SPD-Konzept als Diskussionsgrundlage

Mobilität: Stelldichein der idealen Verkehrsmittel

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„Net dumm rumstehen“: Durch eine Neuorganisation der Bahnsteige kann man nach Überzeugung der SPD jeden Tag eine Stunde Schließzeit am Seligenstädter Bahnhof einsparen.  

Seligenstadt - Dieselgate und drohendes Fahrverbot in Frankfurt verleihen dem Thema Mobilität besondere Aktualität. Von Michael Hofmann 

Dem Werkstatt-Team des SPD-Ortsvereins kam das gerade recht, hat es doch zu genau diesem Themenkomplex in den vergangenen Wochen eine Konzeption erarbeitet, die sich nahtlos in die bereits ausführlich erörterte SPD-Zukunftsvision „Seligenstadt 2030“ einfügt. Am Mittwochabend stellte die Partei ihre Überlegungen zur Diskussion.

SPD-Infoabend Mobilität: „Wir brauchen ein zukunftsfähiges Konzept auch in unserer Stadt“.  

Mehr als ein halbes Dutzend Teilaspekte zum Thema Mobilität präsentierte Seligenstadts SPD-Chef Dr. Reiner Stoll beim Informationsabend seiner Partei am Mittwoch im Jakobsaal. Dieselgate und ein aktueller UN-Bericht über das Auto als Mitverursacher der zunehmenden Erderwärmung, so der Sozialdemokrat, rückten das Thema auf eine Ebene mit den heißen (Landtagswahlkampf-)Eisen Bildung und Wohnen. Aber: „Wir brauchen auch in unserer Stadt ein zukunftsfähiges Konzept für Mobilität.“

Mobilität, so steckte Stoll den Horizont ab, vernetze das kommunale Leben, stütze die Wirtschaft, sei „die politische Aufgabe, um die Zukunft in diesem Land, dieser Stadt zu sichern.“ Mobilität müsse aber bezahlbar sein, nachhaltig, leicht und einfach nutzbar sowie überall verfügbar. Eine echte Herausforderung, deren Ambivalenz sogleich klar wird: „Wir wollen in unserer Stadt den Verkehr, wo es angebracht und sinnvoll ist, verlangsamen; streben auf der anderen Seite aber schnelle und einfache Erreichbarkeit an.“ Und da die Einhardstadt keine Insel ist, müsse eine intelligente, zukunftsweisende Verzahnung mit der Rhein-Main-Region und der Metropole Frankfurt geschaffen werden.

Vor Ort soll ein integriertes Konzept dazu die Handlungsgrundlage schaffen - mit den Komponenten Fußgänger, Radfahrer, Bürgerbus/Stadtbus, Bahn, Umgehung, E-Mobilität oder „schlaue Poller“.

Beim Thema Mobilität spielt, genau betrachtet, der Fußgänger eine ungeahnt wichtige Rolle. Auch in Seligenstadt, vor allem in der touristischen Innenstadt: „Barrierefrei und entspannend“ soll es in der Altstadt zugehen, „lebendige Erdgeschosse“ seien erwünscht, sagt die SPD. Es gelte, die soziale Funktion des öffentlichen Raums zu fördern - im Bereich vom Main bis zur Bahnlinie sowie von der Würzburger bis zur Jahnstraße. Dies sei zu erreichen mit „verkehrsberuhigten Zonen“, auch in den Neubaugebieten. Die, so Stoll weiter, wolle die SPD „deutlich erweitern.“ Während die großen Einfallstraßen den Erschließungsverkehr weiterhin sichern sollen, soll auf allen anderen Straßen die Durchfahrt erschwert werden (Beruhigter Verkehrsraum).

Eine immer wichtigere Funktion, so Stoll weiter, komme dem Fahrrad/Elektrofahrrad zu: „Ideale Verkehrsmittel, schnell, gesund, sauber und leise, um die Stadtteile miteinander zu verbinden.“ Dazu müssen die Lücken im Radwegenetz geschlossen werden, die Knotenpunkte und die Qualität verbessert werden. Je nach Örtlichkeit werde dies durch Radwege, Rad- und Schutzstreifen, Fahrradstraßen oder geöffnete Einbahnstraßen erreicht. Durchaus spannend in diesem Zusammenhang die Idee, in der und um die Altstadt einen gemeinsamen Verkehrsraum („shared space“) und Fahrradstraßen zu schaffen.

Eine verheißungsvolle motorisierte Variante der Mobilitätssicherung ist für die SPD das Modell Bürgerbus/Stadtbus („Schnell rein und raus“) Beim Bürgerbus handelt es sich um gesponsorte Kleinbusse. Am Steuer sitzen (stundenweise) Ehrenamtliche, es gibt einen festen Fahrplan und Haltestellen auch in den Wohngebieten, abseits der Durchgangsstraßen. Der Service soll kostenfrei sein. Bei Erfolg könne aus dem Bürger- ein professioneller Stadtbus werden.

Neue S-Bahn in Frankfurt vorgestellt

Um die Verbindung der Einhardstadt zu Frankfurt zu verbessern ist nach SPD-Ansicht die Bahn das Verkehrsmittel der Wahl. Erfreulich: Schon mit kleinen Maßnahmen seien große Effekte zu erzielen. Technisch möglich sei es beispielsweise im Zug alle 30 Minuten nach Frankfurt zu gelangen. Wie eine S-Bahn verbindet die Odenwaldbahn Seligenstadt schon jetzt schneller als der Pkw in weniger als 45 Minuten mit dem Frankfurter Hauptbahnhof - allerdings nur alle zwei Stunden, alle Stunde in den Hauptverkehrszeiten fährt ein durchgehender Zug von/nach Frankfurt. Und jetzt kommt Zukunftsmusik: Langfristiges Ziel sei es, zusammen mit Hainburg und Mainhausen den Ausbau einer S-Bahn zu betreiben, die Aschaffenburg über Zellhausen, Seligenstadt, Hainstadt mit Offenbach, Frankfurt und dem Flughafen verbindet.

Das „Missing Link“ in der Seligenstädter Mobilitätsdiskussion ist der dritte Umgehungsabschnitt, dessen Verwirklichung aber nach Angaben von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian von der Landesregierung um zehn Jahre nach hinten verschoben wurde. Es gehe darum, den Autoverkehr soweit wie möglich von der Innenstadt und aus den Wohngebieten fern zu halten und trotzdem (auto)mobil zu bleiben: „Die komplette Umgehung ist integraler Bestandteil von Mobilität“, stellt Stoll klar. Eine wichtige strategische Funktion komme im Gesamtkonzept den sogenannten „schlauen Pollern“ zu. Über sie sei die Zugangsregelung an den entscheidenden Zugangsstraßen per Chipkarte „bedarfsgerecht und flexibel“ möglich.

19. Seligenstädter Weinmarkt: Bilder

Dr. Martina Ritter hatte den Info-Abend eröffnet und zunächst die Inhalte von „Seligenstadt 2030“ zusammengefasst (Zentrumsfunktion in den Bereichen Kultur, Tagungen, medizinische Versorgung, Tourismus). Mobilität, so Ritter, werde zumeist auf Landesebene entschieden, gleichwohl lohnten auch lokale Überlegungen. Der SPD-Landtagskandidat Ralf Kunert bemängelte oft unzureichende oder fehlende Anbindungen (Straße, ÖPNV, Radwege), wichtig seien vor allem Investitionen in die Schiene und die Verbesserung der Taktung.

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