lebenden Tiere und Pflanzen vor den Massen durch Zäune schützen, „ständig durch Androhungen von Verfügungen bevormundet und gegängelt.“

Mainauen: Ordnungsbehördliche Maßnahmen möglich

Doch Luh stellt klar: Wenn alles Zureden nicht wirke, seien auch ordnungsbehördliche Maßnahmen möglich. „Verstöße gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung können empfindliche Geldbußen nach sich ziehen. Das übergeordnete Ziel ist dabei immer der Schutz von Natur und Landschaft.“

Für die Entwicklung von Flora und Fauna in den Mainauen gibt es nach Darstellung des Kreises Offenbach gute Beispiele. In der Stadt Mühlheim und der Gemeinde Hainburg seien Teilbereiche aufgewertet „und so zu wahren Kleinoden geworden.“ Es gehe allerdings auch um eine Gleichbehandlung. So arbeite der Kreis seit Jahrzehnten die illegalen Bauten im Außenbereich Stück für Stück ab.

„Auch in Klein-Welzheim sind bereits die ersten Grundstücke geräumt worden. Andere Eigentümer haben Abräumverträge abgeschlossen. Diese Art des Entgegenkommens ist eine Idee des Kreises Offenbach, die seinerzeit mit dem Land Hessen als Alternative für den Sofortvollzug ausgehandelt wurde“, rekapituliert Kreis-Sprecherin Ursula Luh.

VON MICHAEL HOFMANN

Unterdessen verwandelt Roberto Faé das Baudenkmal Badehaus in Seligenstadt in ein italienisches Eiscafé. Die Fähre in Seligenstadt ist nach Corona-Pause und Generalüberholung wieder in Betrieb.

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