Sind denn die Neubürger wichtiger?

Westring: CDU verlangt Nachbesserung bei Wohndichte – FDP lobt den Entwurf

Zankapfel Schachenweg: Bei einem Umbau befürchtet die CDU große Umwege durch das Wohngebiet für die Landwirte.
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Zankapfel Schachenweg: Bei einem Umbau befürchtet die CDU große Umwege durch das Wohngebiet für die Landwirte.

Unter dem Motto „Nach dem einen Beschluss ist vor dem anderen“ karten CDU und FDP beim Seligenstädter Jahrhundert-Bebauungsplan „Südwestlich des Westrings“ (Bebauungsplan 86) auch im Anschluss an die Verabschiedung der Rahmenplanung munter nach.

Seligenstadt – Niemand bezweifle grundsätzlich, dass neuer Wohnraum in Seligenstadt nötig sei. Doch die Koalition aus SPD, FDP und FWS optimiere all ihre Bauvorhaben wohl ausschließlich auf die Zahl möglicher Neubürger hin. Diesen Vorwurf sieht die Seligenstädter CDU vor allem bei der Westring-Planung erfüllt, für die die Stadtverordnetenversammlung kürzlich gegen das Votum von CDU und Grünen die Rahmenplanung beschlossen hat.

Ob denn Neubürger wichtiger seien als Einheimische, fragt der Seligenstädter CDU-Vorsitzende Bastian Ernst. Zudem litten Stadtbild und Landwirte, die obendrein durch den geplanten Umbau des Schachenwegs zu großen Umwegen durchs Wohngebiet gezwungen seien. Auch eine direkte Verkehrsanbindung des Wohngebiets an die Umgehungsstraße fordert die CDU, damit die bisherigen Zufahrtsstraßen nicht überlastet werden. Von Anfang an, so Thomas FJ Lortz, Vorsitzender des Stadtverbands, habe die Union eine Bebauung mit Augenmaß gefordert. Die vorgesehene Dichte, 43 Wohneinheiten pro Hektar, passe nicht ins Stadtbild und liege deutlich über dem unteren Richtwert des Regionalverbands von 35WE/ha.

Die CDU-Fraktion forderte daher per Änderungsantrag eine Nachbesserung auf 37 WE/ha. Dies könne mit einer einfachen Erhöhung der Anteile von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern geschehen. Denn ein Verhältnis von nur 7 Prozent Ein- zu 73 Prozent Mehrfamilienhäusern könne kaum als ausgeglichen bezeichnet werden, findet Fraktionschef Joachim Bergmann.

Allerdings liegt der Richtwert des Regionalverbands am anderen Ende der Skala, bei immerhin 50 WE/ha – ein Faktum, das Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) erst kürzlich zu der Aussage veranlasst hatte, die CDU strebe „ein Wohngebiet der 80er Jahre“ an.

Auch mit Blick aufs Klima spricht die Union von jeder Menge Verbesserungspotenzial. Statt mitten im Wohngebiet Geschosshöhen von drei und mehr zu ermöglichen und somit jegliche Frischluftzufuhr zu blockieren, fordert die CDU, die Geschosszahl zumindest inmitten des Gebiets auf zwei zu begrenzen „und durch gezielte Grünflächen eine Belüftung der Stadt aufrecht zu erhalten“.

Schließlich soll nach dem Willen der CDU „die Geschwindigkeit der Wohngebietsentwicklung überdacht werden“. Die CDU fordert, das Gebiet in mindestens drei Teilstücken zu entwickeln.

Die FDP freut sich dagegen, dass die CDU ihren anfänglichen Widerstand gegen das Wohngebiet „endlich aufgegeben hat und ebenfalls für eine Umsetzung eintritt“, so Fraktionsvorsitzende Susanne Schäfer. Mit dem städtebaulichen Entwurf sei es gelungen, „die Planung für ein modernes, urbanes Wohngebiet“ auf den Weg zu bringen und dabei alle Wohnformen zu berücksichtigen. Jede mögliche Nachfrage lasse sich finden. Zudem sei es gelungen, die Obstgärtengrundstücke mit dem alten Baumbestand in die Planung zu integrieren.

Als weiteres identitätsstiftendes Merkmal soll das Wegkreuz am Schachenweg eingebunden und zum lebendigen Treffpunkt aufgewertet werden. Zu berücksichtigen sei aber, dass der Schachenweg seit den 60er Jahren von Landwirten als Zufahrt zu den ausgesiedelten Höfen genutzt werde, so Philipp Giel, baupolitischer Sprecher der FDP. „Daher gilt es auch dort, die Belange der Landwirtschaft in die künftige Planung des Baugebiets einfließen zu lassen.“

Am Ende müsse eine Lösung her, „die unter Abwägung der Interessen der Bauern an einer möglichst direkten Verbindung zum Schachenweg einerseits sowie dem planerisch-gestalterischen Interesse an einem möglichst verkehrsfreien Quartierstreffpunkt als Aufenthaltsort andererseits erfolgt“, schließt Giel. (mho)

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