Todbringende Erinnerungen

Geschichte einer Tragödie: 1946 sterben in Seligenstadt sechs Kinder bei einer Munitionsexplosion

Kriegsopfer-Gedenktafeln auf dem Alten Friedhof in Seligenstadt: Auch die sechs Kinder, die bei der Explosion 1946 starben, sind aufgeführt.
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Kriegsopfer-Gedenktafeln auf dem Alten Friedhof in Seligenstadt: Auch die sechs Kinder, die bei der Explosion 1946 starben, sind aufgeführt.

Die schrecklichen Ereignisse liegen ein Menschenleben zurück. Aber der Tod von sechs Kindern an jenem Unglückstag 1946 in Seligenstadt rufen noch heute Trauer, Mitleid und Beklemmung hervor.

  • Bei einer Explosion in Seligenstadt sterben 1946 sechs Kinder.
  • Die Kinder spielten damals mit Munition, die sie vorher gefunden haben.
  • Das Ereignis jährt sich am Montag zum 74. Mal und ist bei einigen Seligenstädtern noch in Erinnerung geblieben.

Seligenstadt – Verstreut herumliegende Munitionsteile der Wehrmacht und der Alliierten sind in den Nachkriegsjahren auch in Seligenstadt allgegenwärtig. Oft todbringende Erinnerungen an das furchtbare Gemetzel, das Adolf Hitler und seine NS-Schergen angezettelt und damit die ganze Welt gewissen- und skrupellos ins Unglück gestürzt hatten. Immer wieder kommt es zu Explosionsunglücken, vor allem Kinder und Jugendliche sind gefährdet.

Bei einer Munitionsexplosion in der Nachkriegszeit sterben sechs Kinder aus Seligenstadt

Die Seligenstädter Bevölkerung hat in der unmittelbaren Nachkriegszeit noch immer zu leiden, sei es an der Knappheit der Lebensmittel und Güter, sei es durch die vielfältigen Kriegsschäden, die Fremdbesatzung, die Gefangenschaft oder die Vertreibung. Dennoch keimt Hoffnung auf, bei den Erwachsenen, vor allem aber bei den Kindern. Sie erkundeten die übrig gebliebene kleine, aber ganz und gar nicht mehr heile Welt. Weil sie neugierig sind, unvorsichtig und vielleicht auch ein wenig übermütig nach all den schlimmen Kriegsjahren.

An jenem verhängnisvollen 26. Oktober 1946, also am morgigen Montag vor 74 Jahren, treffen sich acht Kinder auf dem Bahnhofsgelände (Höhe der Güterrampe), um gefundene Munition zum Knallen zu bringen. Zur Kaffeezeit gegen 16 Uhr ist weithin eine Detonation zu hören. Schnell haben die Seligenstädter Gewissheit. Explodierende Munitionsteile haben sechs von acht spielenden Kindern in den Tod gerissen. Verschont bleiben nur die Brüder Franz und Helmut Keller. Sie hatten Glück. Helmut kam am glimpflichsten davon, weil er dick angezogen war und hinter einem Baum Schutz gefunden hatte. Er bekam lediglich einen Splitter ab, der sich in seinen Fuß bohrte.

Sechs verunglückte Kinder werden auf einer Gedenktafel als Kriegsopfer bezeichnet

Auf der Gedenktafel des Seligenstädter Soldatenfriedhofs sind die Namen der sechs Kinder als Kriegsopfer eingraviert. Anlässlich einer Gedenkveranstaltung im Jahre 2011 legte der inzwischen verstorbene Andreas Neubauer, Mitbegründer der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel und langjähriges Heimatbund-Vorstandsmitglied, zur Erinnerung an die Unglücksopfer ein Gebinde mit sechs brennenden Kerzen nieder - eine private Initiative. Bei Altersgenossen wie Dr. Hans Wurzel kommt die Erinnerung an jene Spielkameraden, die auf so schreckliche und sinnlose Weise ihr Leben verloren, vor jedem Jahrestag zurück. „Wir sind zeitlich schon sehr weit weg von den Geschehnissen. Dennoch sollte mahnend die Erinnerung wach gehalten werden“, so Wurzel dieser Tage. (Von Michael Hofmann)

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