CDU und Ökos verlieren fast 15 Prozent

Aus für Schwarz-Grün

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Seligenstadt - Einem umfangreichen, hartnäckigen Briefwahlbezirk mit einer Vielzahl kumulierter und panaschierter Stimmzetteln ist es geschuldet, dass das Seligenstädter Wahlamt die Ergebnisse des sonntäglichen Urnengangs erst gestern gegen 14 Uhr bekanntgeben konnte.

Gleichwohl bestätigte sich der Trend: erhebliche Verluste für CDU und Grüne, erhebliche Gewinne für die FDP. Schiffbruch erlitt bei der Kommunalwahl am Sonntag die so genannte Kooperation von CDU und Grünen. Während die Union im Vergleich zum Wahljahr 2011 (43,4 Prozent) auf 34,8 Prozent abspeckte, landeten die Grünen ohne Fukushima-Effekt (16,6) nun bei 10,5 Prozent. Damit ist die Mehrheit dahin. Die Freien Wähler (FWS), die sich am Sonntagabend noch über einen beachtlichen 17,2-Prozent-Trend freuen durften, müssen sich mit 12,5 begnügen. Nahezu unverändert dagegen die SPD, für die nach 21,5 Prozent (2011) nunmehr 21,6 Prozent zu Buche stehen.

Wenn es einen Sieger gibt, dann sind das die Liberalen, die sich von 9,0 Prozent (2011) auf 20,7 steigerten. Sichtlich zufrieden kommentierte FDP-Chef René Rock denn auch den Ausgang der Wahl. „Oberstes Ziel“ sei es gewesen, Schwarz-Grün unmöglich zu machen, um damit Optionen für neue Mehrheiten zu schaffen. „Das haben wir erreicht - mit einem erfreulichen Nebeneffekt: Der Einsatz unlauterer Mittel im Wahlkampf wird nicht belohnt.“ Rock spielt damit auf die umstrittenen YoutubeFilmchen der Grünen an, kündigt an, die FDP werde Gespräche nur mit „relevanten Fraktionen“ führen.

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Die Politik der Bundesregierung macht Volker Horn (CDU) als einen Grund für die hohen Einbußen seiner Partei aus. Auch der „Bürgermeister-Bonus“ könne dazu beigetragen haben, dass die CDU Stimmen an die FDP verloren habe. „Es wäre allerdings vermessen, zu sagen, wir hätten keine Fehler gemacht“, sagte Horn. Darüber wolle die Union nun in den kommenden Tagen diskutieren.´FWS-Chef Jürgen Kraft sagte, nach dem Trendbericht - 17 Prozent/sechs Sitze - sei die Freude am Sonntagabend groß gewesen, die verbliebenen 12,5 Prozent seien da etwas ernüchternd. Gleichwohl sieht er Chancen für die Konstellation FDP/SPD und FWS.

Im ersten Moment geschockt, so kommentiert Natascha Maldener-Kowolik die Reaktion der Grünen. „Wir hätten das Ergebnis wenigstens gerne gehalten.“ Wenn man den Fukushima-Effekt beiseite lasse, seien die Grünen aber doch gewachsen in Seligenstadt, zehn Prozent ein ordentliches Ergebnis. „Vier Sitze sind okay. Wir sind nicht zufrieden, aber wir können gut damit leben“, resümiert Maldener. „Es ist schade, dass wir nicht mehr mitgestalten können“, sagt sie mit Blick auf das Aus für die schwarz-grüne Mehrheit. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Peter Sulzmann ist „froh, dass wir den formalen Abwärtstrend gestoppt haben.“ Zudem ergebe sich durch die neue Gewichtung im Parlament eine bessere Ausgangslage für seine Partei. In Verhandlungen werde die SPD Wert auf eine möglichst gute Umsetzung ihres Wahlprogramms legen. (mho/sig/kd)

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