Selbstversuch

Schwimmbad wieder geöffnet - Andrang gering

Ob Relax- oder Express-Bahn: Gelassen und mit sehr viel Platz um sich herum spulen die wenigen Erstschwimmer am Eröffnungstag ihr Pensum ab.
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Ob Relax- oder Express-Bahn: Gelassen und mit sehr viel Platz um sich herum spulen die wenigen Erstschwimmer am Eröffnungstag ihr Pensum ab.

Das Freibad in Seligenstadt hat wieder geöffnet. Trotz frischer Brise hat sich Autor Markus Terharn im Selbstversuch ins Wasser gewagt.

Seligenstadt – Drinnen ist es wärmer als draußen; obwohl: „26 Grad sind das nicht“, ruft ein Schwimmer. Mit 23 Grad gibt das Personal die Wassertemperatur im Seligenstädter Freibad an, die Luft hat lediglich 19. Eine frische Brise treibt graue und weiße Wolken vor sich her. Keine idealen Bedingungen für den ersten Öffnungstag nach der Corona-Pause – entsprechend gering ist der Andrang.

Meine Eintrittskarte habe ich im Internet gebucht und ausgedruckt. Eine junge Frau, ebenso wie ich erstmals auf der Anlage an der Zellhäuser Straße, hat sich den QR-Code für ihr Handy besorgt. Beides kann der Kassierer problemlos einscannen, ehe er die Regeln erläutert: „Am Eingang, in Umkleiden und Toiletten sowie am Kiosk mit Maske, sonst können Sie sich frei bewegen.“ Ein Lichtbilddokument, auf der Webseite gefordert, will er nicht sehen.

Es ist kurz nach 17 Uhr am Montag, Beginn des dritten und letzten dreistündigen Zeitfensters für heute. Die anderen waren auch nicht besser besucht, erfahre ich von einem Sicherheitsmann. Er und ein Kollege schlendern entspannt, die Hände in den Hosentaschen, übers Gras.

Spiel- wie Ruhewiese sind menschenleer, nur der Wind bläht leere, blaue Abfallbeutel. Ein Dutzend Besucher teilt sich das riesige Gelände. Die Flatterbänder sind gewöhnungsbedürftig: Schließfächer, Sprungturm, Rutsche und Kleinkindzone sind gesperrt, aus Hygienegründen. Doch die Bänke am Rand von Schwimmer- sowie Nichtschwimmerbecken sind so spärlich besetzt, dass ich vom Wasser aus meinen Rucksack im Auge behalten kann.

Also hinein ins kühle Nass! Für mich wie für eine vierköpfige Familie ist es das erste Mal nach langer Zeit. Die Kinder haben nichts verlernt, trauen sich ins tiefe Wasser. Später freilich, zum Entspannen, hüllen sie sich in dicke Trainingskleidung.

Zwei lange Leinen teilen das 50-Meter-Becken in drei Abschnitte – links und rechts je eine breite Relax-Bahn, in der Mitte eine schmalere Express-Bahn für sportlich Ambitionierte. Dort sehe ich die junge Frau vom Eingang, im Einteiler, mit Chlorbrille und Badekappe zackig unterwegs, beim Brustschwimmen ins Wasser ausatmend. Die Kleinfamilie und ich lassen es gemächlicher angehen, achten auf eineinhalb Meter Abstand und den vorgeschriebenen Kreisverkehr sowie darauf, uns nicht gegenseitig anzuprusten. Bei dem Platz ist das kein Problem.

Als es mir zu schattig wird, hole ich mir am Kiosk einen schwarzen Kaffee. Der Verkäufer verlebt einen arbeitsarmen Abend. „Wenn das Wetter besser ist, kommen mehr Leute“, verbreitet er Zuversicht. Dreimal 400 je Tag sind zugelassen, davon ist die städtische Einrichtung weit entfernt. Früher, vor Covid-19, tummelten sich dort an heißen Sommertagen 5000 Erfrischung Suchende.

Inzwischen strahlt die Sonne vom Himmel. „Herrlich“, seufzt eine Dame und nimmt ihr gewohntes Pensum in Angriff. „Normalerweise bringe ich es auf 1000 Meter, aber bei der Premiere schaffe ich das vielleicht nicht.“

Noch etwas treibt sie um: „Dieses Jahr muss ich weniger backen.“ Bei jedem 20. Besuch bringt sie den Mitarbeitern selbst gebackenen Käsekuchen, „mit viel Zitrone“, drei-, viermal im Jahr. „Da muss ich wohl die Besuchsfrequenz erhöhen“, sagt sie und lächelt. Am Ende sind wir – auf Distanz – 16 Bahnen nett plaudernd miteinander geschwommen. Da ist es fünf vor acht, Zeit zu gehen.

Weniger glücklich als wir ist Jürgen Joseph, morgens einer der Ersten an der Kasse. Erst hat er sich über das aufwendige Bestell-Prozedere geärgert, danach über die Zahlungsweise (Kreditkarte oder Paypal, keine EC-Karte), zuletzt funktioniert der Scanner erst im zweiten Anlauf. Mit Online-Tickets für fünf Tage hat sich der frühere Lehrer mithilfe seiner Tochter eingedeckt, ist dann in die Tourist-Info marschiert: „Geben Sie mir, was Sie haben!“ Worauf ihm die Bedienstete mitteilt, dass er nur kriegt, was schon freigeschaltet ist. Das reicht bloß bis Sonntag. VON MARKUS TERHARN

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