Alte Zöpfe abschneiden

Seligenstädter SPD vor Neuanfang mit Vorstandswahl

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Reiner Stoll: Will Generationswechsel.

Ein Blick auf die Internetseite der Seligenstädter SPD zeigt deutlich, dass ihr Ortsverein derzeit ein massives Personalproblem hat.

Seligenstadt – Nach dem Rücktritt von acht Vorstandsmitgliedern im November (wir berichteten) gibt es keinen Vorsitzenden mehr, lediglich die Stadtverordnete Nicole Fuchs ist als Vize aufgeführt, dazu gesellen sich die Kassiererin, vier Beisitzerinnen und Beisitzer, Revisoren sowie einige, die Kraft ihres Amtes dem Vorstand angehören. Neben der Juso-Vorsitzenden Ayla Sattler sind das die Fraktionsvorsitzenden Marius Müller und Nicole Fuchs sowie Altbürgermeister Rolf Wenzel.

„Es geht weiter mit der SPD“, gibt sich Nicole Fuchs zuversichtlich. Nach dem großen Krach hätten die Protagonisten den Kontakt nicht verloren und manches Gespräch geführt, um das Geschehene aufzuarbeiten. Für Donnerstag sei wieder ein Treffen vorgesehen. Anfang März stehe eine Mitgliederversammlung an, dabei soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Fuchs hofft, dass sich einige zurückgetretene Mitglieder erneut zur Wahl stellen. Sie stützt dies darauf, dass Veränderungen in der SPD dazu beitragen. Mit ihr und Marius Müller gebe es eine neue Fraktionsspitze, auch solle der Ortsverein stärker in die Arbeit der Fraktion eingebunden werden. Nach dem Rücktritt sei sie „geschockt“ gewesen, nun sei sie sicher, „dass wir einen Neuanfang gut hinbekommen“.

Reiner Stoll, bis November Vorsitzender des Ortsvereins, hält gar eine Rückkehr aller acht Zurückgetretenen für möglich. Schließlich hätten sie ihre Ämter niedergelegt, um Veränderungen herbeizuführen. „Wir sind nicht weggelaufen“, betont Stoll. „Wir wollten der Fraktion zeigen, dass sie ohne den Ortsverein nichts ist.“ Für sich schließt er aber aus, für Vorsitz oder Geschäftsführung zu kandidieren. Ob eine – und welche – Funktion in Frage komme, müssten weitere Gespräche zeigen. Und personelle Entscheidungen: „Es gibt Leute, mit denen ich nicht mehr in einem Raum sitzen will“, sagt er und fordert, „alte Zöpfe abzuschneiden“.

Nicole Fuchs: Weiter geht es mit der SPD.

Stoll spricht von einem „nötigen Generationswechsel“. Erste Schritte habe es mit der Neubesetzung der Fraktion gegeben. Ob damit die Rollen einiger „Strippenzieher“ eingeschränkt werden, müsse sich weisen. Jedenfalls seien Taten gefragt, Inhalte müssten her, um die SPD für die Kommunalwahl in eineinhalb Jahren gut aufzustellen. Mit ihrem Konzept für die Hans-Memling-Schule habe die SPD einen ersten Schritt getan.

Das sieht auch Nicole Fuchs so, die zwar zunächst an der Ausarbeitung eines Konzepts der Freunde der Hans-Memling-Schule beteiligt war, dafür aber in ihrer Fraktion keine Mehrheit gefunden hatte. Ihr persönlich gefielen die Ideen zwar, doch auch die Sozialdemokraten hätten eine gute Planung vorgelegt, so dass sie sich letztlich den Vorstellungen der Genossen angeschlossen und in der Stadtverordnetenversammlung dafür gestimmt habe.

Einiges sei also im Werden, meint Stoll. Doch gelinge die Erneuerung nicht, „dann war’s das mit der SPD in Seligenstadt“.

VON OLIVER SIGNUS

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