Seligenstädter Persönlichkeit

Der Meister der Zahlen: „Man braucht Struktur im Alltag“

„Aufgaben sind mein Lebenselixier.“ Das sagt Paul Gast, Vorsitzender der LG Seligenstadt.
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„Aufgaben sind mein Lebenselixier.“ Das sagt Paul Gast, Vorsitzender der LG Seligenstadt.

Seit Jahren beeindruckt Paul Gast unsere Redaktion mit seinem unglaublichen Zahlengedächtnis. Kein Hoch- oder Weitsprungergebnis, kein Sprintresultat, das der 73-Jährige nicht exakt bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma einem Leichtathleten zuordnen kann.

Seligenstadt - Dazu kommen die passenden Wettkämpfe, von der deutschen Meisterschaft bis zum lokalen Sportfest. Paul Gast hat das erstaunlich sicher gespeichert. Sein Zahlengedächtnis sei eben gut, übt sich der Vorsitzende der LG Seligenstadt in Bescheidenheit; dafür hapere es mit den Namen manchmal.

Auf Trab hält ihn seit Jahrzehnten sein Engagement im Sport: Seit 36 Jahren ist der gebürtige Seligenstädter Vorsitzender der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG), seit 1995 übt er die Führungsfunktion auch im Kreis aus. Nachfolger sucht er schon seit längerer Zeit: 2022, mit 75 Jahren, will er sich aus beiden Ämtern zurückziehen. Ein schwieriges Unterfangen, denn Nachfolger sind nicht in Sicht – bei der LG gibt es seit dem überraschenden Tod Frank Seipels, der vor einigen Jahren unmittelbar nach Amtsantritt einem Herzinfarkt erlag, nicht einmal einen stellvertretenden Vorsitzenden.

Für eigene sportliche Aktivitäten bleibt bei allem Engagement wenig Zeit, sagt Gast: „Und man findet auch immer einen Grund, warum es gerade nicht geht“, weiß er sich in guter Gesellschaft mit vielen Zeitgenossen aller Altersklassen. Dennoch diszipliniert er sich und treibt ein wenig Sport. Einmal die Woche Nordic Walking, Wassergymnastik im Miramar bei Weinheim unter Anleitung von Klaus Pannek, einer weiteren Seligenstädter Sport-Ikone. Auch mit einem Reha-Programm in einem örtlichen Sportstudio wollte Gast beginnen, doch ist dieses Jahr alles andere als normal. Wassergymnastik und Reha sind den Auflagen der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, beim Nordic Walking muss er wegen einer Fußverletzung zurzeit passen.

Die hat ihn auch kürzlich beim Urlaub auf Norderney ausgebremst. Die Nordseeinsel besuchen er und seine Frau seit den 1970er Jahren regelmäßig. Diesmal mussten ihre geliebten langen Spaziergänge am Strand etwas kürzer ausfallen.

Wichtig, so Gasts Ratschlag an ältere Menschen, ist, dass man Hobbys und Aufgaben hat: „Man braucht Struktur im Alltag!“ Dazu gehört für ihn auch das Klavierspiel. Bereits der zehnjährige Paul übte sich an dem Instrument mit den schwarzen und weißen Tasten; seit ungefähr sechs Jahren nimmt Gast wieder Unterricht. Sein Repertoire ist respektabel – etwa zwei Stunden könne er, der „Amateur-Pianist“, von Klassik über Filmmusik und Pop viele Titel auswendig spielen.

Freundschaften sind für ihn ein wichtiger Aspekt für ein erfülltes, zufriedenes Leben. So reist der 73-Jährige seit gut vier Jahrzehnten regelmäßig auf die Mittelmeerinsel Malta, um Freunde zu sehen. Das ist ihm wichtig: „Richtig gute Freunde findet man im Alter nur schwer.“

Gemeinschaft im Sport sei eine gute Sache, meint Gast und hofft, dass er bald wieder bei den wöchentlichen Nordic-Walking-Treffen dabei sein kann, die stets im Café ausklingen. Das geflügelte Wort unter den sportlichen Senioren dazu lautet: „Wir gehen noch baudern.“

Herausforderungen seien wichtig, sie hielten fit und seien besser als Fernsehen. Dabei hat Gast festgestellt, dass ältere Jahrgänge vor Ehrgeiz strotzen und am ungeduldigsten auf die Rückkehr zu Wettkämpfen warten. Wegen der Corona-Auflagen dürfen sie derzeit nicht an den Start gehen.

Zu Paul Gast größter Herausforderung dürfte wohl die Suche nach Nachfolgern für seine beiden ehrenamtlichen Posten werden. Zwei Jahre sind nicht viel Zeit, weiß er aus Erfahrung. (Von Oliver Signus)

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