Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Badehaus: Roberto Faé verwandelt das Baudenkmal in ein italienisches Eiscafé

Ein Badehaus wird Eiscafé: Die künftigen Betreiber Roberto und Lydia Faé auf ihrer Baustelle unweit des Steinheimer Turms
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Ein Badehaus wird Eiscafé: Die künftigen Betreiber Roberto und Lydia Faé auf ihrer Baustelle unweit des Steinheimer Turms

Wo sich einst Seligenstädter ohne eigenes Bad der Körperpflege widmeten, gibt’s bald italienisches Eis. Was bleibt ist der Name, unter dem das markante Gemäuer vor dem Steinheimer Tor seit 114 Jahren bekannt ist – Badehaus.

Seligenstadt – „Die Leute sollen wieder sagen: Wir gehen ins Badehaus“, sagt Investor Roberto Faé. Bei einem Ortstermin stellte er dieser Tage sein Konzept näher vor.

„Hier kommt eine lange Theke hin“, verdeutlicht Faé auf dem Betonboden im Rohbau. Die Idee ist, dass Kunden sich die gefrorene Leckerei dort selbst abholen. Verzehren können sie die Süßspeise außer Haus, aber auch im 60 Quadratmeter messenden Hauptraum, im Anbau mit etwa 40 Quadratmetern oder auf der 225 Quadratmeter großen Terrasse. Im Wintergarten finden sich auch die Toiletten, oben sind Sozialräume fürs Personal.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, worauf der Gastronom und seine Frau Lydia sich eingelassen haben. Der Bau weist Jugendstilelemente auf und stammt von einem bedeutenden Architekten: Georg Metzendorf, Schöpfer der Essener Krupp-Siedlung Margarethenhöhe. 1906 entwarf er das Gebäude, das bis in die 60er Jahre als öffentliches Badehaus diente. Ab 1970 nutzte es die DLRG, seit 1992 stand es leer, seit 1997 auch unter Denkmalschutz.

„Sehr anders als jetzt“ sah es aus, wie Bürgermeister Daniell Bastian sich erinnert. „Es war zunehmend verfallen, voller Gerümpel, ein echter Schandfleck für Anwohner und Besucher.“ Mangels „prickelnder Vorschläge“ aus den Reihen der Stadtverordneten hatte sich die Kommune zum Verkauf entschlossen und eine Firma mit guter Nutzungsidee gesucht.

„Es gab mehrere Interessenten“, berichtet Bastian, „die meisten aus der Gastronomie.“ Als Probleme hätten sich der Denkmalschutz, die geringe Fläche und Bedenken von Nachbarn erwiesen. „Politik und geneigte Öffentlichkeit“, so Bastian, hätten den Prozess „sehr kritisch begleitet“. Die konnte Faé überzeugen, da seine Pläne sich ins altstadtnahe Erscheinungsbild einfügten. So erwarb er das 345-Quadratmeter-Areal zum Bodenrichtwert. Die Zusammenarbeit mit Stadt und Denkmalbehörden lobt er als „immer fair und sachlich“.

Vergangenes Jahr begann Faé, der schon lange ein Eiscafé an der Hainstädter Hauptstraße führt, mit der Entrümpelung, viel in Eigenleistung. „Wir haben zig Container rausgeschafft“, erzählt er. Die Planung übernahm das im Umgang mit Altbauten erfahrene Büro Mathis aus Offenbach. Als operativer Bauleiter bezeichnet sich Rolf Wich aus Hainburg, gelernter Tischler, Ingenieur und guter Freund von Faé. Das Türmchen, das mal der Entlüftung diente und künftig reine Zierfunktion besitzt, hat er selbst gezimmert, sorgte auch für denkmalgerechte Bedachung mit Fledermausgauben und Biberschwanzziegeln.

„Die Bausubstanz ist sehr gut“, hat Wich gleich festgestellt. Er freut sich schon auf den Moment, wenn die Sandsteinornamente wieder zu sehen sind: „Das ist eine sehr qualitätvolle Arbeit.“

Steht der in Modulbauweise errichtete Wintergarten, folgt die Inneneinrichtung. Die kommt freilich aus Italien, der Lieferzeitpunkt ist coronabedingt ungewiss. Nur eins weiß Roberto Faé: Im Juli oder August will, nein, muss er öffnen. Einstweilen ist der Eismacher zuversichtlich, dass dies klappt.

VON MARKUS TERHARN

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