Seligenstadt

(K)eine echte Naturidylle

Im Stadtwald steht seit 15 Jahren eine Strippanlage, die helfen soll, den oberen Grundwasserstock zu sanieren.
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Im Stadtwald steht seit 15 Jahren eine Strippanlage, die helfen soll, den oberen Grundwasserstock zu sanieren.

Ein Biotop im Wald von Seligenstadt erweist sich nur auf den ersten Blick als Naturidyll. Eine Grundwasserförderanlage speist das Biotop. Ende der Sanierung der Anlage ist ungewiss.

Seligenstadt - Es plätschert wie ein Bach, hört sich an wie ein Wasserfall. Einer Quelle gleich ergießt sich mitten im Seligenstädter Stadtwald Wasser aus einem Tonrohr in einen Sickergraben, fließt entlang einer Schneise weiter. Gut 200 Meter entfernt hat sich ein Teich gebildet, an den sich ein Feuchtgebiet mit Schilf anschließt. Im Sommer schwirren seltene Libellen über die Oberfläche, Fledermäuse jagen in der Abenddämmerung Mücken. Das Feuchtbiotop inmitten eines Kiefern- und Buchenbestands – viele Bäume stürzten am 18. August 2019 durch einen Sturm um – ist ein Naturidyll. Doch der Schein trügt.

Eine Grundwasserförderanlage, die das Biotop speist, liegt versteckt zwischen Buchen, die wohl so alt sind wie die im Forst stehende Strippanlage selbst. 15 Jahre liegt es zurück, dass im Seligenstädter Forst die Anlage zur Sanierung des oberen Grundwasserstockwerks gebaut wurde. Betreiber ist – so ist auf einem Hinweisschild zu lesen – die Firma MEWA Textil-Mietservice in Rodgau. Die Grundwassersanierung begann demzufolge im September 2004, die umwelttechnische Sanierung zur Verbesserung des Grundwassers im Stadtwald läuft bis 2024. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht aus RP-Sicht nicht.

Grundwasser fließt aus einem Tonrohr in einen Sickergraben. 

Doch was geschah im vierten Jahr dieses Jahrtausends? Vom Wasserzweckverband, der wie der Kreis die Einhaltung der Grenzwerte sicherstellen soll, ist lediglich dies zu erfahren: „Wir sind nur Beteiligter des Verfahrens, wir helfen und unterstützen.“ Herr des Verfahrens sei das Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt. Die Behörde äußert sich so: „Ausgehend von einem Betriebsgelände an der Otto-Hahn-Straße in Weiskirchen verläuft eine Grundwasserverunreinigung durch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) in Richtung Seligenstadt.“ Das Ende der Verunreinigung, die laut RP seit 1996 saniert wird, liegt im Seligenstädter Wald. Der Schadstoffgehalt sei teils deutlich zurückgegangen. Im Stadtwald werden seit 2005 zwei Sanierungsbrunnen betrieben, um das Grundwasser zu reinigen und leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe daraus zu entfernen. Die Belastung am Fahnenende liegen bei bis zu 50 Mikrogramm pro Liter in den beiden Brunnen.

Das in den Brunnen geförderte Wasser wird laut RP über eine sogenannte Strippanlage gereinigt. Das gereinigte Grundwasser versickert über Gräben wieder im Boden. Über ein Ende der Sanierungsarbeiten in diesem Verfahren könne keine Aussage gemacht werden, so die RP-Pressestelle.

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