Namenszusatz beim Hessischen Innenministerium beantragt

Seligenstadt will ganz offiziell Einhardstadt werden

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Gemeinsam für die Einhardstadt (von links): Aloys Lenz, Bürgermeister Bastian, Dorothea Henzler und Thomas Laube.

Seligenstadt - Im alltäglichen Gebrauch ist die Bezeichnung Seligenstadts als „Einhardstadt“ längst angekommen. Was liegt da näher, als diesen Namenszusatz auch ganz offiziell zu führen? Bürgermeister Dr. Daniell Bastian will diesen beim zuständigen Innenministerium beantragen und stellte die Idee gestern gemeinsam mit Mitstreitern im Rathaus vor. Von Katrin Stassig

Wann genau der Begriff „Einhardstadt“ zum ersten Mal verwendet wurde, ist nicht bekannt. Heimatforscher Thomas Laube, auch stellvertretender Vorsitzender der Einhard-Gesellschaft, vermutet die Dreißigerjahre als Ausgangspunkt, als der fränkische Gelehrte verstärkt in den Fokus der Forschung rückte. Noch bis in die Sechzigerjahre war der Name Eginhard eine gängige Variante. Heute, so stellt Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) fest, sprechen die Seligenstädter ganz selbstverständlich von der Einhardstadt. Der Stadtgründer sei omnipräsent, unter anderem als Namensgeber der Einhardschule, des Einhardhauses und nicht zuletzt der Einhardbasilika. Und auch durch zwei Institutionen, die sich mit der historischen Figur und deren Wirken beschäftigen. Mit dem Vorsitzenden des Präsidiums der Einhard-Stiftung, Aloys Lenz, und der Vorsitzenden der Einhard-Gesellschaft, Dorothea Henzler, stellte Bastian am Donnerstag in einer Pressekonferenz die Idee vor, beim hessischen Innenministerium offiziell den Namenszusatz „Einhardstadt“ für Seligenstadt zu beantragen.

Dies kann eine Stadt nach Paragraf 13 der Hessischen Gemeindeordnung mit Bezug auf ihr historisches Erbe tun. Der Innenminister muss den Zusatz genehmigen. Es gebe keinen Anspruch auf, aber auch keine festen Voraussetzungen für den Titel, so Bastian. Ein entscheidendes Kriterium ist nach Erfahrung von Aloys Lenz das Alleinstellungsmerkmal. Lenz hat den Antrag der Stadt Hanau begleitet, als sie sich um den Zusatz „Brüder-Grimm-Stadt“ bemühte. Den hatte das Innenministerium damals zunächst abgewiesen. Er habe den Innenminister – damals war das der heutige Landeschef Volker Bouffier – dann in einem persönlichen Gespräch doch noch überzeugt.

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Das Alleinstellungsmerkmal, da sind sich alle Beteiligten einig, sollte in Bezug auf Seligenstadt und Einhard nicht infrage stehen. Auch aus Michelstadt, wo die zweite Einhardbasilika steht, befürchtet Bastian keinen Gegenwind. Der ist bei einem so konsensfähigen Vorhaben auch in Seligenstadt nicht zu erwarten. Mit den politischen Fraktionen hat der Bürgermeister bereits vorfühlende Gespräche geführt. „Alle halten es für eine hervorragende Idee.“ Der Vorstoß soll nun den Weg über die Stadtverordnetenversammlung nehmen, bevor der Antrag ans Innenministerium geht. Weil es bis zum Antragsschluss am 7.  Januar knapp wird, steht das Thema voraussichtlich erst in der zweiten Sitzungsrunde des neuen Jahres auf der Tagesordnung.

Bastian hofft, dass der Zusatz noch im Laufe des Jahres 2019 genehmigt wird – und dann auf Ortsschildern und Briefköpfen verwendet werden kann. So soll Einhard in der öffentlichen Wahrnehmung noch präsenter werden und natürlich das Renommee der Stadt „noch einmal deutlich verstärken“. Denn Einhard, das unterstreicht Thomas Laube, ist auch über Seligenstadt hinaus ein Begriff. So sind seine Texte beispielsweise an der Uni Tübingen für die Lateinprüfung maßgeblich, in Paris ist die Rue Eginhard nach ihm benannt.

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