Zukunftsplanung mit holprigem Start

Hans-Memling-Schule: Einblick in drei Nutzungskonzepte

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Erfolgreiche Aktivitäten des HMS-Vereins in der früheren Schule: Ausstellung der Fotofreunde.

Seligenstadt - Ziemlich holpriger Start in die Zukunftsplanung der leer stehenden Hans-Memling-Schule (HMS) am Donnerstagabend im Rathaus: Nach der Präsentation der drei Nutzungsmodelle stritten sich die Fraktionen im Ausschuss für Bildung, Soziales und Kultur (BSK) vornehmlich über Formalien. Von Michael Hofmann 

Eine Abstimmung fand nicht statt. Zwar gewannen die Zuschauer der BSK-Sitzung am Donnerstagabend durchaus einen vertieften Einblick in die drei Konzepte, die für eine künftige Nutzung der HMS in der Diskussion sind, getrübt wurden die neuen Erkenntnisse aber von einem Vorgeschmack auf die politischen, formalen und taktischen Spezifika und Spitzfindigkeiten, die sich rund um das ohnehin schon hochsensible Thema auftürmen. Zur Diskussion stehen bekanntlich zwei Anträge: eine CDU-Initiative, bei der der Magistrat zusammen mit dem HMS-Freundeverein dessen Nutzungsvorstellungen vertiefen und gemeinsam ein Sanierungskonzept für ein späteres Bildungs- und Kulturhaus erarbeiten soll; zudem ein Prüfantrag der Koalition aus SPD, FDP und FWS, nach dem der Magistrat die drei „Nutzungsszenarien“ erörtern und anhand von diversen Kriterien einander gegenüberstellen soll.

Wie angekündigt, stellten Katja Teubner, die Vorsitzende des HMS-Freundeskreises, Rolf Schmidt, der Geschäftsführer der Erasmus-Schule (Offenbach) und Dr. Reiner Stoll, der Vorsitzende des Seligenstädter SPD-Ortsvereins, anfangs ihre Konzeptionen in Kurzreferaten vor. Im Wesentlichen fassten die Referenten dabei die bekannten und auch an dieser Stelle schon dargestellten Spezifika zusammen. Die Sitzung litt allerdings stark am Streit über Formalien. So beschwerte sich CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann gleich zu Beginn massiv darüber, dass mit dem SPD-Ortsvorsitzenden Dr. Reiner Stoll ein örtlicher Parteipolitiker als Referent eingeladen worden sei - ohne Absprache mit den Ausschussmitgliedern. „So etwas habe ich in 20 Jahren nicht erlebt, ich halte das für einen unzulässigen Eingriff.“ Ein CDU-Stadtverbandsvorsitzender sei jedenfalls noch nie hinzugebeten worden.

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Der Ausschuss-Vorsitzende Philipp Giel (FDP) antwortete, da der CDU-Antrag in etwa dem Ansinnen des HMS-Freudevereins entspreche, habe er keinen Anlass gesehen, bei der Auswahl der Redner zu intervenieren. Völlig über Kreuz gerieten die Fraktionen am Ende der Sitzung, als es zur Abstimmung kommen sollte. Aufgrund der Redebeiträge, vor allem aber nach der frei vorgetragenen „Bewerbung“ von Erasmus-Geschäftsführer Rolf Schmidt, verlangte die CDU mit Verweis auf weiteren Beratungsbedarf, das Thema „um eine Runde zu schieben“.

Es sei guter Brauch, so fügte CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann hinzu, dass die übrigen Fraktionen in einem solchen Falle zustimmten. Nicht so am Donnerstag: Weil es sich beim Koalitionspapier nicht um einen üblichen, sondern lediglich um einen Prüfantrag handele, so die Argumentation der FDP-Fraktionsvorsitzenden Susanne Schäfer, gelte das in diesem Falle nicht. Und sie könne sich auch nicht erinnern, dass Prüfanträge jemals geschoben worden seien - weil es sich um eine Prüfung und nicht um eine Entscheidung handele - es gebe keine „Vorfestlegung“ - und weil man beim Thema HMS endlich vorankommen müsse. Bei der Abstimmung unterlag die CDU, unterstützt von den Grünen, das Thema bleibt auf der Tagesordnung. Fortsetzung folgt also am Montag, 19 Uhr, im Haupt- und Finanzausschuss.

