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Seligenstädter Paar stellt Haus für Geflüchtete zur Verfügung

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Von: Vincent Büssow

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Bernward und Helga Schorn (links) haben für ein Jahr eine Familie aufgenommen, die aus der Ukraine geflohen ist.
Bernward und Helga Schorn (links) haben für ein Jahr eine Familie aufgenommen, die aus der Ukraine geflohen ist. © Privat

Die Stadt Seligenstadt sucht weiteren Wohnraum für Geflüchtete. Ein Ehepaar hat vor einem Jahr genau das getan und berichtet von ihren Erfahrungen.

Seligenstadt – Mehr als 300 Geflüchtete sind laut Stadt derzeit in Seligenstadt untergebracht. Geflohen sind sie aus verschiedenen Krisengebieten, darunter die Ukraine, Syrien, Afghanistan und der Iran. Etwa 220 von ihnen wohnen in Gemeinschaftsunterkünften. 86 weitere Menschen leben in 18 Privatwohnungen, welche die Stadt angemietet hat.

Eine dieser Wohnungen gehört Bernward Schorn und seiner Frau Helga. Das ehemalige Haus der Eltern von Helga Schorn ist über einen Garten direkt mit dem eigenen Haus des Paars verbunden. Seit dem Tod der Eltern war es nicht mehr bewohnt. „Und dann kam dieser schreckliche Ukraine-Krieg“, sagt Bernward Schorn. „Wir wollten unbedingt helfen und haben uns überlegt, ob wir die möblierte Wohnung für ein Jahr Geflüchteten zur Verfügung stellen.“

Das Paar nahm Kontakt zur Stadt auf. Knapp zwei Monate später zog eine Familie aus der Ukraine ein. „Eine Mutter mit Zwillingen, die damals vier Jahre alt waren, dazu Oma und Uroma, die Babuschka“, also vier Generationen, erzählt Schorn. In einer „Hauruckaktion“ wurde das Esszimmer in ein Schlafzimmer mit drei zusätzlichen Betten umgewandelt.

Mehr Menschen kommen nach Seligenstadt, als untergebracht werden können

Viele Seligenstädter hatten sich bereits kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine bei der Stadt gemeldet, um Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Auch heute wird weiterhin nach Wohnraum für Geflüchtete gesucht. Wie in vielen Kommunen in Deutschland kommen auch in der Einhardstadt mehr Menschen an, als direkt untergebracht werden können. Die Stadt bittet deshalb erneut Privatpersonen, freien Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Bernward und Helga Schorn blicken nach einem Jahr mit ihren neuen Nachbarn auf viele schöne Momente zurück. „Wir haben tolle Erfahrungen gemacht“, sagt Bernward Schorn. „Die Familie, besonders die zwei Mädchen, sind uns sehr ans Herz gewachsen.“ Auf Bildern sind gemeinsame Grillfeste und Ausflüge zu sehen. „Man ist aber nicht nur Vermieter.“ Genau darin bestehe auch das Problem.

Für das Paar wurde die Situation, trotz aller Bereicherung, stellenweise auch zur Belastung. So hat es sich gerade am Anfang auch um die Versorgung der Flüchtlinge gekümmert. Geholfen haben dabei auch ihre Kinder, Freunde, Verwandte und Nachbarn mit Geld- und Sachspenden, erzählt Helga Schorn. „Und dann haben wir für die fünfköpfige Familie einen Antrag nach dem anderen gestellt: Sozialhilfe, Hartz 4, Kindergeld, Krankenkasse.“ Auch in die Suche nach einem Kindergartenplatz für die Zwillinge investierte das Paar viel Zeit und Energie.

Stadt Seligenstadt: „Situation ganz gut gemeistert“

Die Seligenstädter fühlten sich dabei von der Stadt ziemlich allein gelassen. „Das Dreieck zwischen Vermietern, Geflüchteten und Stadt, das sollte doch in Zukunft enger sein“, sagt Bernward Schorn. „Klar, vieles war am Anfang Neuland – für uns, als auch für die Stadt. Aber ich glaube, da muss sich die Stadt zukünftig anders aufstellen und anders organisieren.“

Bürgermeister Daniell Bastian sagt auf Nachfrage, die Stadt habe die Situation „ganz gut gemeistert“. Dennoch räumt auch er ein, dass es zu Beginn auf viele wichtige Fragen keine passenden Antworten gab. „Da kam es vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu Überforderungen, beziehungsweise personellen Engpässen.“ In Zukunft soll es regelmäßigere Austauschtreffen für Vermieter und Unterkunftsbetreiber geben.

Trotz allem zeigen sich die Schorns glücklich über ihr eigenes Engagement. „Wenn die Kinder einem spontan lachend in die Arme rennen, dann spürt man, es war die richtige Entscheidung, zu helfen“, sagt Helga Schorn. (Von Vincent Büssow)

Kontakt für Vermieter

Die Stadt sucht weitere Freiwillige, die bereit sind, Wohnraum in Seligenstadt an Geflüchtete zu vermieten. 120 bis 140 Personen werden aktuell monatlich an den Kreis Offenbach zugewiesen, von denen etwa zehn auf Seligenstadt fallen. Interessierte können sich per Mail an durchstarten@seligenstadt.de beim Amt für soziale Infrastruktur melden. (Von Vincent Büssow)

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