Greifen Nachbarn in Tasche?

Auf beiden Mainseiten Diskussionen über Fähre

+
Sorgenkind Mainfähre: Die Stadt Seligenstadt will die Betriebszeiten einschränken, um Geld zu sparen. Karlsteins Bürgermeister Bruder spricht sich für eine Brücke aus.

Seligenstadt/Karlstein - Wenn sich die bayerischen Anrainerkommunen „substanziell“ an der Finanzierung der hochdefizitären Seligenstädter Mainfähre beteiligen, dann würde die Einhardstadt unter Umständen auf die Einschränkung der Fahrzeiten und die Umstellung auf den Einschichtbetrieb verzichten. Von Michael Hofmann

Das sagt Bürgermeister Dr. Daniell Bastian, der das alljährliche Fähr-Defizit um 100.000 Euro verringern will. Um etwa 100.000 Euro will Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) durch Einsparungen und Umstellung von Zwei- auf Einschichtbetrieb dass alljährliche Fähr-Defizit von zuletzt 330.000 Euro abbauen. Das bedeutet eine Einschränkung der Fährzeit von derzeit täglich 14 bis 15 Stunden auf sechs Stunden im Winter und etwa zehn im Sommer. Eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung über diesen Magistratsantrag steht noch aus. Das Thema ist auch in der gegenüberliegenden bayerischen Gemeinde Karlstein von Brisanz, in der am 2. Juli eine Bürgermeisterwahl stattfindet und in der die Fähre im Zusammenhang mit Berufspendlern und dem städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) durchaus eine Rolle spielt.

Lesen Sie dazu auch:

Diskussion um Fähre lässt Seligenstädter kalt

So berichtete das Main-Echo Aschaffenburg in seiner Samstags-Ausgabe unter der Überschrift „Nachbarn sollen für Fähre zahlen“ darüber, dass Bürgermeister Bastian „am Rande des FDP-Neujahrsempfangs“ am 5. März gesagt habe, er werde die Fährzeiten nicht, wie geplant, deutlich einschränken, „wenn die umliegenden Gemeinden die geplante Einsparung übernehmen.“ Stimmt, sagte Bastian gestern und bestätigte diese vom Wahlkampfteam seines Karlsteiner Parteikollegen und Bürgermeisterkandidaten Peter Kreß verfasste Position. Er habe sich damit auf Gespräche bezogen, nach denen die Bayern - neben Karlstein auch Kahl und Alzenau - angeblich über eine Kostenbeteiligung am Seligenstädter Fährbetrieb nachdenken. Freilich, so der Seligenstädter Rathauschef weiter, müsse es schon „etwas Substanzielles“ sein, um zu einem solchen Ergebnis zu gelangen. Bastian spielt damit auf frühere Zeiten an, als die Gemeinde Karlstein dreimal 10.000 Euro und zuletzt einmal 8000 Mark (2001) überwiesen hatte. Auch die vom noch amtierenden Bürgermeister Winfried Bruder (CSU), einem erklärten Gegner solcher Zuschüsse, zuletzt mehrfach ins Feld geführte Investition in einen Parkplatz am Karlsteiner Mainufer nahe der Fähre erfüllt Bastians Erwartungen kaum.

Fähre zur Revision in der Werft

Fähre zur Revision in der Werft

Unterdessen fand auch ein gemeinsamer Ortstermin von Karlsteiner CSU- und Seligenstädter CDU-Politikern statt. Nach einer Pressemeldung, auf die sich das Main-Echo beruft, sei man sich einig gewesen in der Forderung, die Betriebszeiten der Fähre nicht zu kürzen. Viele Pendler und Stadtbesucher müssten sonst weite Umwege fahren oder auf einen Einkaufsbummel oder Arztbesuch in Seligenstadt verzichten. Außerdem seien sich CSU und CDU einig darin gewesen, dass eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines „Mainstegs“ in Auftrag gegeben werden solle, die nicht nur dessen Investitionskosten, sondern auch die Folgekosten einer Brücke im Vergleich zum Fährbetrieb darstellen soll. „Beide Seiten wollen auf keinen Fall auf eine Verbindung über den Main verzichten“, heißt es im Text der CSU Karlstein weiter, die im dortigen Gemeinderat über 12 von 20 Sitzen und damit die Mehrheit verfügt.

Gegen die Einschränkung des Fährbetriebs sammelt die Karlsteinerin Hildegard Manthey Unterschriften. 545 Voten kamen zusammen, die die Pendlerin jetzt ins Seligenstädter Rathaus geschickt hat.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare