Bewerberliste

Nach 20 Jahren: Seligenstadt will 800 Quadratmeter Brachland endlich verkaufen

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Etwas unvorteilhafte Lage im Mischgebiet in Seligenstadt: Die einen können nicht kaufen, die anderen wollen nicht.

Seit 20 Jahren versucht die Stadt Seligenstadt einen Käufer für ein Grundstück zu finden. Doch das ist nicht so einfach.

  • 800 Quadratmeter Brachland in Froschhausen 
  • Stadt Seligenstadt versucht seit 20 Jahren, einen Käufer zu finden
  • Schwierige Lage und ungünstiger Bebauungsplan

Seligenstadt –  Auf dem Haus- und Wohnungsbaumarkt wird mit harten Bandagen gekämpft, vor allem in Seligenstadt. Der Streit um ein fast 800 Quadratmeter großes Areal am Jügesheimer Weg 33 in Froschhausen ist ein gutes Beispiel dafür.

20 Jahre lang hat die Stadt Seligenstadt (Landkreis Offenbach) nach Angaben von Bürgermeister Daniell Bastian versucht das Areal an Interessenten auf der städtischen Bauplatzbewerberliste und andere mögliche Investoren zu veräußern – vergeblich. Zum einen sei die Mischgebietslage zwischen zwei Gewerbebetrieben nicht gerade ideal, auch sei die Ausnutzung durch den Bebauungsplan deutlich eingeschränkt: Das Baufenster betrage bei Einzelbebauung nur 256 Quadratmeter, und für ein Wohnbaugrundstück sei die Fläche von 777 Quadratmeter zu groß. „Wer Interesse zeigte, der hatte nicht ausreichend Mittel, und die, die es sich leisten konnten, wollten eine bessere Lage.“

Seligenstadt: Stadt will Areal seit 20 Jahren veräußern

Vor zwei Jahren, so der Rathauschef weiter, habe sich ein Kompromiss abgezeichnet. Ein Investor, dem bereits das Nachbargrundstück gehört, habe sich mit dem Ziel Geschosswohnungsbau für das Gelände interessiert. Nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Oktober 2016 sollte das Areal zum Preis von 300 Euro/Quadratmeter (233 100 Euro) an die Grundstücksgesellschaft zum Mietwohnungsbau veräußert werden. Die Stadt sollte ein 50-prozentiges Belegrecht (16 Wohnungen) bekommen, der Mietzins weniger als 9 Euro/Quadratmeter betragen. 

Die letzte Bedingung, so die Gesellschaft schließlich nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, sei einfach nicht zu erfüllen. Im Anschluss daran war es nach Ansicht der Stadt eine gute Lösung, das Areal dennoch an die Gesellschaft, allerdings nunmehr für 370 Euro/Quadratmeter, zur freien Vermarktung (Mehrfamilienhaus) zu verkaufen. Vorher müsste jener 2016er Beschluss aufgehoben werden. Der CDU, die sich schon mehrfach gegen Grundstücksverkäufe an Bauträger/Wohnungsbaugesellschaften ausgesprochen hat, missfiel die Geschichte, vor allem weil sie die Auffassung vertrat, Hartz IV-Bezieher seien schwerlich in der Lage 9 Euro/Quadratmeter Mietpreis zu entrichten. 

Seligenstadt: Union fordert Käufer von der städtischen Bewerberliste

In einem aktuellen Antrag an die Stadtverordnetenversammlung fordert die Union, dass städtische Grundstücke grundsätzlich nur an Interessenten der städtischen Bewerberliste veräußert werden dürfen; Bauträger, Wohnungsbaugesellschaften und Grundstücksgemeinschaften sollen nur dann zum Zuge kommen, wenn sie Mietwohnungen im sozialen Wohnungsbau errichten und die Stadt ein Belegungsrecht erhält. 

Obwohl über den Antrag noch nicht abgestimmt wurde, hat die Stadt im konkreten Fall Jügesheimer Weg gut 100 Interessenten auf der Bewerberliste erneut angeschrieben. Da einige Interesse zeigten, sollen nun konkrete Gespräche geführt werden. Auch die CDU brachte zwischenzeitlich drei angebliche Bewerber ins Spiel. Namen seien aber nicht genannt worden, sagt Bastian.

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