Vertrieben, deportiert, ermordet

Künstler Gunter Demnig verlegt neue Stolpersteine in Seligenstadt

Bei der Verlegung vor dem St.-Josefs-Haus (von links): Fritz Haas, Stephan Sprey, Gunter Demnig und Hildegard Haas
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Bei der Verlegung vor dem St.-Josefs-Haus (von links): Fritz Haas, Stephan Sprey, Gunter Demnig und Hildegard Haas

Aktionskünstler Gunter Demnig ist ein gern gesehener Gast in Seligenstadt. 13 neue Stolpersteine verlegte der Mann mit dem breitkrempigen Hut an acht Stationen in der Einhardstadt.

Seligenstadt – Den ersten setzte er, assistiert von Maurermeister Stephan Sprey, ins Pflaster vor dem St.-Josefshaus an der Mauergasse 17. In Begleitung von mehr als 20 Interessenten ging’s weiter zu den Häusern Vautheigasse 8, Kleine Rathausgasse 3 und 6, Große Salzgasse 7 und 11, Steinheimer Straße 40 und 52.

Seit 1996 hat der Künstler seinen eigenen Angaben zufolge mehr als 75 000 Stolpersteine in 24 europäischen Ländern verlegt. Dieses größte dezentrale Mahnmal der Welt erinnert an Menschen, die der Verfolgung durch die Nazis zum Opfer fielen, jeweils an ihrem letzten selbstbestimmten Wohnort. „Allein in Deutschland gibt es sie in 1265 Kommunen“, erzählt der 72-Jährige. In Seligenstadt, wo er zum fünften Mal war, organisiert die Bürgerinitiative Synagogenplatz die Aktion, vorgestern erstmals zu Corona-Bedingungen.

Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft waren nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma, religiös und politisch oder wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgte, körperlich oder geistig Behinderte. Die Seligenstädter Sophie Fecher, Valentin Nord, Johanna Rasmussen und Jean Ruppel waren Opfer der NS-Euthanasie, als „lebensunwert“ bezeichnet und in der hessischen Anstalt Hadamar getötet. „Aktion T4“ war die offizielle Bezeichnung für diese Verbrechen, benannt nach der Adresse der Zentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin. Dies ist auf den Tafeln vermerkt.

Ein Stolperstein

Weitere Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger, die teils geflohen, teils gen Osten deportiert und ermordet, teils auf der Flucht ergriffen und verschleppt worden sind. Hier ihre Namen zum ewigen Gedenken: Sophie Strohmberg, Karl Heinrich Mayer, Erna Mayer und Margot Mayer (alle im besetzten Polen ermordet); Wilhelm Lilie, Amalie Lilie, Gertrude Lilie, Frieda Lilie und Regina Lilie (sämtlich in die USA geflüchtet, wo sie überlebten).

Elf weitere Steine will die BI am Samstag, 8. August, in Eigenregie verlegen; Interessenten sind willkommen. Damit gibt es 120 solcher Mahnmale in der Einhardstadt, finanziert ausnahmslos aus Spenden. Die Schicksale der Menschen sind nachzulesen in dem Buch „Stolpersteine in Seligenstadt“.

Weitere Informationen gibt es bei Hildegard Haas unter 06182 22793. Die Bankverbindung für zugedachte Spenden: Förderkreis Historisches Seligenstadt, Stichwort Stolpersteine, IBAN DE51 5065 2124 0001 1100 48. (Von Markus Terharn)

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