Erst Kinder, dann Schützen

Schießanlagen-Sanierung im Bürgerhaus nimmt kein Ende

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Sie galt als kostenintensivste Sanierungsmaßnahme des Seligenstädter Bauamts im Jahre 2016. Nun hat sie gute Chancen, als Dauerbaustelle in die Annalen der Stadt einzugehen: die unvollendete Schießanlage im Klein-Welzheimer Bürgerhaus.

Seligenstadt - Sie galt als kostenintensivste Sanierungsmaßnahme des Seligenstädter Bauamts im Jahre 2016. Nun hat sie gute Chancen, als Dauerbaustelle in die Annalen der Stadt einzugehen: die unvollendete Schießanlage im Klein-Welzheimer Bürgerhaus. Von Michael Hofmann 

Als städtisches Bauamt und Seligenstädter Sportschützen Ende 2016 das Sanierungsvorhaben Schießanlage im Bürgerhaus des Stadtteils Klein-Welzheim der Öffentlichkeit vorstellten, da herrschte Aufbruchstimmung, da war von Pessimismus keine Spur. Mit Kosten von 400 000 Euro war die Erneuerungsmaßnahme die kostenintensivste Jahresmaßnahme des Bauamts, die Vereine steuerten Eigenleistung bei, und das Ziel, eine Anlage auf dem neuesten technischen Stand zu fertigen, war vor dem geistigen Auge aller schon gut zu erkennen.

Doch das war ein Trugschluss, wie die Rathauverwaltung heute, mehr als ein Jahr später, eingestehen muss. „Seit Monaten ist kein Fortgang zu erkennen, von einer baldigen Fertigstellung ganz zu schweigen“, bringt es ein Kritiker auf den Punkt. „Das müssen wir so einräumen“, sagen Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) und Erste Stadträtin Claudia Bicherl (CDU) unisono.

Beide Dezernenten beklagen heftige Personalprobleme in Tief- und Hochbauamt. Zwei wichtige Mitarbeiter seien seit Sommer 2017 außer Gefecht, andere fehlten aufgrund eines Urlaubstage-Übehangs, außerdem sei es bekanntlich knüppeldick gekommen: „Vier Kita-Bau- und Erweiterungsmaßnahme gleichzeitig stehen an“ zählen Bastian und Bicherl aus dem Bauamts-Stundenplan auf: St.-Josefshaus, Neubau Froschhausen, Burg Wirbelwind und Käthe Münch. Damit nicht genug: Auch der Pulverturm Pfarrbollwerk auf dem Friedhof soll endlich saniert werden. Wie die Türme Stumpfaue und Muhlaul oder die Stadtmauer besteht er überwiegend aus Sandstein - Putz ist abgefallen, und es besteht Unfallgefahr.

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„Ich kann die Schützen verstehen, das alles ist für sie sehr unbefriedigend“, sagt Bastian. „Mein Bauamt ist komplett überlastet“ sagt Bicherl. Mit der Sanierung, so die Stadträtin weiter, werde zwar für die Schützen ein Top-Domizil geschaffen, gleichwohl seien dabei für einige der nötigen Schritte Auflagen und zusätzlicher Papierkram erwachsen: Bauantrag, Brandschutzkonzept, zweiter Notausgang usw. „Wenn wir nichts gemacht hätten, wär’s wurscht gewesen, aber so müssen wir die Voraussetzungen erfüllen und die Genehmigungen einholen.“ Das Projekt werde außerdem teurer als gedacht. Mit satten 100 000 Euro mehr müsse die Stadt rechen. Und: „Das erforderliche Brandschutz-Gutachten ist in Auftrag gegeben, aber noch nicht fertig.“

Klar, so die Stadträtin weiter, seien im Rathaus allerdings auch die Prioritäten: „Erst müssen wir die Belange der Kinder erfüllen, denn die haben einen Rechtsanspruch darauf - die Schützen nicht.“

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Die Amtszeit Bicherls endet bekanntlich Ende Oktober. Sie ist freilich eher skeptisch, ob sie die Inbetriebnahme der neuen Schießanlage im Bürgerhaus Klein-Welzheim bis dahin noch als Erste Stadträtin mitfeiern kann.

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