„An uns scheitert nichts“

Es geht weiter in Seligenstadt: Gutachterliche Prüfung vor Niederfeld-Anbindung

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Zeppelinstraße im Niederfeld-Gebiet: Hessen-Mobil-Variante 1 sieht einen geradlinigen Anschluss vom Wendehammer aus vor.

Beim „Lebenswerk“ Umgehungsstraße bleibt die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung unbeirrt und lässt sich nicht auseinanderdividieren. Zuvor hatten sich die Vereinigten Bürgerinitiativen gegen die Niederfeld-Anbindung ausgesprochen.

  • Umgehungstraße in Seligenstadt vor Änderungsantrag
  • Anschluss Niederfeld umstritten
  • noch keine konkreten Verkehrsgutachten  

Seligenstadt –  Weder durch überraschende Minister-Kritik und Planmodifizierungen aus Wiesbaden, noch durch damit verbundene Problemstellungen, die jüngst die Bevölkerung im Wohngebiet Niederfeld verunsicherten. Statt einer von Hessen Mobil gewünschten und vom Magistrat aufgenommenen neuen Festlegung des dritten Umgehungsabschnitts im Norden der Stadt - die Varianten Zeppelinstraße und Wilhelm-Leuschner-Straße sind genannt - verständigte sich das Plenum in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig und mit nicht allzuoft spürbarer Kollegialität auf einen vom Magistrat eilends vorgelegten salomonischen Änderungsantrag. 

Seligenstadt: Stadverordnetenversammlung stimmt für Änderungsantrag

Demnach soll statt der vorschnellen Festlegung auf eine der beiden Möglichkeiten bei der dazu erforderlichen Änderung/Ergänzung des betreffenden Bebauungsplans 54, Nordring II, nun folgende neue Marschroute gelten:.

  • Zum Finden der optimalen Variante für den Anschluss des Gewerbegebiets „Nordring II“ an die Umgehung sollen die beiden von Hessen Mobil vorgeschlagenen Varianten gutachterlich untersucht werde. Zu ermitteln sind vor allem die Prognosen und Auswirkungen der Verkehrsströme und der zu erwartenden zusätzlichen Verkehrsbelastungen sowie Lärmemissionen für das Wohngebiet Niederfeld. Darüber hinaus sollen weitere mögliche Varianten, die die Belastungen für das Wohngebiet minimieren könnten, geprüft und in die Untersuchung einbezogen werden.
  • Der Bebauungsplan samt Landschaftsplan Nummer 54 soll gemäß der noch abzustimmenden Variante an den Geltungsbereich des Planfeststellungsverfahrens angepasst werden.

Zuvor hatte CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann ausführlich über den Auslöser der neuerlichen Diskussionen gesprochen, die Info-Veranstaltung der CDU vor wenigen Tagen im Domizil der Fischerzunft im Niederfeld. Seine Partei habe sich an den Streit im Zuge der K185-Sanierung in Klein-Welzheim erinnert, als massiv der Vorwurf aufgekommen sei, die Bevölkerung sei nicht ausreichend informiert worden. Da nun nicht mehr, wie all die Jahre zuvor, die Umgehungsanbindung über die Friedrich-Ebert-Straße gelte, sondern zwei neue Varianten ins Spiel gekommen seien, habe die Union Handlungsbedarf gesehen. 

Seligenstadt: SPD Fraktionschef spricht von gutem Mittelweg

Statt der ursprünglichen CDU-Idee, die Varianten-Passagen im Antrag vorerst einfach wegzulassen, stimme die Union der neuen Beschlussvorlage des Magistrats ausdrücklich zu. „Es ist notwendiger denn je, dass wir über die Parteigrenzen hinweg weiter an diesem Thema arbeiten“, so Bergmann weiter, der positiv hervorhob, dass bei jener Info-Veranstaltung auch Vertreter von SPD und FWS dabeigewesen seien.

Während SPD-Fraktionschef Marius Müller von einem guten Mittelweg sprach und auch Grünen-Sprecherin Natascha Maldener-Kowolik Zustimmung signalisierte, appellierte FDP-Fraktionsvorsitzende Susanne Schäfer über ihr Plazet hinaus an die Bürgerschaft, auch die Ausschuss-Sitzungen zu besuchen, denn oft seien dort Fachleute zu Gast, die entsprechend komplexe Sachverhalte kundig erläuterten.

Seligenstadt: Konkrete Verkehrsgutachten liegen noch nicht vor

Auf die Kernaussagen „Geschlossenheit im Parlament und keine weiteren Verzögerungen“ brachte FWS-Chef Jürgen Kraft sein Statement. Das könne die Stadt für sich in Anspruch nehmen, nicht aber das Land, das weit hinter seinen Ankündigungen zurückbleibe. Unter Schwarz-Gelb habe die Stadt damals eine Vorfinanzierungsverpflichtung unterzeichnet, aber der Zeitplan sei längst obsolet. „Da wäre das Land heute schon dran, das Geld zurückzuzahlen.“

Zufrieden mit dem Sitzungsverlauf schien Bürgermeister Daniell Bastian (FDP), der bilanzierte, auch mit der neuen Lösung habe die Stadt den wichtigen Einstieg ins Bebauungsplan-Verfahren gefunden. Dies günstigerweise zu einem frühen Zeitpunkt, weil konkrete Verkehrsgutachten noch nicht vorlägen. Der Kompromiss bedeute: „Es geht weiter in Seligenstadt. An uns scheitert nichts, aber wir prüfen trotzdem sorgfältig und kommen voran. Was aber auch zur Wahrheit gehört: Es wird keine Variante geben, mit der alle Bürger glücklich sind.“

Die Vereinigten Bürgerinitiativen Seligenstadt (VBS) sprechen sich klar gegen die von Hessen Mobil bevorzugte und vom Seligenstädter Magistrat vorgeschlagene direkte Anbindung des dritten Bauabschnitts der Umgehungsstraße ans Niederfeld aus.

Nach mutmaßlich jahrelangem Planungsstillstand bei den Straßenbaubehörden soll Seligenstadt jetzt bis ins Jahr 2027, vielleicht gar bis 2030 auf den dritten Abschnitt und die Komplettierung der Umgehungsstraße warten.

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