Ungewissheit für Musikschulbetrieb

Musikschule muss in Corona-Krise ohne Zusammenspiel auskommen

Alle auf Abstand. Immerhin kann die Saxofonklasse von Stefan Weilmünster wieder in den Räumen der Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen proben. 
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Alle auf Abstand. Immerhin kann die Saxofonklasse von Stefan Weilmünster wieder in den Räumen der Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen proben.

Die Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen hat sich mit der Corona-Krise arrangiert – doch wann der so wichtige Betrieb mit größeren Gruppen stattfinden kann, ist ungewiss.

Seligenstadt – „Was wir unseren Schülern abverlangen, müssen wir auch selbst leisten. “ So erklärt Musiklehrer Stefan Weilmünster seinen Aufzug mit Mund-Nase-Schutz und Latexhandschuhen.

Seit zwei Wochen dürfen er und seine Kollegen wieder in den Räumen der Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen unterrichten. Das ist die gute Nachricht; die weniger gute: Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Regeln sind beträchtlich.

Gut sichtbar hängen die Bestimmungen überall im Gebäude am Seligenstädter Freihofplatz aus: Abstand halten, Maske tragen, vorher Hände waschen. Da sich hinter Textil aber schlecht Saxofon spielen oder singen lässt, gelten dort Ausnahmen, indes nicht für das Hantieren mit dem Mundstück. „Bläser produzieren zwangsläufig starken Speichelfluss“, weiß Saxofonist Weilmünster. „Wenn dann einer die Türklinke anfasst und die nächste Klavierschülerin reinkommt...“

Überrascht und begeistert ist Weilmünster davon, „wie die Kinder und Jugendlichen mitziehen“. Es seien eher die Erwachsenen, die ihre Maske vergäßen oder die Hygiene vernachlässigten. Ansonsten hat die Einrichtung viel Geld für Plexiglas und Desinfektionsmittel ausgegeben.

Was derzeit ruht, ist die musikalische Früherziehung in großen Gruppen. „Die macht aber das Hauptgeschäft aus“, führt Weilmünster aus, der auch Ingo Negwers Stellvertreter als Schulleiter ist. „Der Einzelunterricht rechnet sich gerade so.“ Online-Unterricht sei für die Dreijährigen keine Alternative, „die können keine Dreiviertelstunde konzentriert vor dem Bildschirm hocken“. Für sie müsse man das Videoangebot staffeln und kürzere Filmchen produzieren, zwischen denen sie mal zehn Minuten Pause machen könnten.

Die acht Wochen Schließung haben die meisten der 40 weit überwiegend freien Lehrkräfte genutzt, sich technisch neu aufzustellen. „Das hat besser funktioniert als gedacht“, berichtet Weilmünster aus eigenem Erleben. „Ich hatte befürchtet, dass ich online auf 30 oder 40 Prozent der üblichen Effizienz käme, nun bin ich vielleicht bei 70 Prozent.“ Abstriche muss er beim Klang machen, außerdem nerven Zeitverzögerungen. „Es gibt zwar fast ruckelfreie Übertragungs-Software, aber die ist teuer.“ Um die Kunden bei der Stange zu halten und nicht zu viel an Kursgebühren erstatten zu müssen, greife man auf lizenzfreie Programme zurück. „Da kann es passieren, dass in einer Dreiviertelstunde drei-, viermal die Leitung zusammenbricht.“ Zumal die Musikschüler daheim nicht die einzigen Internetnutzer seien. „Da sitzt der Papa in einer Videokonferenz, die Mama macht Homeoffice, die Schwester will eine Netflix-Serie am PC schauen“, veranschaulicht der Musiker ein verbreitetes Phänomen.

Ein Problem für den Live-Unterricht ist die Raumnot. Grund ist, dass viele Schulen ihre sonst nachmittags zur Verfügung gestellten Räume selbst benötigen und Kindergärten geschlossen sind. „Die Emmaschule bildet da eine Ausnahme“, so Weilmünster dankbar. Eine angedachte Nutzung der leer stehenden Hans-Memling-Schule habe sich zerschlagen, Anfragen nach öffentlichen Räumen in Standesamt oder Bürgerhäusern seien an Corona-Auflagen gescheitert. „Nur Matthias-Grünewald- und Hans-Memling-Kolleg im Riesen können wir kriegen.“

Dass es nicht damit getan sei, irgendwie drei Wochen zu überbrücken, sei nach einer Woche klar gewesen, sagt Weilmünster. Nachholen lasse sich das Ausgefallene im Grunde nicht; vor allem in Ensembles wie Chor oder Bigband gehe das Zusammenspiel verloren. Und ob im Sommer wie gewohnt ein neues Schuljahr mit neuen Kursen starten kann? „Das wissen wir noch nicht.“

VON MARKUS TERHARN

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