Eidgenossen und der lange Marsch zur Stolperfalle

75 Prozent der Wahlperiode hat die Koalition in Seligenstadt bereits geschafft

Pi mal Daumen 75 Prozent der Wahlperiode halten es unsere Seligenstädter Koalitionäre schon miteinander aus. Lange Zeit konnte nichts die aus wenig kompatiblen Ecken aufeinander zugeeilten drei politischen Kräfte seit ihrem Rütlischwur im April 2016 trennen. (Symbolbild)
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Pi mal Daumen 75 Prozent der Wahlperiode halten es unsere Seligenstädter Koalitionäre schon miteinander aus. Lange Zeit konnte nichts die aus wenig kompatiblen Ecken aufeinander zugeeilten drei politischen Kräfte seit ihrem Rütlischwur im April 2016 trennen. (Symbolbild)

Pi mal Daumen 75 Prozent der Wahlperiode halten es unsere Seligenstädter Koalitionäre schon miteinander aus. Lange Zeit konnte nichts die aus wenig kompatiblen Ecken aufeinander zugeeilten drei politischen Kräfte seit ihrem Rütlischwur im April 2016 trennen.

Seligenstadt - Kein Zoff, kein Frust, keine Drohung, kein Hin(aus)wurf. Nichts drang nach außen, nicht einmal ein böses Wort, geschweige denn Beleidigung oder Diffamierung früherer Prägung. Ein kleines Wunder vielleicht, eine große Disziplinleistung allemal. Auf jeden Fall die beste Waffe gegen eine machtgewohnte und -verliebte CDU, die in selten gesehener Mésalliance mit ungewohnt anschmiegsamen Grünen in der Wahlperiode zuvor sagte und kompromisslos beschloss, wo‘s langgeht. Auf diesem für Konservative oft recht alternativen langen Marsch (Stromnetz-Rekommunalisierungspläne, Stadtwald-Zertifizierung nach FSC, Klimaschutzmanager) hat sie aber wohl bis Frühjahr 2016 etliche aus ihrer Stammwählerschaft aus den Augen verloren und verprellt – und ging am Wahltag baden.

Die Bemühungen, inzwischen an einigen Stellen verjüngt, auf den harten Oppositionsbänken neue Konturen zu gewinnen, sind unverkennbar; allein die Methode scheint noch nicht so recht ausgegoren: Konfrontationsbereit und streitbar wie einst im Mai – dafür steht Fraktionschef Joachim Bergmann; diplomatisch und clever auf Konsens bedacht – das verkörpert Stadtverbandschef Oliver Steidl. CDU Froschhausen bleibt freilich CDU Froschhausen. Da fällt mit Lortz junior der Apfel nicht sehr weit vom Stamm, einst wie heute haben die Lortz’schen Beiträge in der Bütt neben beißender Schärfe beträchtlichen Unterhaltungswert.

Aber inzwischen scheint die Friede-Freude-Eierkuchenzeit im Lager der Ostkreis-Eidgenossen SPD, FDP und FWS vorbei. Die an dieser Stelle irgendwann einmal vermutete Sollbruchstelle tritt offen zu Tage. Es ist allerdings nicht die ebenso komplizierte wie komplexe Erschließung und Entwicklung des Mega-Baugebiets Südwestlich des Westrings, sondern ein absoluter Ladenhüter: die künftige Nutzung des leer stehenden Gebäudes der früheren Hans-Memling-Schule samt Gelände drumherum. Ein Dauerquäler, der seit dem berühmt-berüchtigten 2012er Beschluss viele Nerven strapaziert. 

In dieser fortgesponnenen Frage verloren SPD, FDP und FWS samt Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) zuletzt merklich Souveränität und Überblick. Die Implosion der SPD, die nach der Demission ihrer Ortsverbandsspitze in bewärter Lemming-Manier mächtig ins Taumeln geriet, macht eine Lösung zur Quadratur des Kreises. Immerhin stehen nach einer argumentativen Achterbahnfahrt im Dezember-Parlament zur Bekräftigung der bereits im Herbst beschlossenen Bürgerbefragung noch immer drei Varianten zur Verfügung, obwohl es eigentlich nur noch zwei gibt.

Wie wir erfuhren, wird die Vorbereitung des Bürgervotums jedoch bis in den März hinein andauern, und das hat Vorteile. Zum einen können die durch die Gassen hetzenden Anhänger dieser oder jeder Variante etwas herunterschalten, Atem holen und durchschnaufen. Zum anderem sollten wir in der verbleibenden (närrischen) Zeit ruhig mal die Fastnachter drübergehen lassen. Die gewinnen dem Thema sicher ganz besondere und so noch nie diskutierte Aspekte ab. Wetten?

Von Michael Hofmann

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