„Feines Händchen für Ästhetisches“

Seligenstädter Kulturpreis für Kunstforum-Kuratorin Annemarie Pötzelberger

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Annemarie Pötzelberger nahm von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian den Kulturpreis entgegen. 

Den Kulturpreis der Stadt Seligenstadt für das Jahr 2019 hat im großen Rathaussaal die langjährige Kuratorin des Kunstforums, Annemarie Pötzelberger, entgegengenommen. 

Seligenstadt – Neben 80 Ausstellungen in der Kunstforum-Galerie im Alten Haus und 18 Freiluft-Präsentationen im Klosterhof verdanken ihr die Stadt und ihre Bürger nach den Worten des Kunstkritikers Dr. Roland Held bundesweite Anerkennung in der Kunstszene - und demnächst kommt noch ein Stück Natur hinzu: Mit einem Teil ihres Preisgelds von 1000 Euro will die Geehrte im Rahmen der Kunstforum-Aktion „Stadtverwaldung“ einen Baum stiften - den 30. seit dem Start der Kampagne im Jahre 2011.

Ebenso viele Jahre lang hat Annemarie Pötzelberger den Verein zur Förderung der Gegenwartskunst mit geprägt und - so Laudator Held - dabei stets „eine gute Hand fürs Praktische und ein feines Händchen für Ästhetisches“ bewiesen. Nicht etwa an der Intention des Schaffenden, sondern an der realisierten Form werde Kunst in ihrem Rang gemessen, betonte der Experte. In ihrer Fähigkeit zu differenzierter Wahrnehmung und ästhetischem Urteil habe die Kuratorin stets ein sicheres Gespür bewiesen, wie ihre Ausstellungen beim Publikum ankommen würden - und dabei nie die Kontroverse gescheut. Denn: „Wenn Kunst sich weiterentwickeln soll, muss sie gelegentlich anecken.“

Horizonte erweitert, Perspektiven eröffnet und dabei ihrem Verein einen „respektierten Rang“ unter den rund 300 deutschen Kunstvereinen gesichert hat Pötzelberger laut Held nicht zuletzt durch ihre vielfältigen Kontakte und ihr Manager-Talent. Immer wieder sei es ihr gelungen, bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft für ihre Projekte zu begeistern, dabei unter Zurückstellung der eigenen Person stets der Sache zu dienen.

In ihrer Dankesrede hob die Preisträgerin denn auch den Wert der Zusammenarbeit in ihrem Verein - insbesondere in der Galeriegruppe des Kunstforums - und des tragenden Netzwerks aus Firmen, Handwerkern, Gewerbeverein und Rathaus hervor, das in Seligenstadt herausragende Bedingungen schaffe.

Dass Annemarie Pötzelberger den öffentlichen Umgang mit Kunst und Kultur zu ihrem Lebenswerk erheben würde, war nach ihrer Jugend als Diplomatentochter in den USA aus Sicht des Laudators keineswegs vorgezeichnet. Zwar habe sie ihre Studien in New Orleans und Kansas City mit einem Bachelor in Romanistik und Kunstgeschichte abgeschlossen, dann aber umgesattelt und als Flugbegleiterin die Welt bereist. Auch dieser Weg führte indessen zur Kunst: Nach der Begegnung mit einem deutschen Künstler in Japan habe sie jahrelang als dessen Agentin fungiert, Ausstellungen in zahlreichen deutschen Städten, in Mexiko, Griechenland, Spanien und Japan eingefädelt.

Inzwischen mit ihrer Familie im Spessart daheim, brachte Annemarie Pötzelberger mit ihrem Einstieg beim Kunstforum ein dichtes Netzwerk von Kontakten zur Kunstszene im Rhein-Main-Gebiet und besonders nach Darmstadt mit. Bald reichte ihr Wirkungskreis über Seligenstadt hinaus. So übernahm sie die Verantwortung für das pädagogische Begleitprogramm bei der kreisweiten Dauer-Aktion „Kunst vor Ort“. Überregionale, ja internationale Verbreitung fanden auch ihre Kataloge zu den Freiluft-Skulpturenausstellungen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters. Parallel schärfte sie laut Dr. Held ihr Profil als Kuratorin, öffnete die lokale Wahrnehmung für abstrakte, konzeptionelle, konkrete Kunst und bewies aus Sicht des Laudators einmal mehr: Die Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst „erweitert Erkenntnishorizonte, von denen der intellektuelle nur einer und nicht einmal der wichtigste ist“.

Als Mitglied im Beirat des Kunstforums will Annemarie Pötzelberger ihrem Verein und der Seligenstädter Kunstszene erhalten bleiben. Mit der Auszeichnung, von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian überreicht, setzt sie als 19. die Reihe der Kultur- und Kulturförderpreisträger seit 1987 fort. Zur Zeremonie gehörte auch ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Musikalisch unterhalten sah sich die Festversammlung von der Saxofonistin Julia Glotzbach, Dozentin an der Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen.

VON OLIVER KLEMT

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