Stark baufällige Grundstruktur

Friedrich Weißbarth saniert alte Schmiede aus dem Jahr 1548: „Goldfund“

Aufwendige Entkernung des Baukörpers: Schlackenreste lassen auf den Betrieb einer Schmiede schließen.
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Aufwendige Entkernung des Baukörpers: Schlackenreste lassen auf den Betrieb einer Schmiede schließen.

Das sorgsam sanierte Haus an der Hospitalstraße 7 in Seligenstadt, das kürzlich als Schmuckbild in dieser Zeitung erschien, ist wesentlich älter als in unserer Unterzeile beschrieben. Das Gebäude, so ergaben Recherchen und ein Hinweis des Eigentümers Friedrich Weißbarth, stammt nicht etwa, wie allgemein vermutet, aus der Zeit um 1780, sondern aus dem Jahr 1548.

Seligenstadt – Das hat eine dendrochronologische Datierung (Holzaltersbestimmung) des Landesamts für Denkmalpflege (Wiesbaden) ergeben. „Nach mehrwöchiger Begutachtung und einer aufwendigen Dokumentation von März bis in den Spätherbst 2019 wurde mein Haus schließlich kartiert und unter Denkmalsschutz genommen“, erzählt Weißbarth, der nach eigenen Worten in die Sanierung der Immobilie wohl am Ende einen sechs- bis siebenstelligen Betrag investiert haben dürfte.

Erworben hat es der Handwerksmeister (56) und Inhaber eines mittelständischen Betriebs für Heizungs-/Sanitärtechnik mit Sitz in Mainhausen im Jahr 2018 über einen Makler. „Seinerzeit waren alle Außen- und Innenwände verputzt, vom darunter liegenden Fachwerk war nichts zu sehen. Aber ich war von Anfang schon allein wegen seines Standortes am Main mit Blick in Richtung Spessart fasziniert“.

Erst mit der aufwendigen Entkernung des Baukörpers offenbarte sich die baufällige Grundstruktur. Ursprünglich, so sagt Weißbarth, muss im Haus ein Schmied sein Handwerk ausgeübt haben. Darauf lassen Schlackenreste schließen, die im Fundament gefunden wurden. Das Holzkonstrukt des Hauses war indes über die Jahrhunderte hinweg unter dem späteren Putz aus den 1960er Jahren fast völlig zerstört und marode. Nicht nur das Landesdenkmalamt, auch Gesine Weber von der Denkmalbehörde des Kreise Offenbach erkundigte sich vor Ort über den Fortgang der Sanierungsarbeiten. „In helle Aufregung gerieten meine Handwerker, als sie bei Gründungsarbeiten in der Kellersohle eine vermeintliche Goldader freilegten. Frau Weber gab aber gleich Entwarnung. Eine Prüfung ergab, dass es sich um sogenanntes Katzengold handelte. In der Eiszeit verlief hier ein Seitenarm des Mains, der die Scheingoldader anschwemmte“, so Weißbarth weiter, der zeitweise mit bis zu zehn Leuten das Innenleben des Hauses auf zwei Etagen mit einer modernen Haustechnik ausstattete, die eine gelungene Verbindung mit dem Fachwerk eingeht. „Die Weißbarths stammen seit 1576 aus dem Elsass. Das ist in unserem Familienwappen dokumentiert. Es zeigt einen Mann im schwarzen Schild mit gekröntem Helm und silbernen Adler. Das Wappen wurde unserer Familie von Rudolf II. verliehen“, so Friedrich Weißbarth nicht ohne Stolz mit Verweis auf den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1576 bis 1612) .

Auf der Rückseite des Wappens hat Michael Weißbarth (ein Vorfahre) eine Widmung verfasst: „Dieses Wappen wurde angefertigt in Deutschlands größter Not am 17. November 1923, fünf Jahre nach dem großen Weltkrieg. Es war nicht zu vermeiden, dass ich auf meinem Heimweg nach Frankfurt von einem französischen Posten, welcher mich nachts um ½ 7 Uhr auf einem Feldweg anhielt und mich mit auf die Wache brachte, visitiert wurde. Das Wappen wurde nach einem Manuskript meines Bruders Johann entnommen. Das Original, sowie die Familienchronik vermute ich im Archiv in Straßburg.“ (Armin Wronski)

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