Abgesehen davon gab es durchaus auch neue und/oder ergänzende Informationen. So erläuterte Katja Teuber ausführlich den vom Verein erstellten vierstufigen HMS-Ausbauplan, der auch das Außengelände einbezieht. Da die „Stufe 0“ (Ist-Zustand) überwunden, der Verein längst mit „schulaffinen“ (alles, was Bildung ist“) Veranstaltungen aktiv und erfolgreich sei, wolle er zum Erreichen der verbleibenden Stufen „die weitere Entscheidungsfindung“ konstruktiv begleiten, sei offen für neue Ideen. Ziel sei eine Begegnungsstätte für alle Bürger, in der auch Vereine (Vhs) und Verbände neue Domizile oder Veranstaltungsorte vorfänden. Gastronomie oder Café, so Teubner weiter, könnten zur Deckung der Kosten beitragen. Im Idealfall der Stufe vier, also Nutzung als Bildungs- und Kulturhaus mit Nutzungsänderungsgenehmigung und denkbaren Umbauten, bestehe ein Parkplatzbedarf von 22 bis 27 Stellplätzen. Da rund ums Gebäude kaum Stellflächen existierten, könne das Parkhaus am Friedhof in diesem Zusammenhang herangezogen werden.

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Rolf Schmidt verzichtete auf ein Manuskript, beschrieb sein Bildungshaus ausführlich und als Erfolgsmodell, das der „Rückständigkeit des deutschen Schulsystems“ gegenüberstehe. In der Erasmus-Schule („gemeinnütziger Schulträger in freier Trägerschaft“) werden Kinder vom ersten bis zum zehnten Jahr dreisprachig betreut - in Krabbelstube, Kita und Grundschule als Ganztagsschule mit langer Öffnungszeit und lediglich 25 Schließtagen im Jahr (statt 75). Die Einrichtung propagiere „angstfreies Lernen in familienähnlicher Atmosphäre“. Während Erasmus im Kindergarten das gleiche Gebührenniveau wie andere Einrichtungen habe, sei bei der Grundschule ein Schulgeld erforderlich. Das betrage in Offenbach (inklusive Hort und Essen) derzeit 300 Euro pro Kind und Monat. Ein Stipendienmodell sorge dafür, dass auch Kinder weniger begüterter Eltern die Schule besuchen können. Er habe, so Schmidt weiter, das HMS-Areal besichtigt und halte es aufgrund der Lage, des Außengeländes und der großen Klassenräume für sehr gut geeignet. Nicht beantworten konnte Schmidt ad hoc Fragen nach einem Wirtschaftsplan, zur verkehrlichen Erschließung oder zu den Schulkosten vor Ort. Das könne er zeitnah nachreichen.

Unter das Motto „Ein neues Leben für eine alte Schule“ stellte Reiner Stoll seinen Vortrag. Bekanntlich hat das HMS-Areal ebenso wie das frühere Stadtwerke- und das TGS-Gelände „Brückenkopffunktion“ im SPD-Zukunftsmodell „Seligenstadt 2030“. Während die Erasmus- als Privatschule keinen öffentlichen Raum schaffe und das Konzept der HMS-Freunde der Stadt „erhebliche Zusatzkosten für Sanierung und Betrieb“ beschere, so betonte Stoll, trage das SPD-Modell dem Vereinsbedarf (kleine Veranstaltungsräume, Vereinsdomizile), dem Betreuungsbedarf (Kinderbetreuung in 45 bis 65 Prozent der Räumlichkeiten) sowie einer wirtschaftlichen Komponente (zehn Prozent Gastronomie) Rechnung. Abhängig von der Größe der Kinderbetreuung seien so „70 bis 85 Prozent der Sanierungs- und Betriebskosten durch entsprechende Einnahmen/Einsparungen an anderer Stelle gedeckt.“

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