Rührwerk wird von Verzopfungen befreit

Seligenstadt: Notwendige Reparatur an Klärwerk erforderlich

Diese Verzopfungen mussten Mitarbeiter des Klärwerks mit den Händen entfernen – keine angenehme Arbeit.
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Diese Verzopfungen mussten Mitarbeiter des Klärwerks mit den Händen entfernen – keine angenehme Arbeit.

Weil einiges im Klärwerk zu finden war, was da nicht hingehörte, war eine Reparatur nötig. Verbraucher könnten sie künftig verhindern.

Seligenstadt – Kein appetitlicher Anblick und ein wohlriechender weiß Gott auch nicht. Aber einer, der unser Verhalten als Verbraucher womöglich ändern könnte. Dies in einer ganz bestimmten Situation. Schwere, schwarze Klumpen kamen zum Vorschein, als der Abwasser-Zweckverband dieser Tage nach einem technischen Defekt seinen Faulturm öffnen musste, um das etwa 20 Meter lange Rührwerk zu reparieren. Das Problem hat einen Namen: Verzopfung.

Eine riskante Angelegenheit, denn mit dem Öffnen des Faulturmdeckels bestand Explosionsgefahr durch das dort befindliche, unter Druck stehende Biogas. Glück gehabt – die Operation gelang ohne Zwischenfälle. Der Vorsteher des Abwasserverbands Schleifbach, Ex-Bürgermeister Rolf Wenzel, lobte die Monteure und seine Mitarbeiter für ihren umsichtigen, engagierten Einsatz.

Seligenstadt: Säuberung des Klärwerks von Hand ist notwendig

Der Faulturm, der 16 Meter aus der Erde ragt, hat eine Gesamthöhe von 23 Metern. Im Turm befinden sich circa 1800 Kubikmeter Schlamm. Um den Faulungsprozess zu intensivieren, ist ein motorbetriebenes Rührwerk installiert. Problem: Das Rührwerk hatte sich am Deckel gelöst, konnte nicht mehr rotieren, sodass beide Elemente mit einem Autokran aus dem Faulturm gehoben werden mussten. Die Ursache des Defekts war danach leicht festzustellen: Um die Flügel des Rührwerks hatten sich riesige, schwere Klumpen gewickelt – aus Taschentüchern, Küchenrollen oder feuchtem Toilettenpapier.

20 Meter lang ist das Rührwerk, das mit einem Autokran aus dem Faulturm der Schleifbach-Anlage herausgehoben werden musste. 

Sie alle gehören nicht in die Toilette! Warum? All diese Tücher, besonders Feucht- und Desinfektionstücher, weisen eine hohe Reißfestigkeit auf, weshalb sie sich im Wasser nicht zersetzen, sich in der Abwasseranlage verkleben und für jede Menge Ärger sorgen. Keine angenehme Arbeit für die Mitarbeiter des Klärwerks, die diese Verzopfungen mit der Hand abstreifen mussten.

Seligenstadt: Klärwerk produziert auch Biogas

Private Haushalte, Gewerbe und Industrie im Verbandsgebiet (Mainhausen, Klein-Welzheim und Karlstein-Großwelzheim) leiten ihre Abwässer in die Kläranlage, darunter viele Ballaststoffe, die vom Abwasser in der Anlage abgesondert werden müssen. Eingangs entfernt ein Rechen alle Grobstoffe, im weiteren Verfahren wird der mitgeführte Sand ausgeschwemmt. Alsdann muss der noch verbliebene Klärschlamm, der einen Wasseranteil von etwa 98 Prozent hat, separiert werden. Das übernimmt ein sogenannter Voreindicker.

Danach wird der Schlamm in den Faulturm gepumpt, wo er 20 Tage bleibt. Er wird auf etwa 37 Grad erwärmt, dann sorgen Methanbakterien, luft- und lichtdicht abgeschlossen, für eine weitere Verringerung des Volumens. Das dabei entstehende Biogas, und das ist der Sinn der Übung, wird in einem Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung verwendet.

VON MICHAEL HOFMANN

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