Autoverdrängung

Verkehrsberuhigung in Seligenstadts Altstadt: Politik wählt die sanfte Tour

Freihofplatz: Noch weit entfernt von einer verkehrsberuhigten Zone
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Freihofplatz: Noch weit entfernt von einer verkehrsberuhigten Zone

Weniger Autos in der Altstadt: Immer wieder kommt diese Idee in Seligenstadt auf den Tisch. Die Grünen wagten nun erneut einen Vorstoß.

Seligenstadt – Die Vision einer verkehrsberuhigten oder gar autofreien Altstadt befällt Seligenstädter Kommunalpolitiker seit vielen Jahren, mal mehr, mal weniger heftig. Herausgekommen ist bislang so gut wie nichts, sieht man vom teilgesperrten Marktplatz und diversen Tempo-30-Zonen ab. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten Anfang der Woche wollten die Grünen mit einem Wochenend-Totalverbot im gesamten historischen Kern Nägel mit Köpfen machen – und scheiterten.

Die überwiegende Mehrheit plädierte statt dessen für ein deutlich behutsameres, abgestimmtes Vorgehen. Dem konnte/wollte sich die Öko-Partei nicht verschließen und stimmte mit. Unter dem Motto „Verkehrsberuhigung Freihofplatz und Fähranlegebereich“ soll der Magistrat laut Antrag der Dreier-Koalition aus SPD, FDP und FWS weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen während der Wochenenden und an Feiertagen rund um Freihofplatz und Fähranleger prüfen. Das impliziert eine Nutzungsbeschränkung der Fähre für motorisierte Untersätze.

Der Meinungsbildungsprozess soll, wie die CDU in einem Ergänzungsantrag vorschlug, unter Einbeziehung von Gewerbe- und Altstadtverein vonstatten gehen. Ziel ist „sowohl für Anwohner als auch für den Tourismus eine erhebliche Steigerung in Sachen Sicherheit und Komfort“, so der Koalitionstext. Im Wesentlichen richten sich diese Aktivitäten gegen den stetigen Parkplatz-Suchverkehr; schließlich stehe ein hervorragendes Parkangebot (Friedhof, Parkdeck Jahnstraße, Ex-Stadtwerkegelände) zur Verfügung, der Weg in die Altstadt sei zumutbar. Gewerbetreibende und Bewohner sollen dagegen nicht eingeschränkt werden.

Hagen Oftring (FWS) betonte, Ziel sei die Ausweitung der Verkehrsberuhigung vom Marktplatz auf Freihof und Fähre, um das Gefahrenpotenzial zu verringern. Die Maßnahme richte sich nicht gegen Anwohner, sondern gegen Autofahrer, die auf Parkplatzsuche seien.

SPD-Politikerin Ayla Sattler räumte ein, dass alle Fraktionen grundsätzlich dasselbe Ziel verfolgten. Während das Koalitionspapier mit Augenmaß erstellt worden sei, schieße die Grünen-Initiative aber übers Ziel hinaus. Deren Vorschlag, eine Testphase auch noch zu variieren, führe „zu Verwirrung, im schlechtesten Fall zu Chaos“.

Die Öko-Partei hatte vorgeschlagen, in einer mehrwöchigen Testphase die gesamte Altstadt samt Fähre von Freitag, 18 Uhr, bis Sonntag, 20 Uhr, sowie an Feier- und Brückentagen für Pkw und Motorräder zu sperren – ausgenommen Altstadtbewohner, Schwerbehinderte und Lieferanten. Auf Grundlage der Testergebnisse, so die Idee, solle die Verwaltung „ab April 2021 Maßnahmen zur Verkehrsentlastung dauerhaft in den Schönwettermonaten einführen.“ Dann sei die allgemeine Sicherheit bei hohem Verkehrsaufkommen um die Fähre sowie Parkplatzsuche besonders gefährdet. Grünen-Politikerin Petra Werk erinnerte in diesem Zusammenhang an Zeitungsartikel aus den 90er Jahren, in denen eine Altstadtsperrung thematisiert worden sei: „Aber passiert ist nichts.“

Bürgermeister Daniell Bastian sprach von einem „emotionalen Thema“, deshalb sei es wichtig, alle Beteiligten in die Diskussion einzubeziehen. Gleichwohl habe sich im Lauf der Jahre viel verändert. So habe sich der Gewerbeverein früher vehement gegen Verkehrsberuhigung ausgesprochen, sei heute jedoch „ganz anders aufgestellt“.

Mit Blick auf die Grünen-Initiative sagte Bastian, im Zuge der Corona-Pandemie gehe es in Einzelhandel und Gastronomie sowie auf anderen Sektoren vielen Betrieben nicht sehr gut, „manche kämpfen ums wirtschaftliche Überleben“. Aus dem Grund dürfe die Stadt ihre Beruhigungspläne nicht übers Knie brechen. Für ihn, so der Rathauschef weiter, sei ein erster Schritt in dieser Weise akzeptabel: Verkehrsberuhigung ab samstags, 16 Uhr, mit dem Schließen des Einzelhandels, sowie sonn- und feiertags. (Von Michael Hofmann)

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