Westring-Planung

Landwirt tobt: „Unerträgliche Überheblichkeit und Arroganz“

Zankapfel Schachenweg: „Vorrangige Befahrbarkeit für landwirtschaftlichen und Kundenverkehr.“
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Zankapfel Schachenweg: „Vorrangige Befahrbarkeit für landwirtschaftlichen und Kundenverkehr.“

Der Ortslandwirt aus Seligenstadt nahe Offenbach greift die Planer des Bebauungsplans 86 an. Diese seien „überheblich“ und „arrogant“.

Seligenstadt – Da die Belange der ortsansässigen Landwirte von der Planung des Bebauungsplans 86, Südwestlich des Westrings, „elementar betroffen“ seien, nimmt Ortslandwirt Norbert Zöller, Bewirtschafter des Zöllerhofs, im Zuge der Beteiligung der Öffentlichkeit kritisch Stellung zum vorgelegten „qualifizierten Entwurf“. In einem Schreiben an das Ingenieurbüro „Planquadrat“ (Darmstadt), das zusammen mit der Firma Terramag Erschließung und Entwicklung des Gebiets vornimmt, protestiert Zöller, die Bewertung der artenschutzrechtlichen Betrachtung sei sachlich und fachlich nicht nachvollziehbar:

„Keiner der Planer hat sich auch nur ein einziges Mal auf einem der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort über die Wirtschaftsweise der ortsansässigen Landwirte informiert.“

Seligenstadt (Kreis Offenbach): Landwirt attackiert Westring-Planer

Im Übrigen zeuge es von „unerträglicher Überheblichkeit und Arroganz in Verbindung mit totaler Ahnungslosigkeit der Planer von der tatsächlichen Wirtschaftsweise der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort, wenn der örtlichen Landwirtschaft ‚eine weit verbreitete monotone intensive’ Wirtschaftsweise im Umfeld des Planungsvorhabens unterstellt wird.“

In Seligenstadt betreiben acht Familien landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb. Ein Großteil der Betriebe habe seine Hofflächen im direkt an den Bebauungsplan 86 angrenzenden südwestlichen Teil der Gemarkung und vermarkte die erzeugten Produkte an die Verbraucher, fasst Zöller die Situation in seinem Protestbrief zusammen. Diese Familienbetriebe bewirtschaften mittlerweile auch in den Nachbargemarkungen Flächen, da es dort keine Haupterwerbsbetriebe mehr gibt, und nutzen auch den Schachenweg, um sie zu erreichen.

Seligenstadt: Ortslandwirt stellt drei Forderungen auf

Als Ortslandwirt, so Zöller weiter, habe er bereits zum ersten Entwurf mehrfach öffentlich Stellung genommen, doch seien seine Forderungen in den nunmehrigen qualifizierten Entwurf nicht ausreichend eingearbeitet. So werde der Schachenweg zwischen Feldkreuz und Bahnübergang als verkehrsberuhigte Zone definiert, die auch für den landwirtschaftlichen Verkehr durchgängig nutzbar sein solle.

„Diese Vorgaben widersprechen sich diametral“, eine durchgehende ungehinderte Nutzung des Schachenweges sowohl für den landwirtschaftlichen Verkehr (Zugmaschinen, Erntemaschinen), als auch für den Kundenverkehr der Direktvermarkterbetriebe sei nicht mehr möglich. Stellvertretend für alle Betriebe, deren Hofflächen in der südwestlichen Gemarkung liegen, fordert Zöller:

  • durchgehende vorrangige Befahrbarkeit des Schachenweges von Bahnübergang Giselastraße bis zum südwestlichen Ende des Plan-Geltungsbereiches für den landwirtschaftlichen Verkehr und den Kundenverkehr der Direktvermarkter;
  • Schaffung von ausreichend dimensionierten Ausweichmöglichkeiten entlang des verkehrsberuhigten Schachenwegteils, um den landwirtschaftlichen und sonstigen Verkehr zu ermöglichen; gegebenenfalls eine Neukonzeption des Quartiersplatzes;
  • Verzicht auf die Bebauung zwischen Babenhäuser Weg und Bahnlinie. Damit entfielen naturschutz- und arten-schutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen, die wiederum einen zusätzlichen Verlust an landwirtschaftlichen Flächen zur Folge haben.

Landwirt aus Seligenstadt widerspricht Planern

Darüber hinaus widerspricht Zöller mehreren Punkten aus der Beschlussempfehlung, die die Planer bei der vorgezogenen Beteiligung Träger öffentlicher Belange aus deren Stellungnahmen ableiteten. Vor allem „der verallgemeinerten Einschätzung, dass eine Existenzgefährdung der Landwirte nicht festzustellen sei.“

In der Empfehlung wird eine Abstimmung der Stadt Seligenstadt mit den Landwirten zur Querung des „Quartiersplatzes“ angeregt. Eine solche ordnungsrechtliche Regelung lehnt Orstslandwirt Norbert Zöller ab, da solche Maßnahmen flexibel handhabbar seien und keine Planungssicherheit für die landwirtschaftlichen Betriebe gewährten. (Michael Hofmann)

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