Von hohem Wiedererkennungswert

Zweite Seligenstädter Lyriknacht des Skriptoriums mit viel Anklang

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Drei Viertel der in der Seligenstadt-Anthologie vertretenen Autoren trugen ihre Texte im Edith-Stein-Saal des St.-Josefshauses vor. Auf der Bühne von links Sven Buchsteiner und Bernhard Bauser, daneben sitzend Angelika Weimer und Martina Weih, stehend Natalie Himmelsbach, in der ersten Reihe im Publikum sitzend von links Hans-Jürgen Lenhart, Bärbel Vogt und S. Katharina Eismann.

Der „Seligenstädter Einladung“ konnte das Bildungsbürgertum im Städtchen nicht widerstehen. So heißt die Sammlung voller „Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte“ (Untertitel), erschienen im Frankfurter Verlag Größenwahn.

Seligenstadt –  Als Herausgeber zeichnen Bernhard Bauser und Sven Buchsteiner; den Rahmen zur Präsentation bildete die 2. Seligenstädter Lyriknacht; als Gastgeber firmierte das Skriptorium; 15 der 20 in der Anthologie vertretenen Autoren lasen vor.

Entstanden sind die Texte teils nach Themenvorgaben, die das Skriptorium bei seinen regelmäßigen Treffen im Buchladen entwickelt hat. So gliedert sich der Band in acht Teile: „Mein Ort“, „Einhard & Emma“, „Klaa Frankreich“, „Klostergeschichten“, „Türme und Tore“, „Klang“, „Adventsmarkt“ sowie „Rosige & schaurige Aussichten“. Beste Aussichten für die Zuschauer im gut gefüllten Edith-Stein-Saal des St.-Josefshauses also. Und für künftige Leser.

Wiedererkennungswert ist da garantiert, aber auch manche Überraschung. So lautspielerisch wie von Bernhard Bauser erzählt und von ihm im Wechsel mit S. Katharina Eismann vorgetragen war die Historie von „e(i)mma und e(g)inhard“ nie zu erleben. So einfühlsam wie der 23 Jahre junge Jannis Zeiger schildert nicht jeder die Geschichte eines alten Mannes, die Erinnerungen an die tote Großmutter. So originelle Einsichten wie Reinhard Franz in seinen „Turmgesprächen“ kann nur ein Außenstehender liefern. Und so virtuos wie von Beate Bonifer wurde „die neue heimat“ für Geflüchtete selten in Verse gefasst.

Als Stadtführerin ist Martina Weih ausgewiesene Expertin für den „Klangteppich Heimat“. Unikum Dieter Petrosch erweist den stummen Zeugen früherer Tage Reverenz: „Wo Turm steht hoch und Tor auf weit“. Natalie Himmelsbach, in Tschechien geboren, lässt Emma und Einhard in Prosa und doch sehr poetisch den Liebestod proben. Spannend macht es Angelika Weimer, die das Geheimnis des Hauses Freihofplatz 6 nur anreißt, jedoch nicht lüftet.

Katharina Eismann, gebürtige Rumänin, spannt einen lyrischen Main-Bogen vom früheren Wohnort Rumpenheim zum heutigen Seligenstadt. Wortakrobat Hans-Jürgen Lenhart berichtet vom Freiherrn von Berlepsch, vom Adligen zum Apfel mutiert. Und Bärbel Vogt stellt Immas Büste in den Himmel für It-Girls zwischen die von Marilyn Monroe und Evita Perón.

Christina Kunz kann’s auf Hessisch, Deutsch und Französisch. Peter Jabulowsky lässt Kobolde zwischen den Kräutern des Klostergartens hausen. Jane Moser tritt einen klangmalerischen Stadtgang an. Und Sven Buchsteiner beendet den Abend mit seinen Betrachtungen über gekreuzigtes Spalierobst sowie einem höchst vergnüglichen Paargespräch zwischen Einhard und Emma.

Das Vorwort stammt von Angela Beike, Leiterin des Regio-Museums. Weitere Texte steuerten Deborah Hof, Uwe Kunz, Diana Scherer, Rolf Silber und Ingrid Walter bei. Ergänzt ist dieses broschierte Bändchen um Schwarz-Weiß-Fotografien von Stadtansichten sowie um Rezepte von Seligenstädter Gastronomen.

Buchtipp

Bernhard Bauser/Sven Buchsteiner (Hrsg.): Seligenstädter Einladung. Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte, Größenwahn-Verlag, 180 Seiten, 9,99 Euro

VON MARKUS TERHARN

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