Biograf von Karl dem Großen

Seligenstadt bekommt Titel nach berühmter historischer Figur verliehen

Namensgeber: Einhard/Eginhard, in Stein gemeißelt im Garten des von ihm gegründeten Klosters.
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Namensgeber: Einhard/Eginhard, in Stein gemeißelt im Garten des von ihm gegründeten Klosters.

Es ist amtlich: Seligenstadt darf sich offiziell nach einer berühmten historischen Persönlichkeit nennen. Den Titel verleiht Innenminister Beuth persönlich.

  • Seligenstadt bekommt Titel nach berühmter historischer Persönlichkeit verliehen
  • Ursprung des Titels geht lange zurück
  • Namensgeber war Biograf von Karl dem Großen

Seligenstadt – Es ist amtlich: Seligenstadt darf sich offiziellEinhardstadt nennen. Das geht aus einem Schreiben des hessischen Innenministeriums mit Eingangsstempel 6. Januar hervor. Am Mittwoch, 5. Februar, verleiht Innenminister Peter Beuth (CDU) den Titel persönlich.

Eigentlich hätte die Bevölkerung dies erst an dem Tag erfahren sollen. Das verhinderte eine Anfrage unserer Zeitung, auf die Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) gestern mit einer Pressemitteilung an die Medien reagierte. „Ich freue mich sehr, dass unser Antrag beim Ministerium Gehör fand“, heißt es da. „Dass Einhard für uns als Erbauer der Basilika und des Klosters eine bedeutende Rolle spielt, steht außer Frage. Daher wurde Seligenstadt immer schon als Einhardstadt bezeichnet. Schön, dass es bald offiziell so heißt!“ Zug um Zug würden Ortsschilder, Briefbögen und Publikationen um den Zusatz ergänzt.

Damit hat der formale Vorgang zum erwarteten Ergebnis geführt. Mit Datum vom 13. September 2019 hatte das Rathaus, federführend das Hauptamt, den Zusatz beantragt, den Bürger, Verwaltung und unsere Zeitung seit Jahrzehnten benutzen.

Seligenstadt: Namensgeber war Biograf von Karl dem Großen

Auch sonst wird die Erinnerung an Einhard (oder Eginhard), Biograf Karls des Großen und führender Gelehrter seiner Zeit, in vielen Benennungen lebendig gehalten. So gibt es die Einhardstraße und den Einhard-Rad- und Wanderweg, die Einhardschule, das Einhardhaus und die Einhardbasilika. 2008 war Seligenstadt Ort eines Einhardsymposiums, 2015 beging die Stadt das Einhard-Jubiläumsjahr (1200 Jahre urkundliche Erwähnung).

Einhardstädter (von links): Aloys Lenz, Daniell Bastian, Dorothea Henzler, Thomas Laube.

Gleich zwei Institutionen beschäftigen sich mit dieser historischen Figur. Die Vorsitzenden von Einhard-Stiftung und Einhard-Gesellschaft, der ehemalige Landtagsabgeordnete Aloys Lenz (CDU) und die frühere Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), sowie der Heimatforscher Thomas Laube waren es, die dem Plan Ende 2018 zur Realisierung verhalfen. Bürgermeister Bastian sondierte die Lage bei den Fraktionen und stieß auf einhellige Zustimmung. So beschlossen die Parlamentarier, dass die Stadt einen Antrag stellen sollte.

Grundlage eines solchen Titels ist Paragraf 13 der Hessischen Gemeindeordnung. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, jedoch auch keine festen Voraussetzungen. In jedem Fall sollte der historische Bezug vorhanden sein, nach Möglichkeit ein Alleinstellungsmerkmal.

Seligenstadt: Ursprünge des Titels gehen lange zurück

In Seligenstadt war das gegeben. Dagegen hatte Hanau ein Problem, als es den Namen Brüder-Grimm-Stadt beantragte, den auch Kassel oder Steinau beanspruchen könnten. Im Gespräch vermochte Landtagsabgeordneter Lenz seinen Parteifreund, den damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, von der Berechtigung des Hanauer Anliegens zu überzeugen.

Den Ursprung des Beinamens vermutet Laube in den 1930er Jahren, als E(g)inhard verstärkt in den Fokus der Forschung geriet. Wann genau die Bezeichnung Einhardstadt erstmals benutzt wurde, ist nicht bekannt.

„Mit Freude“ hat das Präsidium der Einhard-Stiftung, die auch den Einhardpreis für Biografien verleiht, die Entscheidung aus Wiesbaden aufgenommen. Damit werde „mittelbar auch auf die Stadt als herausgehobener Kulturstandort verwiesen“.

Von Markus Terharn

Mehr zu den Hintergründen des Titels Einhardstadt von Seligenstadt erfahren Sie im Kommentar von Markus Terharn.

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