Kein beständiges Material

Seligenstädter Kunstforum: Claus Burys Schiffsbrücke wird abgebaut

Bury Platz auf seiner Skulptur
+
Schiffsbrüggebaabambeler: Letztmals nimmt Bury Platz auf seiner Skulptur.

Nur noch dieses Wochenende ist Claus Burys Schiffsbrücke am Schleifbach in Seligenstadt zu bestaunen, schon Montag wird die Skulptur demontiert und fachgerecht entsorgt.

Seligenstadt – Ja, das ist Kunst. Und ja, das kann weg. Muss weg. Seligenstadt nimmt Abschied von einer prägenden Skulptur. „Ich bin sehr traurig“, bekennt Annemarie Pötzelberger vom Kunstforum. Sie war es, die im Jahr 2000 Kontakt zum Künstler knüpfte und ihn zu einem Beitrag für die 15. Freiluftausstellung dieses Vereins im Klosterhof bewog. 2002 überspannte die Brücke den Mühlgraben, im Jahr darauf wurde sie zum aktuellen Standort versetzt, unterstützt von Sparkasse und weiteren Sponsoren.

Zunächst war ein Platz am Main nahe der Fähre geplant, doch Kuratorin Pötzelberger erzählt: „Der damalige Bauhofleiter Albert Kemmerer hat gesagt, da könnte ich sie beim nächsten Hochwasser in Frankfurt abholen.“ In der Tat habe sie die Schiffsbrücke mehrmals im Wasser gesehen – „so schön“, seufzt sie in der Erinnerung.

„Keine Wehmut“ empfindet dagegen der Schöpfer. Für Professor Bury ist Holz, in diesem Fall Douglasie, „kein Material der Beständigkeit“. Die senkrechten Bauteile könne vielleicht ein Hobbygärtner verwenden. Fortschreitender Verfall ist Teil seiner Kunst, späterer Abbau Absicht.

Der Name „Schiffsbrücke“ habe doppelten lokalen Bezug, erläutert der 74-jährige gebürtige Gelnhäuser, dessen Markenzeichen monumentale, architektonisch anmutende Arbeiten sind – „zum Kirchenschiff der Basilika und zur Flussnähe“. Er hätte sein Werk gern etwas länger am Kloster behalten, zeigt sich aber auch glücklich mit dem stattdessen gefundenen Ort. Eine Erhaltung wäre jedoch gleichbedeutend gewesen mit Totalerneuerung. „Das steht in keinem Verhältnis zu den Veränderungen im Laufe der Zeit“, meint Bury.

Der Bürgermeister denkt genauso. Daniell Bastian verweist darauf, dass bereits anno 2009 renoviert und gestrichen wurde; mehr zu tun wäre nicht sinnvoll. Worauf der Rathauschef sich freut: Das Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“ und „Eltern haften für ihre Kinder“, aus Haftungsgründen seinerzeit für unerlässlich erachtet, verschwindet. Am Stein wird eine neue Tafel angebracht, die Ahnungslosen erklärt, was dort 17 Jahre lang unfallfrei gestanden hat.

Gleich zwei Amtsvorgänger Bastians haben gestern die Gelegenheit genutzt, sich von der Schiffsbrücke zu verabschieden; beide erkennbar bewegt, aber mit amüsanten Geschichten. So betont Bürgermeister a. D. Rolf Wenzel die Ausstrahlung von Kunst in die Region und berichtet, wie er das Hin und Her in der Standortfrage beendet habe mit einer Aktennotiz: „Trotzdem kommt sie dahin.“

Ex-Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams steht noch der damalige Landrat Peter Walter vor dem geistigen Auge. „Der hat in einer launigen Ansprache zur Aufstellung erst die Notwendigkeit des Warnhinweises ironisiert und ist dann demonstrativ über die Brücke geschritten.“ Zahlreiche Bürger dürften es ihm nachgemacht haben, ehe eine Umzäunung dies verhinderte.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare