„Vertrauen ist die Grundwährung“

Ministerpräsident Volker Bouffier besucht Kaufhaus Mittl in Seligenstadt

Ortstermin beim Mittelständler (vorn von links): Kaufmann Matthias Mittl, Brauereichef Robert Glaab, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und der Offenbacher IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner Foto: Hampe
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Ortstermin beim Mittelständler (vorn von links): Kaufmann Matthias Mittl, Brauereichef Robert Glaab, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und der Offenbacher IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner 

Es war kein Zufall, der Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier am Freitag nach Seligenstadt führte. 

Seligenstadt – Sein erster offizieller Unternehmensbesuch nach den Lockerungen in der Corona-Krise galt gezielt einem klassischen mittelständischen Familienbetrieb, dem Kaufhaus Mittl. „Das ist es, was unsere Wirtschaft trägt, der Eckpfeiler von allem. “ Daher wollte der Christdemokrat im Zuge seiner „Einblick“-Tour ganz bewusst ein Signal setzen und sich selbst davon überzeugen, wie der Einzelhandel die Situation meistert.

Nicht ohne Stolz erläuterte Inhaber Matthias Mittl dem CDU-Politiker das Hygienekonzept, das er, seine Mutter Barbara Mittl und etwa 40 Angestellte entwickelt sowie umgesetzt haben. Zugangsbegrenzung via Warenkorb, Händedesinfektion, Mund-Nase-Schutz und Handschuhe für Kunden, Bodenmarkierungen und teils gesperrte Umkleiden: „Wir tun mehr als vorgeschrieben“, betonte der Geschäftsführer. Die Leute hätten sich relativ rasch an die Regeln gewöhnt.

Den Umsatzeinbruch im ersten Monat der Schließung gab der Chef mit „42, 44 Prozent“ an. „Da war die Soforthilfe sehr schnell verbraten.“ 900 Millionen Euro in zwei Monaten hatte das Land laut Bouffier dafür springen lassen. Mittl lebt einerseits von Stammkundschaft, andererseits vom Tourismus, „der komplett weggebrochen ist“. Auch Kurzarbeit habe er einführen müssen, „das fahren wir gerade wieder hoch“. Die perfekte Lösung könne es nicht geben, dennoch hätten alle mitgezogen.

„Vom Menschlichen her hat das sehr gut geklappt, das ist entscheidend“, resümierte Mittl. Ein zweiter Shutdown wäre indes hochdramatisch; sei es doch noch längst nicht wieder so wie vor der Pandemie. „Uns fehlen die Kinder und die älteren Herrschaften, was ich verstehen kann.“ Im Moment konzentriere sich alles auf die 30- bis 55-Jährigen. Den Lifestyle-Gedanken in jeder Preisklasse hält das Haus hoch. Wichtig sei Vertrauen. „Das ist die Grundwährung“, stimmte Bouffier zu.

Der Ministerpräsident ließ die Gelegenheit, die Maßnahmen der Regierung zu rechtfertigen, nicht ungenutzt. Es habe ja kein Muster gegeben. „Später gibt es immer Leute, die sagen, das hätte man anders machen müssen.“ Über allem habe die Sicherheit für die Menschen gestanden, wobei das Schlimmste, Bilder wie in Bergamo oder New York, nie eingetreten sei.

Ausgeblieben sei auch der befürchtete Ansturm nach der Wiederöffnung, so Bouffier. „Es herrscht Zurückhaltung bei den Verbrauchern.“ Ohne Handel sei „das, was eine Stadt wie diese ausmacht, aber nicht möglich“.

Ebenso wenig ohne Gastronomie, ergänzte Brauereichef Robert Glaab. Zwei Drittel seines Umsatzes generiere er über Gaststätten und Veranstaltungen, das fehle ihm. „Ich sehe da aber viel Initiative und Kreativität“, lobte der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Offenbach, Markus Weinbrenner, das Engagement der örtlichen Wirtschaft. Im Lockdown leistete die Kammer viel Beratungsarbeit, was aus der Einhardstadt gern in Anspruch genommen wurde. Ein weiterer Vorteil von Traditionsfirmen sei: „Sie denken in Generationen, nicht in Drei-Monats-Fristen!“ (VON MARKUS TERHARN)

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