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Landwirte beklagen schlechte Ernte – „Viel zu wenig geregnet“

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Von: Julia Oppenländer

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Das Getreide im Ostkreis ist geerntet: Die Bilanz fällt aufgrund der Hitze aber schlecht aus.
Das Getreide im Ostkreis ist geerntet: Die Bilanz fällt aufgrund der Hitze aber schlecht aus. © Jäger

Die Hitze hat unmittelbarer Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die Ernte fällt im Kreis Offenbach aufgrund der anhaltenden Dürre geringer aus, als normal.

Ostkreis – Hitze und Trockenheit stellen die Landwirte im Ostkreis vor Herausforderungen. Die Bilanz zur aktuellen Ernte fällt ernüchternd aus: Qualität und Ertrag lassen zu wünschen übrig.

„Es könnte bei weitem besser sein.“ So kurz und knapp fällt beim Hainburger Landwirt Hubert Kopp das Fazit zum Abschluss der Getreideernte in diesem Sommer aus. Doch hinter dieser Aussage steckt weitaus mehr: Die Landwirtschaft steht in den nächsten Jahren vor vielfältigen Herausforderungen.

Schlechte Ernte im Kreis Offenbach: „Hitze bedeutet auch für die Pflanzen Stress“

Das weiß auch Norbert Zöller, Landwirt aus Seligenstadt. „Die Getreideernte wurde bei uns schon vor zwei Wochen abgeschlossen – das ist ziemlich genau zwei Wochen früher als normalerweise“, sagt er. Frühe Ernten bedeuten nämlich immer auch kleine Ernten. Für den Landwirt war das durch die Trockenheit und die erste Hitzewelle Mitte Juni schon absehbar. „Hitze bedeutet auch für die Pflanzen Stress.“

Die Ernte der Wintergerste war noch gut, „weil sie schon fast reif war, als die erste Hitzeperiode dieses Jahres über uns hereinbrach“, sagt Zöller. Auch der Raps habe durchschnittliche Erträge in der Region gebracht.

„Im Frühjahr war es noch feucht, aber ab Mai hat’s dann viel zu wenig geregnet“, sagt Hubert Kopp. Beim restlichen Getreide sah der Ertrag deshalb schon nicht mehr so gut aus. „Es war kein Wasser mehr da, nichts ist mehr richtig gewachsen und die Pflanzen sind abgestorben“, so der Hainburger Landwirt.

Landwirte aus Offenbach beklagen schlechte Ernte – „Immenser finanzieller Schaden“

Betroffen ist auch die Sommergerste (Braugerste). Qualität und Ertrag seien nicht zufriedenstellend gewesen, sagt Norbert Zöller. „Diese Getreideart stand mitten in ihrer Kornfüllphase im Würgegriff der Hitze und Trockenheit.“ Die Folge: Wegen der Notreife sind die Mehlkörper der Körner kleiner – dadurch ist der Anteil der Gerstenkörner niedriger, die größer als 2,5 Millimeter sind. Die sind allerdings wiederum für Mälzer und Brauer wichtig, weil darüber die Bierausbeute beim Malz entscheidet. Und weil der relative Eiweißgehalt der Gerste im Ostkreis in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit meist höher als 11,5 Prozent liegt, kann das Getreide nicht länger als Brau-, sondern nur noch als Futtergerste vermarktet werden.

„Die schlechte Ernte ist natürlich auch ein immenser finanzieller Schaden“, fasst Hubert Kopp zusammen. „Denn auch das Saatgut war schon teuer, genauso wie das Düngemittel.“ Das ergebe Einbußen.

Und selbst auf dem Dauergrünland, also Flächen, von denen das Grundfutter für Rinder und Pferde gewonnen wird, sieht es mau aus. „Der erste Gras- und Heuschnitt fiel gut aus, sowohl hinsichtlich Menge als auch Qualität“, sagt Norbert Zöller. „Der zweite Schnitt, auch Grummet genannt, fällt dieses Jahr auf den meisten Flächen aber komplett aus – auf den Wiesen ist seit Mitte Juni nichts mehr gewachsen.“ Tierhalter mit Weidehaltung müssten deshalb schon Heu zufüttern, weil auf den Wiesen aktuell nichts zum Mähen steht. Normalerweise wäre Anfang bis Mitte August Grummetzeit.

Hitze sorgt im Kreis Offenbach für schlechte Ernte – Probleme bei der Bewässerung der Felder

Grundsätzlich besteht in den meisten Kommunen im Kreis Offenbach technisch zwar die Möglichkeit, Felder zu bewässern, allerdings muss jeder Betriebsleiter selbst entscheiden, ob er die Kosten für die Bewässerung in die Hand nimmt – dazu zählen die Arbeit, Technik sowie Strom oder Diesel für die Pumpen. „Wir haben aber auch gar keine Brunnen, um unsere Felder zusätzlich zu bewässern“, sagt Hubert Kopp. Als er sie noch angebaut habe, hätte er Spargel und Erdbeeren bewässert. „Aber bei Getreide gieße ich nicht nach.“ Außerdem schaffe es eine Bewässerung in der Regel auch nicht, flächendeckend den fehlenden Regen zu ersetzen, ergänzt sein Seligenstädter Kollege.

Natürlich spiele die Bodenbeschaffenheit eine wichtige Rolle dabei: In Sandböden versickert das Wasser schneller. „Wir Landwirte weisen deshalb schon seit vielen Jahren bei jeder Neuausweisung von Wohnbau- und Gewerbegebieten auf die Bodenqualitäten hin“, sagt Zöller. Das sei im Gewerbegebiet „Südlich der Dudenhöfer Straße“ in Seligenstadt und zuletzt beim Wohnbaugebiet „Zellhausen Süd“ der Fall gewesen. „Aus Gründen der Nachhaltigkeit ist es unsinnig, die fruchtbarsten Böden einer Gemarkung zuzubauen, nur weil sie vielleicht strategisch günstig liegen.“ Im Sinne der Ernährungssicherheit werde sich das langfristig rächen, ist der Landwirt überzeugt.

Ernte im Kreis Offenbach: Landwirt befürchtet große Herausforderungen

Für seinen Betrieb zieht der Seligenstädter nun Konsequenzen und baut im nächsten Jahr eine Wechselgerste an. Diese habe die Eigenschaften einer Sommergerste, könne aber schon im November ausgesät werden und so die Winterfeuchtigkeit für ihr Wachstum besser nutzen.

Die unterdurchschnittlichen Ernteergebnisse in der Region haben aber erst mal keine Konsequenzen für die Verbraucher. „Dafür sind wir im Kreis Offenbach für den überregionalen Markt zu unbedeutend“, sagt Norbert Zöller. Der langfristige Trend bei der Erzeugung von Lebensmitteln im Zusammenhang mit der weiter wachsenden Weltbevölkerung werde aber eine gehörige Herausforderung werden. (Julia Oppenländer)

Auch der Getränkeindustrie machen die hohen Temperaturen zu schaffen: In Rodgau (Kreis Offenbach) stürzten wegen der Hitze zuletzt Getränkekisten ein und sorgten für einen riesigen Scherbenhaufen.

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