Verschiedene Varianten

Umgehungsstraße in Seligenstadt: Keine ausreichenden Sichtverhältnisse

Ende der Wilhelm-Leuschner-Straße mit Blick auf die Staudinger-Türme am Horizont: Variante 2 sieht eine Anschlussstelle in einer gradlinigen Verlängerung dieser Straße vor.
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Ende der Wilhelm-Leuschner-Straße mit Blick auf die Staudinger-Türme am Horizont: Variante 2 sieht eine Anschlussstelle in einer gradlinigen Verlängerung dieser Straße vor.

Die Augen vieler Seligenstädter richten sich auf die Planfeststellung des dritten Abschnitts der Umgehungsstraße. Vor dem entscheidenden Schritt ist, wie berichtet, eine Korrektur erforderlich.

Seligenstadt - Konkret geht es um eine Forderung von Hessen Mobil, nach der für den Anschlusspunkt Nordring/Niederfeld an die Umgehung der Bebauungsplan „Nordring II“ aus Gründen der Verkehrssicherheit geändert werden muss. Parallel muss auch der Regionalplan Südhessen/RegFNP angepasst werden.

Nach langjähriger Vorplanung des dritten Abschnitts der L 3065 teilte Hessen Mobil der Stadt Ende Februar 2019 mit, dass die abgestimmte, im Bebauungsplan „Nordring II“ vorbereitete Anbindung des Gewerbegebiets an die Umgehung durch Verlängerung der Friedrich-Ebert-Straße nicht möglich sei. Um eine sichere Überquerung der Bahntrasse sowie einen sicheren Trassenverlauf der Umgehung zu gewährleisten, dürfe dort kein Knotenpunkt entstehen. „Für den aus der Friedrich-Ebert-Straße ausfahrenden Verkehr wären aufgrund des Damms der Straßenüberquerung über die Bahnstrecke und die dort erforderlichen Schutzeinrichtungen keine ausreichenden Sichtverhältnisse von 110 Metern bei einer Knotengeschwindigkeit von 70 km/h vorhanden“, so die Wiesbadener Verkehrsexperten. Daher müsse der Anschluss weiter nach Osten verlegt werden. Dazu stellte Hessen Mobil Mitte November 2019 zwei Varianten zur Anbindung des Gewerbegebiets „Nordring II“ an die Umgehung vor.

Variante 1 sieht einen geradlinigen Anschluss vom Wendehammer der Zeppelinstraße vor, was sich aber als nicht optimal herausstellte.

Variante 2 ist ein Anschluss in gradliniger Verlängerung der Wilhelm-Leuschner-Straße mit sechs Meter breiter Verkehrsfläche. Dabei soll das Gewerbegebiet durch Verlängerung der Zeppelinstraße erschlossen werden.

Diese Variante 2, so Hessen Mobil, werde „fachbereichsübergreifend vorbehaltlich einer Anpassung der neuen Straßenquerschnitte an die bereits im Bebauungsplan dargestellten und im Gewerbegebiet vorhandenen Straßenquerschnitte favorisiert“. Da die Anbindung in Variante 2 noch 100 Meter weiter östlich liegt als bei Variante 1 und mehr Abstand zur Brücke hält, sei sie vorteilhafter. Dies aus drei Gründen:

  • Bei der Ausführung kann nicht nur das Verkehrsaufkommen aus dem Gewerbegebiet direkt abgeleitet werden – auch der direkte Anschluss des Wohngebiets Niederfeld mit 5 000 Einwohnern an die L 3065 wird ermöglicht.
  • Von der Änderung sind private, bereits umgelegte Baugrundstücke geringfügig betroffen, und die Straßenführung würde überwiegend über städtische Flächen geführt werden, was die Planungsprozesse erheblich erleichtert.
  • Durch eine Neuordnung besteht die Möglichkeit, zusätzliche Baugrundstücke zu erhalten, durch deren Veräußerung die Planungskosten refinanziert werden können.

Bedeutet in der Umsetzung: Der Verlauf des dritten Bauabschnitts greift bereits nach der Überquerung der Bahntrasse mit dem Bauwerk und der weiteren Trassenführung in den Geltungsbereich des Bebauungsplans „Nordring II“ ein. Dort werden zwei Grundstücke beansprucht, von denen eins teilweise im rechtskräftigen Bebauungsplan als „Fläche für Maßnahmen zum Schutz zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft – Feldgehölz 1 und 2“ festgesetzt ist. Das bedeutet, dass Pflanzungen als Ausgleichsmaßnahmen erforderlich sind.

Ferner dürfen keine Flächen doppelt überplant werden, und bauleitplanerische Geltungsbereiche dürfen sich auch nicht überschneiden. Da Hessen Mobil für das Planfeststellungsverfahren zuständig ist, ist es Aufgabe der Stadt Seligenstadt, die betroffenen Abschnitte durch Änderung des Bebauungsplans aus dem Geltungsbereich des Bebauungsplans herauszunehmen und die Geltungsgebiete anzugleichen.

Bedingt durch die Eingriffe und den Verlust der Ausgleichsflächen ist die Stadt verpflichtet, den Eingriff an einer anderen Stelle oder durch das Ökopunkteguthaben auszugleichen. Da nicht ausreichend  Ökopunkte zur Verfügung stehen, ist der Ausgleich im Ergänzungsgebiet östlich der neuen Erschließungsstraße vorgesehen. Diese Fläche ist im Regionalplan Südhessen/Regionalen Flächennutzungsplan 2010 als Fläche mit ökologisch bedeutsamer Nutzung dargestellt.

VON MICHAEL HOFMANN

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