Gerti Spitzbarths Romandebüt

„Liebe kennt kein Geschlecht“: Seligenstädterin veröffentlicht Roman

Für den Liebesroman „Achterbahn der Gefühle“ hat die Neu-Seligenstädter Autorin Gerti Spitzbarth auf ihren Mädchennamen Karoline Kaufmann zurückgegriffen. Foto: terharn

„Haben Sie das alles selbst erlebt?“ Auf diese Frage reagieren Autoren oft empfindlich, Gerti Spitzbarth aus Seligenstadt nicht. Unter ihrem Mädchennamen Karoline Kaufmann hat die 63-Jährige ihr Romandebüt „Achterbahn der Gefühle“ im Selbstverlag veröffentlicht.

Seligenstadt - Gertrude Karoline Spitzbarth, so ihr voller Name, erzählt gern, ob mündlich oder schriftlich, es sprudelt förmlich aus ihr heraus. Sie hat auch etwas zu erzählen, und sie tut das offen, direkt und unverblümt. Ihr Schreibstil ist nah an der gesprochenen Sprache, was einem Leser so gar nicht gefallen hat: „Mein Sohn Benjamin hat die Satzstellung kritisiert“, berichtet sie amüsiert. Der 25-Jährige war es indes, der sie ermunterte, all das aufzuschreiben, was sie umtreibt.

Er gestaltete auch das Umschlagfoto. Zu sehen sind darauf zwei junge Mädchen, die sich innig küssen. Bis es so weit ist, muss Protagonistin Sabrina ein ekliges Bestiarium von Fröschen abschmatzen. Zu Prinzen mutieren sie dadurch nicht.

Sabrinas Suche nach dem Richtigen fürs Leben erinnert an Bestseller wie Ildikó von Kürthys „Mondscheintarif“ und Eva Hellers „Beim nächsten Mann wird alles anders“ oder an die US-Fernsehserie „Ally McBeal“. Das liest sich über weite Strecken unterhaltsam, doch bleiben Sabrina herbe Enttäuschungen so wenig erspart wie Erfahrungen von Gewalt. Spitzbarth macht keinen Hehl daraus, dass es sich um authentische Erlebnisse handelt.

Ein reales Vorbild hat auch jener Dirk, mit dem Sabrina das Ehebett teilt und dessen wahren Charakter sie fast zu spät erkennt. Damit ist nicht zuviel verraten; die Handlung setzt mit der Scheidung ein. Pate gestanden für etliche von Dirks netteren Wesenszügen hat Spitzbarths Gatte Heinz. „In Wirklichkeit sind wir seit 30 Jahren glücklich verheiratet“, betont sie.

Zudem war Gertis Mutter kein liebloses Monster wie die von Sabrina. Ähnlich verläuft dagegen die Entwicklung der jungen Frauen, die sich mühsam vom schüchternen, hässlichen Entlein zum selbstbewussten, stolzen Schwan mausern. Dass dies im Zuge einer lesbischen Liebe geschieht, ist nicht autobiografisch. „Ich war nie mit einer Frau zusammen“, sagt Spitzbarth, „hätte es mir aber gut vorstellen können.“ Ihre Überzeugung ist, „dass Liebe kein Geschlecht kennt“.

Was sie sehr wohl kennt: Sex. Da nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund. „Bei der Beschreibung war mir jedoch wichtig, nicht ins Obszöne abzugleiten.“ Eher ist es ihr um Zärtlichkeit zu tun, ebenso freilich um zügellose Lust. „Und ich wollte mich nicht wiederholen“, erläutert die Verfasserin. Das verhindert sie geschickt durch die Vielfalt ihrer Figuren.

Nur für sich selbst notiert, im Werk weggelassen hat die Debütantin eine andere, traurige Geschichte – die ihrer ersten Ehe und ihres schwerbehinderten Sohns Patrick, der mit dreieinhalb Jahren gestorben ist. „Das hätte den Rahmen gesprengt.“ An eine getrennte Veröffentlichung denkt sie derzeit nicht.

Inspiriert hat sie dagegen ihr neuer Wohnort. Zurzeit arbeitet die gelernte Speditionskauffrau, frühere Metalldachverkäuferin, heutige Rentnerin und Hausfrau an ihrem ersten Krimi. Versprochen ist: „Es geht um Blut und Inzucht, es gibt aber auch Liebe, Humor und jede Menge Lokalkolorit.“

„Achterbahn der Gefühle“ ist in den Geschäften „Der Buchladen“ und „Geschichten*reich“ erhältlich. Andere Buchhandlungen können das Werk bestellen unter der ISBN 978-3-7502-4278-4.

Buchtipp

Karoline Kaufmann: Achterbahn der Gefühle. epubli, 666 Seiten, 19,99 Euro

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