Aufforstung tut Not

Malträtierter Stadtwald: Nachahmenswerte Spendenaktion

Ein Herz für den Seligenstädter Erholungswald (von links): Martin Löwer, Revierförster Johannes Herrmann und Bürgermeister Daniell Bastian.
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Ein Herz für den Seligenstädter Erholungswald (von links): Martin Löwer, Revierförster Johannes Herrmann und Bürgermeister Daniell Bastian.

Im Seligenstädter Stadtwald kam es zuletzt knüppeldick: Als sei es nicht genug, dass die große Trockenheit der vergangenen Sommer und der Borkenkäfer dem Erholungsgebiet schwer zusetzte, richtete der heftige Hagelsturm mit starken Fallwinden im August 2019 eine Schneise der Verwüstung an.

Seligenstadt – Nach Angaben von Bürgermeister Daniell Bastian wurden dabei mehrere tausend Festmeter Holz beschädigt, „das Zwei- bis Dreifache des jährlichen Einschlags“. Zusätzlich entwertete der Sturm viele Stämme, indem er sie brach, aufriss oder sonstwie beschädigte. Besonders schwer hat es das nördliche Reviergebiet erwischt.

Nachrichten wie diese hatten die Gärtnerei Löwer dazu veranlasst, ihren letztjährigen Weihnachtsbaumverkauf zu einer Spendenaktion für den Stadtwald werden zu lassen. Für jeden verkauften Weihnachtsbaum spendeten Martin und Silke Löwer einen Eichensetzling für den Wald. „Bei einem Waldspaziergang werden die Schäden in unserem heimischen Wald deutlich vor Augen geführt“, erläuterten die naturverbundenen Geschäftsleute ihre Motivation. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian war so angetan von der Aktion, dass er sich angeschlossen und die Baumspende verdoppelt hat. „Eine gemeinsame Investition in die Zukunft unseres heimischen Waldes“. Somit kamen insgesamt 4 000 Euro zusammen, mit denen Revierförster Johannes Herrmann 3 700 Eichensetzlinge kaufen konnte: Im Ganzen bepflanzte er im Frühjahr eine Fläche von einem Hektar. Dafür wurden insgesamt rund 8 000 Pflanzen benötigt.

„Das ist eine gute Größe für Pflanzungen mit Schutzzaun, da dieser regelmäßig kontrolliert werden und intakt gehalten werden muss. Der Zaun ist nötig, um Wildverbiss zu verhindern“, erläutert der Forstexperte. Mit Setzlingen aufgeforstet wurde auf der Gemarkung Froschhausen, westlich der Bundesautobahn A3. Alle Freiflächen im Revier gleichzeitig zu bepflanzen ist finanziell und vom Arbeitsaufwand her nicht möglich. Daher werden die Flächen nach Prioritäten zeitlich versetzt bepflanzt oder, wo möglich, durch Naturverjüngung wieder bewaldet.

Vorher standen auf der Fläche nur 50 Jahre alte Fichten. Doch ist der Baum dort durch Sturm, Trockenstress und Borkenkäfer komplett abgestorben. Das flache Wurzelsystem war nicht standortgerecht, sagt Herrmann. Der Boden ist dort „wechselfeucht“, das heißt, durch stauende Schichten zeitweise sehr nass, andererseits aber häufig auch trocken. „Auf solchen Böden ist die Eiche besser geeignet. Sie bildet ein sehr viel tieferes Wurzelsystem aus, kann stauende Schichten im Boden durchdringen und ist daher weniger anfällig für die wechselnde Wasserverfügbarkeit. Zudem ist sie durch das kräftige Wurzelwerk stabiler bei Stürmen und wird vermutlich auch mit dem wärmer werdenden Klima besser zurechtkommen“, so Revierförster Herrmann.

Bis die Eichen erntereif sind, dauert es zwischen 160 und 240 Jahren. Als Mischbaumart wird Buche zwischen die Eichen gepflanzt.

Privatleute oder -gruppen, denen der Seligenstädter Erholungswald am Herzen liegt, können ebenfalls Setzlinge spenden. „Ich biete gerne an, das über die Stadt zu organisieren“, so Bürgermeister Bastian.

mho

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