Die Abstandsfrage

Würzburger Straße: ADFC will Überholverbotsschilder wegen Mittelinsel

+
Jaap Knoblich nutzt den Maximalabstand, den ein Radfahrer zum Bordstein haben darf. Überholen ist in dem Bereich der Würzburger Straße unmöglich. 

In gemächlichem Tempo radelt ein Mann auf der Würzburger Straße in Richtung Einhardstraße. Einige Meter vor der Bushaltestelle beginnt eine lange Mittelinsel, die den Straßenraum verengt. Von Oliver Signus

Seligenstadt – Exakt vier Meter sind es, sagt Jaap Knoblich von der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Zu eng, um gefahrlos zu überholen, daher hängen sich zwei Autofahrer im Schritttempo an den Radler, bis die Straße kurz vor dem Kreisel zur Einhardstraße wieder breiter wird. Der ADFC moniert schon seit längerer Zeit das Fehlen von Überholverbotsschildern in dem Bereich. „Das interessiert keinen Menschen“, kritisiert Knoblich und verweist darauf, dass trotz Einladung kein Vertreter vom städtischen Ordnungsamt beim Pressetermin am gestrigen Vormittag dabei war.

Nachdem die Straßenverkehrsordnung novelliert wurde, hätten Ende April dort Überholverbotsschilder aufgestellt werden müssen, sagt Knoblich. Die Situation sei eindeutig. Wenn der Abstand zwischen Radler und Autofahrer unter 1,50 Meter liege, dürfe nicht überholt werden. Das Thema sei auch mehrfach in der städtischen Verkehrskommission diskutiert worden, nun müssten Stadt und Ordnungsamt auch mal handeln.

Problematisch seien sowohl für Autofahrer als auch für Radler die hohen Bordsteine. Autofahrer könnten nur schwer oder gar nicht erkennen, wann der Bordstein anfängt und hielten sich daher eher ein Stück weiter rechts, sodass der Abstand zum Drahtesellenker, der ebenfalls einen gewissen Abstand zum hohen Bordstein hält, noch enger wird.

Knoblich berichtet von gefährlichen Situationen, in denen die Radlenker vom Außenspiel überholender Autos touchiert worden seien. Auch mit Blick auf die nahe gelegene Einhard- und Merianschule möchte der ADFC-Aktivist dort ein Hinweisschild sehen. Viele hundert Kinder und Jugendliche seien täglich auf der Würzburger Straße unterwegs. Immer wieder würden sie von Autofahrern angepöbelt.

Erster Stadtrat Michael Gerheim als zuständiger Dezernent bestätigte, dass die Straßenverkehrsordnung entsprechend geändert wurde. Derzeit überlege man aber bei der Stadt dennoch, ob man Schilder aufstellen solle. Die Neuregelung in der Straßenverkehrsverordnung sehe auch vor, dass bei Abständen unter 1,50 Meter das Überholen ohnehin verboten sei. Gerheim räumte ein, dass de Regelung nicht jedem bewusst sei, und dass es für Autofahrer nicht leicht sei, so schnell eine Entscheidung über ausreichend oder zu wenig Abstand zu fällen. Auf Basis dieser Grundlage diskutiere man daher noch. Ganz davon abgesehen könnten die Schilder noch nicht aufgestellt werden. „Die Straßenverkehrsverordnung ist zwar geändert, aber die Verwaltungsvorschrift liegt uns noch nicht vor“, erläutert der Erste Stadtrat. Diese regelt nämlich genau, wie die Schilder aufzustellen sind.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare