Neue Flüchtlingsunterkunft

Einzug für Ende Mai geplant

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Landrat Oliver Quilling, Erste Stadträtin Claudia Bicherl, Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams und Kreisbeigeordneter Carsten Müller (von links) vor der neuen Flüchtlingsunterkunft.

Seligenstadt - Baugleich mit der kürzlich in Rodgau offiziell vorgestellten Asylbewerberunterkunft, lässt der Kreis derzeit in Seligenstadt eine Gemeinschaftsunterkunft für 80 Menschen erstellen. Von Sabine Müller

Landrat Oliver Quilling (CDU), Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) sowie die Seligenstädter Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams (parteilos) und Erste Stadträtin Claudia Bicherl (CDU) besichtigten gestern Vormittag die Baustelle. Ende Mai, Anfang Juni können die ersten Flüchtlinge an der Einhardstraße einziehen. Etwa 1200 Quadratmeter hat der Kreis von seinem mehr als 22.000 Quadratmeter großen Gelände, das der ehemaligen Matthias-Grünewald-/Don-Bosco-Schule zur Verfügung stand, abgezwackt. Auf 500 Quadratmeter Grundfläche lässt er die Sammelunterkunft für 80 Personen errichten; dazu kommen die Außenanlagen. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 2,4 Millionen Euro. Im Januar wurden die ersten der 33 Einzelmodule mit einem hohen Vorfertigungsgrad auf der Baustelle angeliefert. Derzeit wird noch an der roten Fassade gearbeitet.

Landrat Oliver Quilling dankte den 13 Städten und Gemeinden des Kreises Offenbach, die große Kraftanstrengungen unternähmen, um der humanitären Aufgabe gerecht zu werden: In den vergangenen Monaten sei es gelungen, adäquate Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und eine Willkommenskultur aufzubauen. Von den fast 1300 Menschen, die der Kreis Offenbach 2014 aufnahm, hat er rund 800 entsprechend eines Verteilerschlüssels auf die Kommunen verteilt. Etwa 100 leben derzeit in Seligenstadt. In diesem Jahr erwartet der Kreis weitere 1400 Flüchtlinge – wenn sich diese Zahl noch halten lässt: Nach Blick die tagesaktuelle Presse sei mit deutlich mehr Asylanträgen zu rechnen, so die Kreisspitze. „Wenn hier aber 2000 Menschen ankommen, müssen wir uns - auch wenn diese Unterkunft fertig ist - gegen die wachsende Zahl wappnen“, sagte Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller. Im April 2014 hatte der Kreistag den Bau von zwei Einrichtungen für jeweils 80 Bewohner in Seligenstadt und auf einem städtischen Grundstück in Rodgau-Nieder-Roden beschlossen. „Wir planen noch mindestens zwei weitere Einrichtungen“, informierte Oliver Quilling, „eine wird auf jeden Fall in Dietzenbach entstehen.“

Carsten Müller sagte der Stadt seinen Dank dafür, dass das Zuweisungssystem trotz Anlaufschwierigkeiten „ordentlich ins Laufen gekommen ist“. Im Kreisgebiet müssten deshalb nicht wie andernorts Zelte und Turnhallen belegt werden. Der größte Teil der Asylsuchenden komme derzeit aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, Syrien und Pakistan. Die Welle aus dem Kosovo und Albanien ebbe etwas ab, unter anderem durch ein schnelleres Asylverfahren. Die Seligenstädter Asylbewerberunterkunft soll nach Auskunft von Müller nur eine Zwischenlösung für die Neuankömmlinge sein. Würden diese anerkannt, wechselten sie in den Sozialhilfestatus: Städte und Gemeinden seien über die Bauleitplanung im Boot, wenn sozialer Wohnungsbau sowohl für die heimische Bevölkerung als auch für die Flüchtlinge vorangetrieben werden müsse.

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Seligenstadts Bürgermeisterin und Erste Stadträtin bestätigten, dass die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung im Vergleich zur Anfangszeit vor eineinhalb Jahren nun rund laufe. Die Kommunen bekämen jedoch die Flüchtlingsaufnahme von Bundes- und Landesebene regelrecht übergestülpt, klagte Dagmar B. Nonn-Adams. Eine Aufgabe, die kaum zu stemmen sei. Die Verwaltungschefin verlangt deshalb eine verlässliche Bundesgesetzgebung und Europa-Regelung, zumal viele Flüchtlinge ankämen, die bestimmt nicht anerkannt würden. Claudia Bicherl meinte, die Unterbringung funktioniere auch deshalb, „weil die Bevölkerung mitarbeitet und hinter der Stadt steht“. Beim Rundgang durch die Gemeinschaftsunterkunftbegutachteten die Vertreter von Stadt und Kreis die 35 Zimmer mit je 16 Quadratmetern. Die 30 Doppelzimmer und fünf doppelt so große Familienzimmer verteilen sich auf drei Etagen; über eine Außentreppe sind die oberen Stockwerke erreichbar. Pro Etage gibt es je zwei Küchen und Sanitärräume, dazu kommen ein Schulungs-/Versammlungsraum, eine Waschküche sowie ein Büro für die Sozialarbeiter. Laut Müller ist mit einer 80-Prozent-Stelle und deshalb mit einer Person vor Ort zu rechnen. Die Möblierung stammt aus dem ehemaligen Kreis-Jugendheim in Affhöllerbach. Das Haus verfügt über Gaszentralheizung; eine Solaranlage auf dem Flachdach unterstützt die Warmwasserversorgung. Landrat und Kreisbeigeordneter kündigten an, der Kreis werde ein Willkommensfest für die Bevölkerung ausrichten, wenn die ersten Flüchtlinge eingezogen sind.

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